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"On Klopp of the World" - Lobeshymnen für Meister Liverpool

Die Euphorie in Liverpool nach dem Gewinn der englischen Meisterschaft ist riesig. Ex-Fußballer und britische Medien überschlugen sich am Freitag mit Lobeshymnen. Auch die Fans waren außer sich. Trotz der Bitten ihres geliebten Meistertrainers Jürgen Klopp und der Stadt, zuhause zu bleiben, feierten sie die ganze Nacht rund um das Anfield-Stadion. Der unterlegene Pep Guardiola gratulierte artig.

Aufgrund des seltenen Titels wurde trotz Corona ordentlich gefeiert SN/APA (AFP)/OLI SCARFF
Aufgrund des seltenen Titels wurde trotz Corona ordentlich gefeiert

"Nach 30 Jahren ohne eine englische Meisterschaft sind die Reds wieder Champions, und nach einer Saison für die Ewigkeit könnte es nicht verdienter sein", befand die Zeitung "The Independent". Liverpool-Ikone Kenny Dalglish schwärmte mit glasigen Augen: "Jürgen Klopp hat fantastische Arbeit geleistet." Der deutsche Trainer und seine Spieler kämpften nach dem Triumph selbst mit den Tränen, Klopp musste sogar ein Fernsehinterview abbrechen.

"Es bedeutet mir alles. Es ist irre, es ist riesig. Seit letztem Jahr habe ich gewartet, dass wir diesen Titel gewinnen. Ich hätte nicht gedacht, dass es sich so groß anfühlt", sagte der 53-Jährige am Tag nach dem großen Triumph. Eigentlich habe er am Donnerstagabend, als Manchester City mit 1:2 gegen Chelsea verlor und der Titel feststand, noch eine Ansprache an sein Team halten wollen, "aber es war nicht möglich. Ich habe immer gleich angefangen zu flennen."

Klopp wird jetzt auf eine Stufe mit Clublegenden wie Bill Shankly und Dalglish gestellt. Das interessiert den Deutschen aber nicht. "Ich habe kein Interesse an einem Legendenstatus, das könnt ihr machen, wenn ich wieder weg bin. Aus meiner Sicht kann man mich mit solchen Vereinsikonen nicht vergleichen, ich bin erst seit vier Jahren hier. Aber ich liebe diesen Club, ich liebe diese Mannschaft", sagte Klopp.

Es war eine Saison der Superlative, die Liverpool hingelegt hat. In den ersten 21 Partien hamsterten die "Reds" 61 Punkte. Das ist - bei Anwendung der Drei-Punkte-Regel - der beste Wert, den in den fünf europäischen Topligen England, Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich jemals eine Mannschaft zu diesem Zeitpunkt geholt hat. Nach der 29. Runde lag Tabellenführer Liverpool 25 Punkte vor dem Zweiten Manchester City. Das ist der größte Vorsprung, den je ein Team in England hatte.

Liverpool sicherte sich den Meistertitel außerdem sieben Spieltage vor dem Ende der Premier-League-Saison. So früh gelang das keinem Team zuvor. Manchester United in der Saison 2000/01 und ManCity 2017/18 feierten den Meistertitel fünf Spieltage vor dem Saisonende.

Liverpool kann überdies noch die meisten Punkte in einer Spielzeit holen. ManCity, das Team von Trainer Pep Guardiola, hatte als erstes Team die 100-Punkte-Marke geknackt. Um das zu toppen, muss der neue Meister aus den verbleibenden sieben Spielen 15 von möglichen 21 Zählen holen.

Guardiola gab sich am Donnerstagabend, gleich nachdem der Titel endgültig verloren war, als fairer Verlierer. "Glückwunsch an Liverpool, ihre Fans, den Trainer, die Spieler. Wohlverdient", sagte er und zeigte sich beeindruckt. Liverpool habe mit "unglaublichem Fokus" gespielt.

"Pep Guardiolas zweijährige Herrschaft ist vorbei", resümierte der "Daily Mirror". Eine "Vernichtung" nannte es der "Guardian". Man habe den Eindruck, Klopps Team würde "nach anderen physikalischen Gesetzen funktionieren als alle anderen".

Einen Anteil daran hatten auch drei ehemalige Spieler von Österreichs Meister Salzburg. Sadio Mane, Naby Keita und seit Winter Takumi Minamino sind Teil der Gruppe, die Klopp meisterhaft zusammengeführt hat. "On Klopp of the World", schrieb der "Daily Star" über Team und Trainer.

Die Hoffnung vieler Liverpool-Fans ist nun, dass Klopp mit seinem Starensemble in den kommenden Jahren weitere Titel sammelt. "Es wird schwer, diesen Titel zu verteidigen. Aber wir haben große Träume, das heißt nicht, dass wir sie erreichen. Aber wir sollten versuchen, sie zu erreichen", erklärte Klopp. Sein Team werde sich jetzt nicht zurücklehnen und sagen, "das war's jetzt. Wir bleiben fokussiert und konzentriert."

Mit 19 Meistertiteln hat der Club aus der Beatles-Stadt einen weniger als der Erzrivale und Rekordmeister Manchester United, der Liverpool unter Trainer Sir Alex Ferguson von den 1990er-Jahren an den Rang abgelaufen hatte. Nun scheint sich das Kräfteverhältnis in England endgültig wieder verschoben zu haben.

Quelle: Apa/Dpa

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