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DFB-Präsident Grindel mit sofortiger Wirkung zurückgetreten

Der Multimillionär Grigori Surkis galt lange als grauer Kardinal des ukrainischen Fußballs. Dabei wurde auch geschmiert. ie Annahme einer teuren Uhr unter Druck geraten war. Bis zum DFB-Bundestag im September übernehmen Ligapräsident Reinhard Rauball und DFB-Vize Rainer Koch.

Der Druck nach der Affäre um Zusatzeinkünfte war zu groß SN/APA/dpa (Archiv)/Andreas Arnold
Der Druck nach der Affäre um Zusatzeinkünfte war zu groß

So war es schon über den Jahreswechsel 2015/16 gewesen, als Wolfgang Niersbach im Zuge des Sommermärchen-Skandals gehen musste. Im April 2016 hatte dann Grindel den Posten übernommen. Seit 114 Jahren hat kein DFB-Boss kürzer amtiert als Grindel. Bis September soll nun ein Kandidat für die Nachfolge gefunden werden, auf den sich Proficlubs und Amateurlager einigen können.

Der frühere ZDF-Journalist und CDU-Bundestagsabgeordnete Grindel war in den vergangenen Monaten zunehmend in die Kritik geraten. Zunächst hatte der "Spiegel" Anschuldigungen veröffentlicht, Grindel habe Vergütungen in Höhe von 78.000 Euro als Aufsichtsratschef der DFB-Medien Verwaltungs-Gesellschaft in den Jahren 2016 und 2017 nicht publik gemacht. Der DFB hatte den Vorwurf der Verschleierung zurückgewiesen. Grindel habe bei seinem Amtsantritt korrekte Auskünfte über seine Einkünfte gemacht und den gut dotierten Aufsichtsratsposten erst drei Monate später angetreten.

Es folgte zu Wochenbeginn ein "Bild"-Bericht, dass Grindel eine Luxus-Uhr vom früheren ukrainischen Verbandsboss Grigori Surkis angenommen habe. Grindel bestätigte dies am Dienstag in seiner Rücktrittserklärung und bezifferte den Wert der Uhr auf 6.000 Euro. "Für mich war das ein reines Privatgeschenk. Es war ein Gebot der Höflichkeit, dieses Geschenk anzunehmen", sagte Grindel. Es habe aus seiner Sicht kein Interessenskonflikt bestanden.

Wegen der neuerlichen Negativ-Schlagzeilen hatte Grindel in den vergangenen Tagen offenkundig den Rückhalt in der Verbandsspitze endgültig verloren. Seine Missgeschicke hatten sich zuletzt gehäuft. In der heiklen Causa um die Fotos von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem umstrittenen türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan ließ er es an klarer Linie vermissen.

Zuvor hatte es bereits Kritik wegen einer übereilten Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw gegeben. Unglücklich wirkte Grindel auch, als er den Umgang von Löw mit der abrupten Ausmusterung der Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng monierte - und dann schnell zurückrudern musste. Jetzt ist Grindel selbst beim DFB Geschichte.

Surkis: Der graue Kardinal

zDie Rolex-Armbanduhr für Reinhard Grindel war keineswegs das einzige ominöse Geschenk, das Grigori Surkis verteilt hat. 1995 berichtete ein spanischer Schiedsrichter, Grigoris Bruder Igor, damals Manager und jetzt Präsident von Dynamo Kiew, habe ihm vor einem Vorrundenspiel der Champions League gegen den griechischen Klub Panathinaikos Athen für einen Sieg der Seinen zwei teure Nerzmäntel und 30.000 Dollar Schmiergeld angeboten. Es war der erste Bestechungsskandal in der Champions League. Und in der Ukraine gilt es als offenes Geheimnis, dass nicht Igor, sondern sein großer Bruder Grigori dahinter steckte.

Grigori Surkis, 69, ukrainischer Geschäftsmann, laut der Zeitschrift Forbes 76 Millionen Dollar reich gilt als einer der großen Drahtzieher im ukrainischen Fußball. Der fußballbegeisterte Sohn eines Militärarztes aus Odessa und gelernte Ingenieur gründete nach dem Fall des Sowjetsozialismus 1991 gemeinsam mit seinem Bruder Igor den Industrie- und Finanzkonzern Slawutitsch, kaufte sich parallel bei Dynamo Kiew ein, dem traditionsreichsten ukrainischen Fußballklub. 1993 wurde Grigori Surkis dort Präsident, 2000 auch Präsident der Fußballföderation der Ukraine (FFU). Die Surkis-Brüder machten viele ihrer Geschäfte gemeinsam mit dem Oligarchen Igor Kolomoisky aus Dnjepropetrowsk, dessen Privatbank soll auch Dynamo Kiew finanziert haben.

Dabei gilt Grigori als der mit Abstand klügere der Gebrüder Surkis, zwar ist Igor jetzt Präsident von Dynamo Kiew, aber nach Einschätzungen von Sportjournalisten fällt sein großer Bruder die Entscheidungen. Als langjähriger Chef der FFU schaffte es Grigori Surkis bis ins Exekutivkomitee der UEFA, wurde sogar ihr Vizepräsident. Er soll bei der umkämpften Wahl von Michel Platini zum UEFA-Vorsitzenden 2007 die entscheidenden osteuropäischen Stimmen gesammelt haben. Und dass die EM 2012 an Polen und außerdem an die Ukraine ging, gilt ebenfalls als sein Werk. "Grigori Surkis ist sehr klug", sagt Dmitri Durnjew, Experte für Korruption im ukrainischen Fußball. "Aber seine Geschäftsmethoden sind eher von vorgestern." Schiebung soll weiter dazu gehören. Nachdem Dynamo Kiew vergangenen August Slavia Prag aus der Qualifikation für die Champions League geworfen hatten, protestierten die Tschechen heftig wegen skandalöser Schiedsrichterentscheidungen.

Seit Jahren schwindet Surkis Einfluss, unter Präsident Petro Poroschenko verlor er auch im Fußball zusehends den Zugriff. Im Februar mußte er sein Amt als UEFA-Vizepräsident abgeben, vorher hatte er alle Hebel in Bewegung gesetzt, um wieder einen Führungsposten im FFU zu bekommen. Nur als solcher hatte er Chancen, sein UEFA-Amt zu retten. Aber Surkis scheiterte am Widerstand Poroschenkos und seiner Umgebung.
Im laufenden Präsidentschaftswahlkampf soll Surkis Poroschenkos Konkurrentin Julia Timoschenko unterstützt haben. "Er hat der Führung des Fußballverbandes wiederholt gedroht, er werde wiederkommen, wenn Timoschenko die Wahl gewinne", sagt Experte Durnjew. Aber Surkis Favoritin scheiterte im ersten Wahlgang. Und es ist fraglich, ob der alternde Drahtzieher noch einmal die Fäden des ukrainischen Fußballs in die Hände bekommt.

So war es schon über den Jahreswechsel 2015/16 gewesen, als Wolfgang Niersbach im Zuge des Sommermärchen-Skandals gehen musste. Im April 2016 hatte dann Grindel den Posten übernommen. Seit 114 Jahren hat kein DFB-Boss kürzer amtiert als Grindel. Bis September soll nun ein Kandidat für die Nachfolge gefunden werden, auf den sich Proficlubs und Amateurlager einigen können.

Der frühere ZDF-Journalist und CDU-Bundestagsabgeordnete Grindel war in den vergangenen Monaten zunehmend in die Kritik geraten. Zunächst hatte der "Spiegel" Anschuldigungen veröffentlicht, Grindel habe Vergütungen in Höhe von 78.000 Euro als Aufsichtsratschef der DFB-Medien Verwaltungs-Gesellschaft in den Jahren 2016 und 2017 nicht publik gemacht. Der DFB hatte den Vorwurf der Verschleierung zurückgewiesen. Grindel habe bei seinem Amtsantritt korrekte Auskünfte über seine Einkünfte gemacht und den gut dotierten Aufsichtsratsposten erst drei Monate später angetreten.

Es folgte zu Wochenbeginn ein "Bild"-Bericht, dass Grindel eine Luxus-Uhr vom früheren ukrainischen Verbandsboss Grigori Surkis angenommen habe. Grindel bestätigte dies am Dienstag in seiner Rücktrittserklärung und bezifferte den Wert der Uhr auf 6.000 Euro. "Für mich war das ein reines Privatgeschenk. Es war ein Gebot der Höflichkeit, dieses Geschenk anzunehmen", sagte Grindel. Es habe aus seiner Sicht kein Interessenskonflikt bestanden.

Wegen der neuerlichen Negativ-Schlagzeilen hatte Grindel in den vergangenen Tagen offenkundig den Rückhalt in der Verbandsspitze endgültig verloren. Seine Missgeschicke hatten sich zuletzt gehäuft. In der heiklen Causa um die Fotos von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem umstrittenen türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan ließ er es an klarer Linie vermissen.

Zuvor hatte es bereits Kritik wegen einer übereilten Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw gegeben. Unglücklich wirkte Grindel auch, als er den Umgang von Löw mit der abrupten Ausmusterung der Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng monierte - und dann schnell zurückrudern musste. Jetzt ist Grindel selbst beim DFB Geschichte.

Aufgerufen am 05.12.2020 um 04:05 auf https://www.sn.at/sport/fussball/international/dfb-praesident-grindel-mit-sofortigerwirkung-zurueckgetreten-68191156

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