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Manchester: Fan-Protest gegen Clubbesitzer eskaliert - Spiel verschoben

Wilde Szenen gab es im Old-Trafford-Stadion von Manchester schon vor dem Premier-League-Hit zwischen Manchester United und dem FC Liverpool am Sonntag. Protestierende Fans stürmten sogar das Spielfeld, das Spiel wurde abgesagt.

Nicht erst seit den Plänen für eine europäische "Super League", an der Manchester United teilgenommen hätte, gibt es Kritik an der US-amerikanischen Eigentümerfamilie Glazer. Mit dem - rasch gescheiterten - Vorstoß von Clubs aus England, Spanien und Italien hat die Anti-Glazer-Bewegung neue Energie bekommen. Rund 10.000 Fans von United protestierten am Sonntag schon lange vor dem Spielbeginn vor dem Old Trafford. Zuschauer sind wegen der Coronapandemie nicht zugelassen. Einige Dutzend Fans schafften es aber, an Sperren vorbei ins Stadion zu kommen, wo sie das Spielfeld stürmten und bengalische Feuer abbrannten. Einige erkletterten die Tore und nahmen die Eckfahnen mit. Nach rund 20 Minuten verließen sie das Stadion. Die Proteste wurden auf den Straßen fortgesetzt.

Meisterentscheidung aufgeschoben

Das Spiel, das programmgemäß um 17.30 Uhr beginnen sollte, wurde abgesagt.

United teilte mit, die Entscheidung sei wegen Sicherheitsbedenken gemeinsam von der Polizei, der Liga, den Organisatoren und den beiden Clubs getroffen worden. Ein Nachtragstermin steht noch nicht fest. Der Club erklärte, man erkenne das Recht auf freie Meinungsäußerung und friedlichen Protest an. "Wir bedauern jedoch die Störung der Mannschaft und die Aktionen, die andere Fans, Mitarbeiter und die Polizei gefährden." Es geht für United noch um die theoretische Chance, Stadtrivale City einzuholen. Der Guardiola-Club hat bei einem Spiel mehr 13 Punkte Vorsprung. Vier Runden sind noch zu spielen.

Der US-Milliardär Malcolm Glazer ist 2003 beim englischen Rekordmeister eingestiegen, seither herrscht in Teilen der Anhängerschaft Unmut über den Investor. Eine Gruppe gründete sogar einen eigenen Club, der in der unteren Klassen seinen Protest gegen den "modernen Fußball" auslebte. Nach Malcolm Glazers Tod 2006 gingen die Anteile an seine sechs Kinder über, die heute 90-Prozent-Inhaber des Clubs sind. Joel Glazer, einer der Söhne von Malcolm, soll einer der wichtigsten Befürworter einer europäischen Super League gewesen sein. Obwohl er sich danach entschuldigte, gab es seither mehrfach Protestaktionen der Fans. Viele sprechen sich für eine Einführung der 50+1-Regelung wie in Deutschland aus. Diese Beschränkung verhindert zu großen Einfluss von Investoren bei einem Club.

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