Fußball

Heimo Pfeifenberger: "Wir sind irgendwie alle nur Interimstrainer"

Salzburgs Jahrhundertfußballer Heimo Pfeifenberger macht sich vor der Partie seiner Wolfsberger gegen Salzburg Gedanken über seinen Job.

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Heimo Pfeifenberger hofft auf einen Erfolg gegen Red Bull Salzburg.

Seine Bilanz als Trainer des Wolfsberger AC gegen Fußballmeister Red Bull Salzburg ist beachtlich. Von den bisherigen vier Partien verlor Pfeifenberger nur ein Spiel, holte drei Unentschieden. Auf einen Sieg gegen die Bullen als Trainer wartet Salzburgs Fußballikone aber noch immer. Am Samstag bietet sich für den ehemaligen Salzburger Publikumsliebling wieder einmal die Gelegenheit, diese Bilanz gegen den Serienmeister zu verbessern. Im Gespräch mit den "Salzburger Nachrichten" erklärte der 49-Jährige wie auch die Bullen in Verlegenheit zu bringen sind.

SN: Salzburg liegt nur auf Platz drei, enttäuschte international, der WAC rutschte in der Tabelle ab: Welcher Trainer steht morgen mehr unter Druck?
Heimo Pfeifenberger (lacht): Ich glaube beide Trainer brauchen einen Sieg. Salzburg benötigt die Punkte, um nicht weiter an Boden zu verlieren. Wir kämpfen um Tabellenende um jeden Zähler. Aber auch wenn der Meister zuletzt nicht so dominierte, wir sind krasser Außenseiter. Red Bull Salzburg verfügt über eine höhere individuelle Klasse als wir. Aber der WAC wird raufen und versuchen, über viel Emotion ins Spiel zu kommen.

SN: Salzburg gelang in den beiden vergangenen Ligaspielen kein Tor. Steckt der Meister in einer Krise?
Ich haben viele Spiele Salzburgs in den vergangenen Tagen studiert. Ich glaube nicht, dass die Bullen in einer ernsthaften Krise stecken. Es gibt eben oft Phasen in einer Saison, in denen man vor dem Tor Probleme hat. Auch alle Gegner haben sich auf das Spiel der Salzburger gut eingestellt. Aber es ist mit Sicherheit so, dass man zu denken beginnt, warum beste Chancen nicht verwerten werden. Diese Verunsicherung müssen wir zu unseren Gunsten nützen. Allerdings hängt das auch von der Leistung des Gegners ab. Ein Topmann wie Jonatan Soriano, der auf mich zuletzt ein wenig müde wirkte, kann jeden Moment aus dem Nichts treffen.

SN: Warum zittern die Gegner nicht mehr vor den Bullen?
Das liegt auch daran, dass die Salzburger viele hochkarätige Spieler verloren haben und die Neuzugänge diese noch nicht gleichwertig ersetzen konnten. Die Liga ist überhaupt ausgeglichener geworden. An der Spitze und am Tabellenende. Auch für Salzburg wird das Spiel morgen kein Honiglecken. Jeder Verein hat das Gefühl, gegen diese Salzburger bestehen zu können. Das Spiel der Bullen ist jetzt mehr auf Ballbesitz ausgelegt, man steht nicht mehr, so wie in den Jahren zuvor, permanent unter Dauerbeschuss. Wenn wir zeigen können, dass wir von der ersten Minute an präsent sind, unangenehm auftreten, dann können wir für eine Überraschung sorgen.

SN: Ist ein Spiel gegen Red Bull Salzburg überhaupt noch der Höhepunkt einer Saison?
Für mich als Salzburger ist diese Partie immer noch eine ganz besondere Herausforderung. Die Bedeutung will ich auch auf meine Spieler übertragen. Wenn man gegen den über Jahre besten Clubs Österreichs gewinnt, dann hat dieses Ergebnis schon einen sehr hohen Stellenwert. Und für jeden, der daran beteiligt daran war, ist es doch ein schönes Gefühl, positiv in den Schlagzeilen zu stehen.

SN: Österreichs Spitzenteams setzen fast ausschließlich auf Trainerlegionäre. Fehlt den Österreichern die Qualität?
(lacht) Das müssen die Clubverantwortlichen beantworten. In unserem Job hat man nur eine kurze Überlebensdauer. Trainer gehen, Trainer kommen. Das Karussell dreht sich immer schneller. Aktuell überwiegen eben die Legionäre. Irgendwie sind wir eigentlich alle nur Interimstrainer. Viele Clubs holen einen Ausländer als Chefcoach aus Imagegründen. Aber es ist, wie wenn wir gegen Red Bull spielen, auch die kochen nur mit Wasser.

Heimo Pfeifenberger als Trainer gegen Salzburg:
2012/13 RB Salzburg - Wiener Neustadt 1:1
2012/13 Wiener Neustadt - RB Salzburg 0:3
2012/13 RB Salzburg - Wiener Neustadt 3:1
2012/13 Wiener Neustadt - RB Salzburg 0:6
2013/14 Wiener Neustadt - RB Salzburg 1:5
2013/14 RB Salzburg - Wiener Neustadt 8:1
2013/14 Wiener Neustadt - RB Salzburg 1:5
2013/14 RB Salzburg - Wiener Neustadt 5:0
2014/15 Wiener Neustadt - RB Salzburg 0:5
2014/15 RB Salzburg - Wiener Neustadt 4:1
2015/16 RB Salzburg - Wolfsberger AC 1:1
2015/16 Wolfsberger AC - RB Salzburg 1:1
2015/16 RB Salzburg - Wolfsberger AC 1:0
2016/17 RB Salzburg - Wolfsberger AC 1:1


Aufgerufen am 23.09.2018 um 01:23 auf https://www.sn.at/sport/fussball/heimo-pfeifenberger-wir-sind-irgendwie-alle-nur-interimstrainer-978070

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