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Abwehrchef Wöber von Red Bull Salzburg bereit: "Ich habe keine Angst vor Lewandowski"

Maximilian Wöber reifte bei Fußballmeister Red Bull Salzburg zu einem wichtigen Führungsspieler und denkt bereits an das Spiel gegen Bayern.

Salzburgs Abwehrchef Maximilian Wöber gibt in der Defensive den Ton an. SN/GEPA pictures
Salzburgs Abwehrchef Maximilian Wöber gibt in der Defensive den Ton an.

Österreichs Meister Red Bull Salzburg, der am Samstag gegen die Admira testet (Taxham, 15), steht vor einer ereignisreichen Frühjahrssaison 2022, in der die Bullen Fußballgeschichte schreiben können. Denn die Salzburger stehen sensationell im Achtelfinale der Champions League, wo der Gegner Bayern München heißt. Mit welchen Erwartungen und Zielen er in die Saison geht, das erklärte Innenverteidiger Maximilian Wöber, der mit seinen 23 Jahren nicht nur Stamm-, sondern auch Führungsspieler geworden ist, im Interview mit den "Salzburger Nachrichten".

Sie stehen mitten in der Vorbereitung auf die Frühjahrssaison. Wie sehr muss sich ein Profi dabei quälen? Maximilian Wöber: Natürlich ist es nicht immer lustig, sich mit harten Einheiten auf die Saison vorzubereiten. Aber diese Arbeit ist wichtig und gehört zum Leben eines Fußballers. Jetzt haben wir auch die Möglichkeit, um Abläufe zu verbessern, weil nicht jeden dritten Tag ein Spiel auf dem Programm steht. Nur wenn wir physisch top sind, können wir auch unsere Ziele erreichen.

Wie fühlen Sie sich nach so einem Übungstag? Die Trainings sind schon sehr intensiv und auch hart. Das spürt man. Am Abend sprüht man nicht mehr voller Energie. Da ist vor allem Relaxen angesagt.

Dann sind Testspiele sozusagen eine willkommene Abwechslung? Nicht nur das, sie sind auch enorm wichtig, weil man diese Spielsituationen nicht üben kann. Es geht auch darum, alles zu zeigen, was in den Tagen zuvor trainiert wurde. Und jeder Spieler hat die Möglichkeit, den Trainer zu überzeugen, dass er in die Elf gehört. Ich absolviere Testspiele immer mit höchster Konzentration und versuche, an die Leistungsgrenze zu gehen.

Um dann gut gerüstet Titel zu holen? Es kommen sicher anstrengende Monate auf uns zu. Nicht nur in physischer Hinsicht, sondern auch auf mentaler Ebene. Von Red Bull Salzburg werden in jedem Jahr die Titel in der Liga und im Cup verlangt. Diese zu gewinnen ist auch unser großes Ziel. Und auch gegen die auf dem Papier übermächtigen Bayern wollen wir zeigen, dass wir gut mithalten können.

Gibt es dafür ein Rezept? In der Gruppenphase der Champions League im Herbst 2020 haben wir zwar zwei Mal gegen die Bayern verloren, aber ich hatte den Eindruck, dass wir nicht chancenlos waren. Und aktuell sind wir in der Defensive gefestigter, als wir es damals waren. Wir wissen, wie wir die Bayern verunsichern können. Wichtig wird es sein, die Münchner von der ersten Minute an zu stressen. Sie nicht spielen zu lassen.

Es wird entscheidend sein, dass Sie Bayern-Torjäger und Weltfußballer Robert Lewandowski ausschalten. Wie geht man an diese Aufgabe heran? Angst habe ich davor keine, aber natürlich Respekt. Aber es ist schon eine große Herausforderung, gegen Lewandowski zu spielen. Da muss man auf den Punkt genau topfit sein. Aber es ist leichter gesagt als getan, ihn eng zu decken, ihm keinen Platz zu lassen und aggressiv in jeden Zweikampf zu gehen. Versuchen werde ich es auf alle Fälle.

Die beiden Spiele gegen die Bayern sind Saisonhöhepunkte. Spekuliert man da auch mit einer Sensation? Für uns ist es schon ein großer Erfolg, dass wir gegen die Bayern spielen können. Was aber keineswegs heißen soll, dass wir in Ehrfurcht erstarren. Wir sind nach wie vor gierig, auch wenn wir unser internationales Ziel schon erreicht haben. Wir wollen Fußball-Europa zeigen, welche hohe Qualität in unserem Team steckt. Wir haben auch schon gegen einige Topclubs in der Königsklasse gezeigt, dass wir bestehen können.

Wann wäre die Saison für Sie zufriedenstellend verlaufen? Wenn wir Meister werden und auch den Titel im Cup holen. Und auch dazu zwei Mal gegen die Bayern gute Spiele zeigen. Es wäre nämlich unrealistisch, als Ziel auszugeben, dass wir die Bayern eliminieren.

Sie sind vor zweieinhalb Jahren über Stationen bei Ajax und Sevilla nach Salzburg gekommen und jetzt Führungsspieler. Wie haben Sie sich in dieser Zeit entwickelt? Ich habe wieder Spaß am Fußball, bin auch als Mensch gefestigter. Bei Red Bull Salzburg kam ich zu einem Club, bei dem es für mich als Verteidiger sehr viel um Pressing, Laufarbeit, Vorwärtsverteidigen geht. Für mich waren das neue Elemente, die ich so bei Sevilla oder Ajax nicht gekannt habe. Dort ist es eher um klassischen Ballbesitzfußball gegangen. Für mich ist es aber wichtig, zu 100 Prozent fit zu sein, um in internationalen Spielen in jedem Spiel Topleistungen zeigen zu können. So gesehen war die Partie in der Champions League in Sevilla im vergangenen Herbst für mich ein Weckruf. Ich war nicht 100 Prozent fit und konnte der Mannschaft nicht wirklich helfen.

Ab dann ging es steil bergauf. Eine starke Leistung folgte auf die nächste. Wie nehmen Sie die Rolle als Führungsspieler mit 23 Jahren an? Ich bin in unserem Team ja fast schon ein alter Hase (lacht). Aber ich war mit 17 schon im Profigeschäft und habe viel erlebt. Ich weiß, wie der Fußball läuft, und kann mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das mache ich auch gern. Ich bin gern unter Leuten und gebe meine Erfahrungen gern weiter. Es macht mir auch Spaß, das Team auf dem Platz zu führen. Und ich kann auch einmal laut werden, wenn sich wer hängen lässt. Das ist aber immer als Hilfestellung zu verstehen.

Sie möchten also Verantwortung übernehmen? Dafür bin ich auch geholt worden. Es ist mein Naturell, dass ich mich in einer Führungsposition sehe. Man muss sich aber durch Leistungen eine Führungsrolle erkämpfen. Das ist mir, glaube ich, zuletzt gut gelungen. Als Innenverteidiger ist es schon auch wichtig, dass man ein Leadertyp ist.

Der auch noch einmal den Sprung ins Ausland anstrebt? Ein Wechsel in eine europäische Topliga ist für jeden, der bei Red Bull Salzburg spielt, immer ein Thema. Und im Fußball kann alles sehr schnell gehen. Aber aktuell fühle ich mich in Salzburg sehr wohl. Vom Umfeld bis zur Mannschaft passt alles perfekt. Wichtig ist, dass ich weiter meine Leistungen bringe, dann wird sich zeigen, was die Zukunft bringt. Ich weiß, was ich in Salzburg habe, wie gut es mir hier geht und auf welchem Niveau ich hier Fußball spielen kann. Für mich ist derzeit nur wichtig, dass wir mit dem FC Red Bull Salzburg erfolgreich sind.

In Salzburg spielen Sie konstant auf einem hohen Niveau, warum konnten Sie in der österreichischen Nationalmannschaft noch nicht richtig durchstarten? Teamchef Franco Foda hat viele starke Innenverteidiger im Kader. Er hat sich eben für andere entschieden. Das Nationalteam ist für mich aber eine Herzensangelegenheit. Jede Nominierung ist etwas ganz Besonderes. Ich will es in Zukunft dem Teamchef so schwer wie möglich machen, mich zu übersehen. Mein Ziel ist es, Österreich bei einem Fußball-Großereignis zu vertreten. Ich hoffe, dass diese Zeit bald kommt.

Aufgerufen am 18.05.2022 um 01:23 auf https://www.sn.at/sport/fussball/international/abwehrchef-woeber-von-red-bull-salzburg-bereit-ich-habe-keine-angst-vor-lewandowski-115798234

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