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Dribblings gegen die Armut in Ghana

Reportage. Fußball ist für die Kinder in der Presby Highschool in Ghana ihr Leben - mit Unterstützung aus Salzburg.

<strong>Die Neobulls</strong> der Presby Junior Highschool in Damongo/Ghana sind stolz auf ihr neues Outfit und spielen mit großem Einsatz, auch ohne Schuhe.&#8197; SN/a. thiel
Die Neobulls der Presby Junior Highschool in Damongo/Ghana sind stolz auf ihr neues Outfit und spielen mit großem Einsatz, auch ohne Schuhe. 

Eine Reise nach Ghana mit einem längeren Aufenthalt im Norden des Landes: Die Trockenzeit erreicht ihren Höhepunkt, das Thermometer steigt auf weit über 40 Grad, das Land ist staubig, die letzten Pflanzen auf den Feldern sind verdorrt, der Grundwasserspiegel sinkt, sodass viele Brunnen austrocknen und die Frauen das benötigte Wasser aus Flüssen und von weit entfernten Bohrlöchern holen müssen. Die Bauern bereiten ihre Felder für die Aussaat vor, in der Hoffnung, dass der große Regen bald kommt. Zu ernten gibt es während der Trockenzeit nicht viel, so wird auch auf dem Markt außer Yamswurzeln, Zwiebeln und den unerlässlichen Chilischoten kaum etwas feilgeboten.

Damongo, eine Stadt in der Provinz Northern Ghana, ist nur über eine 120 Kilometer lange Staubstraße zu erreichen. Der Ort sowie die gesamte Provinz sind gekennzeichnet von Arbeitslosigkeit und Armut. Obwohl durch nationale und internationale Initiativen in den letzten Jahren die Ernährungs- und Gesundheitssituation erheblich verbessert wurde und das Land auf der Welthungerliste einige Plätze wettmachen konnte, besteht überall Mangel und Not. Viele Kinder können sich nur im Rahmen des "School Feeding Programme" satt essen. Trotz Schulpflicht, die seit 1995 besteht, besuchen nur rund 65 Prozent der Kinder und Jugendlichen eine Schule, noch immer beträchtlich mehr Buben als Mädchen. In den Klassen sitzen bis zu 120 Schüler auf engstem Raum, es gibt kaum Lehrmittel, viele Schulen verfügen nicht einmal über einen Stromanschluss. Kinderarbeit ist noch immer verbreitet.

Trotz des offensichtlichen Mangels an allem, trotz der lähmenden Hitze, trotz des Staubs, der sich beißend in Augen, Nase und Mund festsetzt, ist eines allgegenwärtig: Fußball. Ob mit Ball, mit Aluminiumdosen, mit zusammengerollten Lumpen - es wird immer und überall versucht, Tore zu schießen. Auch der Schulsport scheint fast ausschließlich aus Fußballtrainings zu bestehen. Allabendlich treffen sich die Männer in der Dorfbar, um Übertragungen afrikanischer oder europäischer Spiele im Fernsehen zu verfolgen. Die Bar ist gut gerüstet: Während der zahlreichen Stromausfälle und -abschaltungen übernimmt ein Generator und liefert die nötige Energie. Die Fußballeuphorie ist vielerorts spürbar. Kein Wunder. Ghana liegt in der FIFA-Weltrangliste an 29. Stelle, gehört zu den besten Teams der Welt.

Die Mitbringsel aus Salzburg waren ein Renner: Dem Fußballclub der Presby Junior Highschool in Damongo wurden Fußbälle sowie Trikots von Red Bull Salzburg überreicht. Der Doublegewinner des Vorjahres hat eine enge Beziehung zu Ghana: Aus der konzerneigenen Nachwuchsakademie sollen die großen Talente an die internationale Spitze geführt werden. In der Kampfmannschaft in Salzburg steht mit Verteidiger Isaac Vorsah bereits ein Ausnahmespieler aus Ghana.

Beim spontan organisierten Match Schüler - Lehrer präsentierten die Schüler ihr neues Outfit, der Spieleinsatz der stolzen Schüler war auch bei 42 Grad ungebrochen, und es schien nichts auszumachen, dass einige der Spieler zu kleine, zu große oder gar keine Schuhe trugen . . .
Das am Nachmittag ausgetragene Bezirksspiel gegen die Jafo Junior Highschool gewannen die Neobulls übrigens 3:1. Und die Bezirksmeisterschaft wurde, vielleicht durch das neue Selbstvertrauen, das die neuen Dressen den Schülern vermittelten, überragend gewonnen. Wir gratulieren sehr herzlich.
Anthony Anyoka, Direktor der Presby Junior Highschool, bedankte sich bei Red Bull Salzburg. "We have nothing to give but our sincere thanks", was übersetzt heißt: "Wir können Ihnen nur unseren aufrichtigen Dank übermitteln." Ein nächstes Ziel ist es, dem engagierten Team Fußballschuhe zur Verfügung stellen zu können. Damit das elegante Tänzeln mit dem Ball mit nackten Füßen ein Ende hat.

Aufgerufen am 27.11.2020 um 01:10 auf https://www.sn.at/sport/fussball/international/dribblings-gegen-die-armut-in-ghana-93325546

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