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Glasner feiert nächste Sternstunde mit Eintracht Frankfurt

Nach der nächsten Sternstunde mit Eintracht Frankfurt feierte Oliver Glasner mit seiner Tochter im Arm, Martin Hinteregger herzte nach Schlusspfiff unterdessen die euphorisch heranstürmenden Fans. Der deutsche Fußball-Bundesligist steht nach zwei Siegen gegen West Ham United (2:1, 1:0) erstmals seit 42 Jahren in einem europäischen Finale, im Endspiel der Europa League hofft Glasner am 18. Mai in Sevilla auf die Krönung seiner bisherigen Trainerkarriere.

Hinteregger im Frankfurter Jubelmeer SN/APA/dpa/Uwe Anspach
Hinteregger im Frankfurter Jubelmeer

Dann warten im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán die Glasgow Rangers, die einen 0:1-Rückstand aus dem Hinspiel mit einem 3:1 gegen RB Leipzig noch drehten. "Glasgow hat Dortmund und Leipzig ausgeschaltet, zwei absolute Topmannschaften. Wir wissen, was auf uns zukommt. Die Rangers sind ein absoluter Traditionsverein. Das wird für den gesamten europäischen Fußball ein wunderbarer Abend", sagte Glasner voller Vorfreude. Und Eintracht-Präsident Peter Fischer jubelte: "Der Traum wird endlich wahr. Tradition gegen Tradition, Weltklasse-Fans."

Im Halbfinale schaltete die Glasner-Elf nach den spanischen Topclubs FC Barcelona und Betis Sevilla auch noch den hoch eingeschätzten Premier-League-Vertreter aus London aus. "Kompliment und Gratulation. Ich bin riesig stolz auf uns. Wir ziehen ungeschlagen ins Finale ein, damit haben wir uns das verdient", sagte Glasner, für dessen Mannschaft es in Sevilla auch um die direkte Qualifikation für die Champions League geht. Außerdem sind die Hessen der erste deutsche Europa-League-Finalist seit der Gründung 2009.

Vor 48.000 lautstarken Zuschauern in Frankfurt avancierte Borré mit seinem Tor (26.) zum Matchwinner, nach Schlusspfiff stürmten die komplett in weiß gekleideten Fans sofort den Rasen und feierten ausgelassen mit ihren Helden. Nach dem 3:2-Coup im Camp Nou war es die nächste magische Nacht, an die sich Eintracht-Fans noch lange erinnern werden. Mehr als eine halbe Stunde waren die zahlreichen Fans auf dem Rasen geblieben, schossen Fotos mit den Profis und sangen lautstark mit, als aus den Boxen "Eviva España" erklang.

Damit ist Glasner der sechste österreichische Trainer in einem Europacup-Finale. Zuvor schafften das nur Max Merkel (1965) mit 1860 München, der 1956 eingebürgerte, gebürtige Ungar Bela Guttmann, der 1961 und 1962 mit Benfica Lissabon den Meistercup gewann, Hermann Stessl (1978) mit der Wiener Austria und Ernst Dokupil (1996) mit Rapid und natürlich Trainer-Legende Ernst Happel. Er holte mit Feyenoord Rotterdam (1970) und dem HSV (1983) den Europapokal der Landesmeister und stand in drei weitere Male in einem Europacup-Finale.

Einen freien Tag gönnte Glasner seiner Mannschaft nach der nächsten Heldentat aber nicht. "Ich bleibe mal bei heute Abend und werde mir auch das eine oder andere Gläschen gönnen. Aber um 12.00 Uhr machen wir einen lockeren Waldlauf, die Jungs haben ein bisschen was auszuschwitzen", kündigte der Coach in der Nacht zum Freitag grinsend an. Man habe ja auch schon nach der Sensation in Barcelona gefeiert, betonte Glasner. Er wisse aber nicht, was die Spieler machen, "sie sind ja alles erwachsene Kerle".

Einziger großer Wermutstropfen: Hinteregger verletzte sich bereits nach vier Minuten am rechten Oberschenkel, musste ausgewechselt werden und fällt für den Rest der Saison aus. Vor der niederschmetternden Diagnose hatte der 29-Jährige bei Sky gemeint, es sei trotzdem "einer der schönsten Tage" seiner Karriere gewesen. "Unbeschreiblich, wie viele Fans mir entgegengelaufen sind und alle haben Tränen in den Augen. Für die Fans und auch für uns ist es sowas Unglaubliches."

Einen negativen Höhepunkt lieferte West Hams Trainer David Moyes. In einer hektischen Schlussphase schoss der Schotte einen Ball mit voller Wucht und völlig unbegründet zurück in die Richtung eines Balljungen, und verfehlte den Kopf nur haarscharf. "Ich entschuldige mich dafür", sagte Moyes nach seinem Ausraster, der ihm die Rote Karte beschert hatte.

"Das war eine unnötige Aktion, das weiß er selbst. Aber ich will mich jetzt nicht über einen Kollegen äußern", sagte Glasner, der aber zu Scherzen aufgelegt war: "Man sieht, dass David Moyes technisch nicht ganz so versiert ist wie ich. Das ist vielleicht, weil er ein paar Jahre älter ist", sagte Glasner (47) über den 59-Jährigen.

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