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Red Bull Salzburg gegen Chelsea: Ein Fußballfest mit fünf Schönheitsfehlern

Red Bull Salzburg unterlag Chelsea in einem kurzweiligen Testspiel 3:5. Der Heimauftakt in der annähernd ausverkauften Bullen-Arena machte dennoch Lust auf die Champions League.

Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass Red Bull Salzburg bereit ist für die Champions League, das Testspiel am Mittwochabend gegen Chelsea hat ihn geliefert. 27.643 Zuschauer im Stadion, ausgelassene Stimmung und ein Bullen-Team, das zumindest in Ansätzen zeigte, dass man internationale Klasse besitzt.

Dass die Salzburger gegen den aktuellen Europa-League-Sieger am Ende eine 3:5 (0:3)-Niederlage kassierten, ist eineinhalb Monate vor Beginn der Königsklassen-Gruppenphase zu verschmerzen. Denn auch wenn einem das Gefühl im Stadion etwas anderes suggerierte, es handelte sich am Mittwoch "lediglich" um ein Testspiel, in dem das Ergebnis letztlich das unbedeutendste Detail sein sollte.

Welche Erkenntnisse brachte das Fußballfest also sonst? Zum einen, dass es sich beim Gegner um ein Klasseteam mit Klassespielern handelte. Die körperlich robusten und sehr spielfreudigen Engländer gingen mit dem größtmöglichen Engagement an die Sache heran und hatten mit der hoch stehenden Bullen-Abwehr ihre Freude. In der 20. Minute schoss der zum FC Chelsea zurückgekehrte Christian Pulisic sein Team in Führung. Der Ex-Dortmunder zog nach einem tiefen Pass ab. Sein Schuss durch die Beine von Marin Pongracic war verdeckt, Keeper Cican Stankovic damit chancenlos. Gerade einmal 60 Sekunden später brannte es erneut lichterloh im Strafraum: Salzburgs Neuzugang Rasmus Kristensen foulte bei seinem ansonsten weitgehend unauffälligen Debüt im Red-Bull-Trikot Pulisic im Strafraum. Den Elfmeter verwandelte der starke Antreiber Ross Barkley in der 22. Minute zum 2:0. Kaum hatte sich das Bullen-Team von dem Doppelschlag erholt, erhöhte Chelsea auf 3:0. Und wieder war es in der 28. Minute ein Pass über das halbe Spielfeld und eine sehenswerte Ballmitnahme von Pulisic, um Salzburgs Abwehr mit der gewöhnungsbedürftigen Innenverteidiger-Paarung Pongracic/Mwepu auszuhebeln.

Wer danach glaubte, die Champions-League-Stimmung in der Bullen-Arena sei damit im Keim erstickt worden, der irrte. Nachdem Trainer Jesse Marsch in der Halbzeitpause die gesamte Mannschaft inklusive Torhüter wechselte, riss Red Bull Salzburg die Partie an sich. Jerome Onguene gelang in der 50. Minute nach einer Ecke mit einem wuchtigen Kopfball aus kurzer Distanz das 1:3. Im Stadion brodelte es, auch wenn es sich bloß um ein Testspiel handelte. Jede vergebene Chance wurde mit einem Raunen und gleich danach mit aufmunterndem Beifall quittiert.

Aber auch für Chelsea gab es von den Bullen-Fans Szenenapplaus - und zwar, als der nimmermüde Pedro nach einem Zuspiel von Ross Barkley mit der Ferse das Tor des Jahres zum 4:1 erzielte. Takumi Minamino gelang in der 85. und 92. Minute mit dem 2:4 aus einem Handelfmeter und dem 3:5 aus kurzer Distanz noch eine Ergebniskorrektur, dazwischen hatte der eingewechselte Chelsea-Stürmer Michy Batshuayi nach einem "Geschenk" von Jasper Van der Werff für Chelsea getroffen.

Am Ende stand für Red Bull Salzburg die Erkenntnis, dass man mit dem Pressingfußball gegen taktisch und körperlich perfekt eingestellte Mannschaften auf diesem Niveau auch an Grenzen stoßen kann. Chelsea hingegen darf sich gerüstet fühlen für den Saisonstart kommende Woche gegen Manchester United. Zuvor noch steht für das Team von Startrainer und Clublegende Frank Lampard noch ein weiteres Testspiel gegen Borussia Mönchengladbach, den neuen Club von Ex-Bullen-Trainer Marco Rose, auf dem Programm.

Salzburg testet derweil gegen ein weiteres Kaliber des europäischen Clubfußballs. Am kommenden Mittwoch (19 Uhr) gastiert in der abermals ausverkauften Red-Bull-Arena Real Madrid, das gestern beim Audi-Cup in München gegen Fenerbahce Istanbul ebenfalls 5:3 spielte und damit Rang drei belegte.

Jesse Marsch sagte: "Wir hatten zwar gute Momente in diesem Spiel und haben auch gut begonnen, aber der Gegner hat uns seine große Klasse gezeigt. Wir haben es Chelsea mitunter schwer gemacht, aber teilweise auch zu viel Platz gelassen, das darf gegen ein Team dieser Kategorie nicht passieren. Das Team in der zweiten Halbzeit hat besser ins Spiel gefunden, aber auch der Gegner war da schon etwas müde. Wichtig war, Erfahrungen auf diesem Niveau zu sammeln, und das werden wir auch nächste Woche gegen Real weiter tun."

Red Bull Salzburg -FC Chelsea 3:5 (0:3)

Tore: Onguéné (50.), Minamino (85./Elfer, 90.+2);

Pulisic (20., 28.), Barkley (23./Elfer), Pedro (57.), Batshuayi (88.).

Salzburg 1. Halbzeit: Stankovic - Kristensen, Pongracic, Mwepu, Ulmer - Ashimeru, Samassekou, Camara, Szoboszlai - Hwang, Haaland.
Salzburg 2. Halbzeit: Köhn - Farkas, Onguéné, Van der Werff, Mensah - Junuzovic, Bernede, Diarra, Okugawa (75. Minamino) - Koita, Daka.

Red Bull Arena, 27.643 Zuschauer,

SR Christopher Jäger.

Das Chelsea-Match zum Nachlesen im SN-Liveticker:

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