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Aufruhr in Neapel nach Match gegen Salzburg

Dunkle Wolken hängen dieser Tage nicht nur über dem Golf von Neapel. Auch beim Stolz der Stadt, der SSC Napoli, braut sich etwas zusammen. Trainer Carlo Ancelotti sprach nach dem 1:1 in der Champions League gegen Österreichs Fußball-Meister Salzburg nicht mit Journalisten, sagte erstmals in seiner Amtszeit die obligatorische Pressekonferenz ab. Dem Club droht daher eine Geldstrafe durch die UEFA.

Großen Gesten ließ er keine Worte folgen: Carlos Ancelotti während der Partie Napoli – Red Bull Salzburg. SN/GEPA pictures
Großen Gesten ließ er keine Worte folgen: Carlos Ancelotti während der Partie Napoli – Red Bull Salzburg.

Zu den Gründen für die Funkstille machte Napoli keine Angaben. Es könnte aber eine Reaktion auf die ungeliebte Kasernierung sein, die Präsident Aurelio De Laurentiis dem Team nach schwachen Ergebnissen in der Liga bis Sonntag, bis Beginn der Länderspielpause, verordnet hat. Ancelotti hatte sich bereits am Montag dagegen ausgesprochen, musste sich aber dem streitbaren Clubchef beugen.

Während Carlo Ancelotti und sein Trainerteam nach dem Salzburg-Match wegen der vom Club-Präsidenten verordneten Kasernierung ins 35 Kilometer entfernte Castel Volturno zurückkehrten, weigerten sich die Spieler, dies zu tun. Sie informierten Edoardo De Laurentiis, den Sohn Aurelios und Club-Vizepräsidenten, sowie ihre Anwälte. "Wir fahren nach Hause."

Eine zwangsweise Kasernierung sei durch keinen Punkt in den Verträgen gedeckt, argumentierten sie. Am Mittwochvormittag kehrten die Spieler auf das Trainingsgelände zurück und rauschten nach der Regenerationseinheit wieder nach Hause ab. Der Club hatte da schon die für die Kasernierung angemieteten Hotelzimmer storniert.

Nach Informationen der "Gazzetto dello Sport" (Online) hielt Club-Chef Aurelio de Laurentiis in seiner Suite Kontakt mit Anwälten, um mögliche Sanktionen gegen die "Meuterer" zu prüfen. Eine Stellungnahme wurde noch für Mittwoch erwartet.

Im Castel Volturno wird die Situation vorerst hinter verschlossenen Türen analysiert. In der Champions League hat Napoli sein Schicksal weiter selbst in der Hand. Aus den beiden abschließenden Gruppenspielen in Liverpool und zu Hause gegen Genk wird ein Sieg benötigt, um nach dem 1:1 gegen Salzburg aus eigener Kraft ins Achtelfinale einzuziehen. "Dieses Unentschieden verändert nichts. Wir müssen weiterhin hart arbeiten", meinte Ausgleichstorschütze Hirving Lozano.

Der Druck auf den früheren Erfolgscoach, der mit AC Milan und Real Madrid bereits dreimal die Champions League gewonnen hat, wird indes zunehmend größer. Nach drei Partien ohne Sieg ist Napoli in der Serie A auf Platz sieben abgerutscht. Durch das Remis gegen Salzburg, bei dem sie vor der Pause eine Vielzahl an Großchancen ausließen, sind die Süditaliener vor dem Schlager in Liverpool auch in Champions-League-Gruppe E ihre Spitzenposition los.

Das Team stellte sich hinter Ancelotti. "Wir sind eine geeinte Gruppe. Und das sind wir dank unseres Trainers, der uns ein gutes Gefühl gibt und versucht, Druck von uns zu nehmen in dieser schwierigen Zeit", erklärte Kapitän Lorenzo Insigne, der als einer der wenigen Napoli-Akteure nach dem Salzburg-Spiel vor die Presse trat. "Wir sind ihm dankbar und wir möchten gut spielen für ihn. Er hilft uns und verdient Erfolg."

Italienische Medien berichteten von Spannungen in der Kabine. Einige Akteure hätten den "Ritiro", wie die Kasernierung in italienischen Medien genannt wird, laut Angaben der "Gazzetta dello Sport" nicht fortsetzen wollen. "Chaos Napoli, es ist eine Meuterei", titelte die Sportzeitung am Mittwoch in ihrer Online-Ausgabe. Auch Ancelotti sei vom Eingriff des Präsidenten in seinen Handlungsspielraum genervt.

Napoli hielt in einem Statement fest, alles in seiner Macht zu versuchen, um die wirtschaftlichen und disziplinären Interessen des Vereins zu schützen. Man habe Trainer Carlo Ancelotti anvertraut, in dieser Sache Entscheidungen die erste Mannschaft betreffend zu fällen. Pressestatements werde es bis auf weiteres keine mehr geben, schrieb Napoli.

Aufgerufen am 27.01.2022 um 08:22 auf https://www.sn.at/sport/fussball/international/aufruhr-in-neapel-nach-match-gegen-salzburg-78781873

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