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Peter Stöger vor Dortmund - Salzburg: "Wir sind Favorit, das ist klar"

Peter Stöger, der erfolgreiche Trainer von Borussia Dortmund, erklärte im Interview mit den "Salzburger Nachrichten", warum der Gegner im Achtelfinale der Europa League, Red Bull Salzburg, keinesfalls als Glückslos zu bezeichnen ist.

Peter Stöger brachte Dortmund in ruhigere Gewässer. SN/krugfoto/Huebner Jan
Peter Stöger brachte Dortmund in ruhigere Gewässer.

Kaum einmal hat ein Fußballduell dermaßen die Fans elektrisiert wie das Achtelfinale in der Europa League zwischen Borussia Dortmund und Red Bull Salzburg.

Auf der einen Seite der Topclub aus dem Land des Weltmeisters, auf der anderen Seite der Herausforderer aus Österreich, der in dieser Saison erst ein Pflichtspiel verloren hat. Und mit breiter Brust die vermeintlich unlösbare Aufgabe in Angriff nimmt.

Vor dem Hinspiel am Donnerstag im Fußballtempel Signal-Iduna-Park in Dortmund, der mit 66.000 Zuschauern ausverkauft sein wird, sprachen die "Salzburger Nachrichten" mit dem Trainer der Borussia, Peter Stöger.

Und auch der Wiener kann eine tolle Bilanz aufweisen. Auch er verlor als Coach der Borussia erst ein Spiel. Und das gegen die übermächtigen Bayern nach einer starken Leistung.

Sie haben Salzburg am Sonntag gegen Rapid beobachtet. Ist der Respekt noch einmal gestiegen? Peter Stöger: Es war mir schon wichtig, ein Spiel der Salzburger live zu sehen. Aber eigentlich wurde ich nur in dem bestätigt, was ich von der Mannschaft schon wusste. Salzburg setzt viel auf Schnelligkeit und hat viel Aggressivität im Spiel.

Überraschen wird Salzburg die Borussia also nicht können? Red Bull Salzburg ist in der Europa League jenes Team, über das ich im Vorfeld am wenigsten Informationen einholen muss. Denn ich verfolge die österreichische Liga Woche für Woche genau und kenne die Spieler. Und für die schlechten Platzverhältnisse habe ich ein sehr gutes Spiel gesehen.

Video: Peter Stöger im Interview

Wie werden Sie Ihre Spieler auf das zu erwartende holprige Spielfeld einstellen? Der Zustand des Rasens hat mich schon überrascht. Weil ich in Salzburg immer gute Platzverhältnisse vorgefunden habe. Da auch Salzburg eine Mannschaft ist, die versucht, mit spielerischen Mitteln zum Erfolg zu kommen, glaube ich, dass auch die Salzburger unter diesen Bedingungen leiden.

Beim 1:1 gegen Leipzig am Samstag agierte die Borussia überzeugend. Welche Erkenntnisse können Sie für Donnerstag mitnehmen? Mir gefiel unsere Körpersprache wieder. Ich hatte immer das Gefühl, dass wir mutig spielen wollten. Mir gefällt es, wenn ich sehe, dass in unserem Spiel immer etwas passieren kann, alle merken, dass wir Qualität in der Mannschaft haben. Am Spielfeldrand habe ich gedacht: So möchte ich Fußball haben.

Liegt die Stärke auch daran, dass mit Marco Reus und Mario Götze zwei Offensivspieler, die lange verletzt ausfielen, langsam in Topform kommen? Je mehr Spielpraxis die beiden erhalten, umso besser kommen sie in Schwung. Verletzungsbedingt konnten die beiden in Dortmund ja bisher kaum Spiele gemeinsam absolvieren. Ihre große Klasse ist unbestritten. Sie können schon den Unterschied ausmachen. Aber sie benötigen auch noch Zeit.

Wie sehen Sie die Chancenverteilung? Wir sind Favorit, das ist klar, und wenn wir unsere Leistung abrufen können, sollten wir auch die nächste Runde erreichen. 90 Prozent der Öffentlichkeit gehen auch davon aus, dass Dortmund die Oberhand behält. Nur zehn Prozent, zu denen wir im Club gehören, beschäftigen sich mit der Thematik, dass Salzburg kaum verliert, eine starke Mannschaft hat und in dieser Saison international aufgezeigt hat. Wer jetzt noch im Bewerb ist, der muss über viel Qualität verfügen.

Neben Salzburg lagen bei der Auslosung nur noch der AC Milan und Arsenal im Lostopf. Waren Sie erleichtert, als die Österreicher als Gegner gezogen wurden? Das kann man so nicht sagen. Erstens einmal habe ich mich gefreut, dass wir gegen eine Mannschaft aus meiner Heimat spielen. Ob es ein Glückslos war, das wird sich erst herausstellen. Salzburg zeigte international schon viele herausragende Spiele. Vielleicht wäre es gegen Arsenal oder Milan sogar einfacher gewesen, weil jeder jetzt erwartet, dass wir Salzburg ausschalten. Ein Aus gegen Milan oder Arsenal wäre wahrscheinlich einfacher zu erklären gewesen.

Bedeutet das Los Salzburg also zusätzlichen Druck? (lacht) Nein, denn wenn man Trainer in Dortmund ist, herrscht immer Druck. Es gibt nur wenige Teams, gegen die von Borussia Dortmund in der Öffentlichkeit nicht ein Sieg gefordert wird.

Dann ist so ein Spiel wie gegen Salzburg für die Borussia eigentlich nur Alltag? Ein wenig brisanter ist das Spiel schon, weil es eben auch ein Duell Deutschland gegen Österreich ist. Aber wir in Dortmund haben gefühlt alle drei Tage ein Highlight-Spiel. Am vergangenen Wochenende war es Leipzig, am Donnerstag kommt Salzburg, und am Sonntag gastiert Frankfurt in Dortmund. Das Spiel gegen Salzburg ist ein wichtiges Spiel im Europacup, nicht mehr und nicht weniger. Und wir sollten es für uns entscheiden, auch wenn uns der Gegner zwei Mal eine Topleistung abverlangen wird.

Wer, wie Sie, als Dortmund-Trainer in der Liga des Weltmeisters noch ungeschlagen ist, der gehört auch in der Europa League zum erweiterten Kreis der Titelanwärter. Nehmen Sie diese Rolle an? Man kann das so bewerten und wir wollen uns auch nicht verstecken. Diese Rolle ist ja auch eine Art Auszeichnung. Wir werden uns nicht kleiner machen, als wir sind. Die Europa League ist im Achtelfinale eine kleine Champions League geworden. Es ist viel Klasse im Bewerb. Und in einem Hin- und Rückspiel kann man auch eine schwache Leistung noch einmal reparieren. Das spricht für die Topteams.

Und wie sehen Sie die Rolle der Salzburger? Als gefährlicher Außenseiter. Und sollten die Salzburger das Viertelfinale erreichen, dann werden auch sie in den Kreis der Titelanwärter aufsteigen. Aber das wollen wir verhindern.

Welches Ergebnis wäre für Sie am Donnerstag zufriedenstellend? Jeder Sieg würde uns in eine gute Position bringen. Wir haben bewiesen, dass uns Gegentore nicht aus der Bahn werfen. Von den vergangenen 13 Spielen haben wir nur gegen Bayern verloren. Wir können auch auswärts jederzeit bestehen und ein Spiel zu unseren Gunsten wenden.

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