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Atletico düpierte Liverpool - Klopp "schlechter Verlierer"

Vor zehn Tagen noch auf Triple-Kurs, bleibt Liverpool nur noch das "Trostpflaster" Premier League. Atletico Madrid fügte den Engländern am Mittwochabend die erste Europacup-Niederlage in Anfield seit fünfeinhalb Jahren zu und beendete Liverpools Hoffnung auf die Titelverteidigung in der Champions League bereits im Achtelfinale. Jürgen Klopp gab nach dem 2:3 n.V. den "schlechten Verlierer".

Marcos Llorente zerstörte Liverpools Traum SN/APA (AFP)/PAUL ELLIS
Marcos Llorente zerstörte Liverpools Traum

34 Schüsse Richtung Tor der Spanier produzierte Liverpool in 120 Minuten. Gegen defensiv eingestellte Madrilenen um ihren Startorhüter Jan Oblak holten die Hausherren aber deutlich zu wenig heraus. Atleticos Held war Marcos Llorente. Der nach der Pause eingewechselte 25-Jährige schoss in der Verlängerung zwei Tore (97, 105.+1). Kurios: Der bei Real ausgebildete Mittelfeldspieler hatte im Profifußball vor seinem Doppelpack in Liverpool insgesamt erst drei Tore erzielt.

"Wir haben keine Grenze, wenn es darum geht, zu leiden, so wie wir es heute getan haben. Wir alle haben bis zum Tod verteidigt, und dann können solche Dinge passieren", sagte Llorente nach dem Spiel martialisch. Nach dem zweiten Treffer des Großneffen von Real-Legende Paco Gente (sechsfacher Meistercup-Sieger) zum 2:2 sprintete sein Coach Diego Simeone die Outlinie entlang, um vor den Auswärtsfans zu jubeln.

Zwar waren dann noch 15 Minuten zu spielen, Liverpool wirkte aber angeschlagen. Der überlegene Premier-League-Spitzenreiter hatte das 0:1 nach dem Hinspiel durch Georginio Wijnaldum (43.) ausgeglichen. Nach dem 2:0 durch Roberto Firmino (94.) auf Kurs ins Viertelfinale, ebnete ein Patzer von "Reds"-Torhüters Adrian dessen Landsleuten das Comeback. Der Spanier stand aufgrund der Hüftverletzung von Alisson im Gehäuse. Alvaro Morata (120.+1) traf danach noch einmal für die Gäste.

Simeone sprach von einem Erfolg gegen einen der besten Gegner in seiner fast neunjährigen Amtszeit bei Atletico. "Das war ein riesiges Spiel, das in die Geschichte eingehen wird. Gegen einen außergewöhnlichen Rivalen", sagte der Argentinier. Seinen Torhüter verglich er mit einem berühmten Landsmann. "So wie Messi Spiele im Angriff entscheidet, entscheidet Oblak sie im Tor."

Klopp war indes bedient. 72 Prozent Ballbesitz hatte seine Mannschaft, am Ende stand dennoch eine Niederlage zu Buche. Es war die vierte in den vergangenen sechs Pflichtspielen bzw. seit dem 0:1 in Madrid. Im FA-Cup war Liverpool vergangene Woche an Chelsea gescheitert. Dass Atletico Liverpool mit einer sehr defensiv angelegten Spielweise den Zahn zog, wurmte Klopp mehr als ihm lieb war.

"Ich realisiere, dass ich wirklich ein schlechter Verlierer bin, vor allem wenn die Jungs so viel Energie reinstecken gegen Weltklassespieler, die mit zwei Viererreihen verteidigen", meinte der Deutsche. "Ich verstehe nicht, warum sie (Atletico) mit ihren Qualitäten diesen Fußball spielen. Sie könnten guten Fußball zeigen, aber sie stehen tief und setzen auf Konter." Dass Liverpool nach dem Finaleinzug 2018 und dem Sieg 2019 nur noch Zuschauer ist "fühlt sich falsch an". Zu Adrian sagte Klopp: "Ich mache ihm keine Sekunde einen Vorwurf. Was ihr (die Medien, Anm.) macht, weiß ich nicht. Aber respektvoll zu bleiben wäre sehr nett."

Bemüht war sowohl Klopp, als auch Kapitän Jordan Henderson, den Blick nach vorne zu richten. Liverpool fehlen nur noch zwei Ligasiege, um den ersten Meistertitel seit 30 Jahren einzufahren. Am Montag wartet im Merseyside-Derby Everton. "Der Fokus muss nun schnell darauf gerichtet werden. Wir wollen die Saison stark beenden", betonte Henderson. Angesichts von derzeit 25 Zählern Vorsprung auf Verfolger Manchester City ist der Titel nur noch Formsache. Wie einige Journalisten anmerkten, wird die Saison jedoch nun als erfolgreiche, aber nicht außergewöhnliche in die Geschichtsbücher eingehen.

Quelle: Apa/Ag.

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