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Ein Sieg als Versprechen für die Zukunft

Red Bull Salzburg ließ beim denkwürdigen 3:1-Heimsieg gegen Neapel keinen Zweifel daran, dass man bereit ist für den nächsten Schritt. Und der heißt Champions League.

Der erst 18-jährige Mittelfeldspieler Dominik Szoboszlai erntete von allen Seiten viel Beifall für seine Leistung gegen Napoli. SN/GEPA pictures
Der erst 18-jährige Mittelfeldspieler Dominik Szoboszlai erntete von allen Seiten viel Beifall für seine Leistung gegen Napoli.

Plötzlich war die Coolness bei Carlo Ancelotti wie verflogen. Der Startrainer des SSC Napoli kaute in seiner Coachingzone aufgeregt auf seinem Kaugummi herum und wirkte angesichts der Demonstration von Red Bull Salzburg mehr angestrengt als tiefenentspannt. Die Italiener erreichten am Donnerstag dennoch das Viertelfinale der Europa League, das 0:3 aus dem Hinspiel hatte sich wie erwartet als zu große Bürde für die Bullen herausgestellt.

Und trotzdem beschlich einen das Gefühl, als seien nicht die Neapolitaner, sondern die Salzburger die Gewinner dieses hochklassigen Achtelfinal-Duells, zumindest aus emotionaler Sicht. "Ja, wir sind aus dem Europapokal ausgeschieden", sagte Red-Bull-Trainer Marco Rose, "trotzdem überwiegen die Freude und der Stolz, weil ich ganz viele positive Dinge gesehen habe. Wir haben viele Spieler, die sich auf sehr hohem Niveau bewegen können."

Dem pflichtete auch Ancelotti bei: "Salzburg hat ein tolles Team mit vielen jungen Spielern, die hohe Qualität haben. Sie haben einen sehr guten Rhythmus im Spiel und sie haben ihre Stärke gezeigt. Deshalb haben wir gegen Ende gelitten." Viel Lob aus berufenem Munde, immerhin hat der 59-Jährige fast alle großen Clubmannschaften trainiert und sowohl als Spieler wie auch als Coach die Champions League gewonnen (jeweils mit AC Milan).

Besonders viel Beifall von allen Seiten bekam der 18-jährige Ungar Dominik Szoboszlai. Der Europacup-Debütant war aufgrund der Ausfälle von Zlatko Junuzovic (verletzt) und Xaver Schlager (gesperrt) im linken Mittelfeld zum Zug gekommen und zeigte eindrucksvoll, warum er in den Notizblöcken vieler Scouts ganz oben auf der Liste steht. Vor allem Juventus Turin soll Szoboszlai schon seit geraumer Zeit beobachten. Derzeit aber darf sich Red Bull Salzburg seines Könnens erfreuen. "Domi hat seine Sache wirklich sehr gut gemacht", lobte Trainer Rose und war im selben Atemzug bemüht, keinen Einzelnen über die Mannschaft zu stellen. Der Sieg gegen Neapel sei durch eine "außergewöhnliche Leistung" möglich gewesen. "Ich habe ein sehr cooles Fußballspiel mit sehr viel Dynamik gesehen", meinte Rose und schätzte auch die Performance von Neapel hoch ein. "Wer uns raushaut, der darf in der Europa League sehr weit kommen. Für mich gehört Napoli zweifellos zu den Titelfavoriten."

Und Salzburg? Beim österreichischen Serienmeister hat man mit dem 3:1-Sieg gegen Neapel keinen Zweifel daran gelassen, dass man bereit ist für den nächsten Schritt. Und der heißt Champions League. "Wir wollen uns via Meisterschaft qualifizieren. Das ist die Aufgabe für die nächsten Wochen. Dort legt jeder seine Energie rein, und das wird auch wichtig sein", sagte Rose. Sollte sich der Sieger der Königsklasse 2019 auch über die Liga für die kommende Champions-League-Saison qualifizieren, ist Red Bull Salzburg erstmals fix in der Gruppenphase dabei und müsste nicht den mühevollen (und bisher auch noch nie von Erfolg gekrönten) Weg über zwei Qualifikationsrunden beschreiten.

Den Bullen muss auch dann nicht angst und bange sein, sollte es im Sommer zum erwarteten Umbruch in der Mannschaft kommen. Marco Rose hat sich nach wie vor nicht über diese Saison hinaus zu Salzburg bekannt, was auf Abschied in Richtung deutsche Bundesliga (VfL Wolfsburg?) hindeutet. Munas Dabbur (FC Sevilla) und Hannes Wolf (RB Leipzig) sind fix weg, dazu könnten Stefan Lainer, Xaver Schlager und Diadié Samassékou in eine größere Liga wechseln. Die Verträge von Routinier Christoph Leitgeb, der gegen Napoli im 73. Europacup-Match seiner Karriere sein zweites Tor erzielte, und Stürmer Fredrik Gulbrandsen laufen im Sommer aus. Die nächste Generation steht aber längst in den Startlöchern - mit Spielern, die auch der Champions League gewachsen sein werden. Dominik Szoboszlai ist das beste Beispiel dafür. Dazu kommen Talente wie Enock Mwepu (21), Antoine Bernede (18), der von Paris Saint-Germain verpflichtet wurde, oder Norwegens Wunderstürmer Erling Haaland (18).

Sie sind genauso wie der Sieg gegen Napoli ein Versprechen für die Zukunft.

Aufgerufen am 17.10.2019 um 03:00 auf https://www.sn.at/sport/fussball/international/ein-sieg-als-versprechen-fuer-die-zukunft-67308460

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