International

Europa League: Dinamo Zagreb eliminiert Tottenham - und die Fans ließen es krachen

Dinamo Zagreb hat am Donnerstag für die große Überraschung in der Fußball-Europa-League gesorgt. Mit einem 3:0-Sieg nach Verlängerung warfen die Kroaten Tottenham Hotspur von Starcoach Jose Mourinho aus dem Bewerb und stehen erstmals unter den Top acht. Mann des Abends war Triple-Mann Mislav Orsic (62., 83., 106.), der nach dem 0:2 im Hinspiel nicht nur die Verlängerung sicherte, sondern dort auch noch den vielleicht größten Erfolg in der Club-Geschichte perfekt machte.

Manchester United feierte bei Milan einen 1:0-Sieg und entschied damit den Schlager für sich. Der Matchwinner hieß Paul Pogba (49.). Salzburg-Bezwinger Villarreal war gegen Dynamo Kiew (Gesamt 4:0) ungefährdet. Top-Stürmer Gerard Moreno erledigte beim 2:0 im Rückspiel die Sache wieder praktisch im Alleingang (13., 36.).

Tottenham war im Stadion Maksimir eine gute Stunde auf gutem Wege. Dann aber kam Orsic und bestrafte mit seinen Treffern letztlich auch die zu große Passivität des Gruppengegners des LASK sowie Sechzehntelfinalbezwinger des WAC. Erst der dritte Gegentreffer der Kroaten wirkte für Harry Kane und Co. als Weckruf, allein es war zu spät. Im Finish scheiterten Kane und Gareth Bale mit guten Chancen noch an Dinamo-Goalie Dominik Livakovic.

Trotz Corona - Fans entzündeten ein Feuerwerk

Nach dem Match: Dinamo-Fans beim Feuerwerk.  SN/AFP
Nach dem Match: Dinamo-Fans beim Feuerwerk.
Nach dem Match: Dinamo-Fans beim Feiern.  SN/AFP
Nach dem Match: Dinamo-Fans beim Feiern.
Nach dem Match: Dinamo-Fans beim Feiern.  SN/AFP
Nach dem Match: Dinamo-Fans beim Feiern.
Nach dem Match: Dinamo-Fans beim Feiern.  SN/AFP
Nach dem Match: Dinamo-Fans beim Feiern.
Nach dem Match: Dinamo-Fans beim Feiern.  SN/AFP
Nach dem Match: Dinamo-Fans beim Feiern.

"Mein Team hat nicht danach ausgesehen, als ob es ein wichtiges Match gespielt hat", sagte Mourinho nach dem Ausscheiden. "Für mich war es wichtig - aus Respekt, den ich vor meiner eigenen Karriere und meinem eigenen Job habe. Jedes Match ist ein wichtiges Match." Die gegnerischen Spieler lobte der Portugiese, sie hätten Blut, Schweiß und Tränen auf dem Feld gelassen. Tottenham droht nach dem Aus eine Saison ohne Europacup. In der Premier League sind die Nordlondoner nur Achte.

Dinamo-Trainer im Gefängnis

Kurios war auch, dass bei Zagreb, für das der Ex-Austrianer Marin Leovac eingewechselt wurde, auf der Trainerbank ein Debütant saß. Dario Krznar war erst am Dienstag auf Zoran Mamic gefolgt, der nach rechtskräftiger Verurteilung zu einer fast fünfjährigen Haftstrafe wegen Korruption zurückgetreten war. Krznar konnte sein Glück kaum fassen: "Das war ein wunderbares Spiel - eines, von dem du gerne träumen würdest, dich aber nicht traust." Man sei nun für jeden Gegner bereit, wer auch komme.

Arsenal und United kamen weiter

Von fünf in dieser Woche in Europa engagierten englischen Teams blieb nur Tottenham auf der Strecke. Denn Arsenal kassierte zwar eine 0:1-Heimniederlage gegen Olympiakos Piräus, übte eine Woche nach dem 3:1-Auswärtserfolg in Athen aber dennoch erfolgreich Revanche für das letztjährige Aus im Sechzehntelfinale. Den einzigen Treffer des Abends erzielte Youssef El Arabi mit einem abgefälschten Schuss (51.).

In Mailand erwies sich dann Manchester United als reifere Mannschaft. Daran änderte der wiedergenesene Star-Stürmer Zlatan Ibrahimovic nichts, der aufseiten der Italiener ab der 65. Minute gegen seinen Ex-Arbeitgeber mitwirkte. Milan war nach Pogbas schlitzohrigem Treffer in der 49. Minute gefordert gewesen, entwickelte aber kaum Druck auf das englische Tor. Der französische Weltmeister täuschte zunächst einen Schuss an, ehe er 172 Sekunden nach seiner Einwechslung aus kurzer Distanz die freie Ecke fand.

Damit ist die Roma der letzte verbliebene italienische Club in internationalen Bewerben. Die Hauptstädter siegten bei Schachtar Donezk dank eines Doppelpacks von Borja Mayoral (48., 72.) mit 2:1 (0:0) und setzten sich nach dem 3:0-Hinspielsieg in Summe der beiden Partien klar durch. Das tat auch Ajax Amsterdam. Die Niederländer gewannen nach dem Heim-3:0 gegen den Schweizer Meister Young Boys auch das Rückspiel in Bern mit 2:0.

Für den norwegischen Club Molde, der zuvor Hoffenheim ausgeschaltet hatte und in der Gruppenphase auch auf Rapid getroffen war, war hingegen Endstation. Der Ex-Club von Erling Haaland bezwang zwar Granada mit 2:1 (1:0), ist aber aufgrund der 0:2-Hinspielniederlage ausgeschieden.

Hitzige Sezenen in Glasgow: Glen Kamara (l.) und ondrej Kudela gerieten aneinander. SN/AFP
Hitzige Sezenen in Glasgow: Glen Kamara (l.) und ondrej Kudela gerieten aneinander.

Glasgow-Trainer Gerrard beklagt Rassismus

Dasselbe Schicksal ereilte die Glasgow Rangers. Schottlands Meister mit Liverpool-Legende Steven Gerrard auf der Trainerbank musste sich nach einem Heim-0:2 Slavia Prag mit dem Gesamtscore von 3:1 beugen. Unschöner Höhepunkt war ein Kung-Fu-Tritt von Rangers-Stürmer Kemar Roofe gegen den Kopf von Goalie Ondrej Kolar im Kampf um den Ball.

Der kurz zuvor eingewechselt Roofe sah Rot (62.), Kolar musste laut DAZN bewusstlos mit der Trage vom Platz getragen werden und wurde vom 18-jährigen Debütanten Matyas Vagner formidabel vertreten. Nach Gelb-Rot für Rangers-Verteidiger Leon Balogun verwandelte Nicolae Stanciu den fälligen Freistoß zum Endstand (74.). Zuvor hatte Peter Olayinka getroffen (14.).

Der hitzige Europa-League-Fight dürfte zum Fall für die UEFA werden - denn beide Seiten erheben Vorwürfe in Richtung des Gegners. Laut Glasgows Trainer Steven Gerrard wurde sein Spieler Glen Kamara von Ondrej Kudela rassistisch beleidigt. "Es ist krank, schrecklich", sagte der 40 Jahre alte ehemalige englische Nationalspieler und betonte: "Jetzt ist die Sache bei der UEFA und ich hoffe nur, dass sie nicht unter den Teppich gekehrt wird."

Die Tschechen stritten den Rassismusvorwurf vehement ab. Sie beschuldigten vielmehr Kamara, Kudela nach dem Spiel geschlagen zu haben. Kudela sei von Kamara beleidigt worden und mit Fäusten am Kopf getroffen worden, hieß es in einem Statement auf der Homepage von Slavia.

Das habe auch Rangers-Trainer Gerrard mitbekommen, ebenso sollen Mitarbeiter der UEFA Zeuge des Vorfalls und schockiert gewesen sein. Slavia habe die Kabine nicht betreten dürfen und sei später zum Schutz von der schottischen Polizei begleitet worden. Slavia schrieb zudem von "widerlichen Anschuldigungen" Richtung Kudela.

Was sagte Ondrej Kudela wirklich?

Gerrard wollte nicht wiederholen, was der 33 Jahre alte Tscheche in der hitzigen Schlussphase eines hart geführten Spiels, in dem Prags Torwart Ondrej Kolar nach einem rüden Foul im Krankenhaus mit mehreren Stichen am Kopf genäht werden musste, Kamara hinter vorgehaltener Hand ins Ohr geflüstert haben soll. Der ehemalige Star des FC Liverpool betonte aber, dass es rassistisch gewesen sei.

Sein Spieler sei verärgert, er selbst sei verärgert und wütend, betonte Gerrard. Kamara, finnischer Nationalspieler, hatte schon auf dem Platz wütend reagiert. "Ich habe ihn gefragt, willst du vom Platz oder willst du weiter spielen", erzählte Gerrard später. Er kenne den Spieler seit zweieinhalb Jahren, so habe er ihn aber noch nie erlebt.

Gerrard betonte auch, dass er an Stelle der Verantwortlichen bei Slavia Prag wissen wollen würde, warum Kamara so reagiert habe, aber "ihr Spieler wird es verneinen, der Verein wird es verneinen." Slavia zufolge soll Kudela zu dem Schwarzen Kamara gesagt haben: "You fucking guy" (Deutsch: Du verdammter Kerl).

Aufgerufen am 23.10.2021 um 10:25 auf https://www.sn.at/sport/fussball/international/europa-league-dinamo-zagreb-eliminiert-tottenham-und-die-fans-liessen-es-krachen-101266363

Kommentare

Schlagzeilen