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Stefan Lainer: "Der Glaube an uns selbst ist sehr groß"

Stefan Lainer erklärt im SN-Interview den Höhenflug von Red Bull Salzburg.

Stefan Lainer im Luftkampf mit Andre Schürrle. SN/krugfoto/Huebner Jan
Stefan Lainer im Luftkampf mit Andre Schürrle.

Wir schreiben die 94. Spielminute. Manche sind mit ihren Gedanken vielleicht schon in der Kabine, Stefan Lainer aber denkt nur an eines: Noch ein Sprint, auch wenn es schon wehtut, noch ein Querpass - Tor! Die Szene vom 2:2 im Europa-League-Sechzehntelfinale gegen Real Sociedad beschreibt den Fußballer Stefan Lainer recht eindrucksvoll. Immer mit der größtmöglichen Intensität auf dem Platz und dem unbedingten Siegeswillen lieferte der 25-jährige Rechtsverteidiger von Red Bull Salzburg auch beim 2:1 vergangene Woche gegen Borussia Dortmund einen Assist und verteidigte nebenbei gegen Stars wie Götze, Schürrle, Reus und Co. fehlerlos. Den SN sagte Lainer, wie im Rückspiel am Donnerstag (21.05 Uhr) der Aufstieg gegen Dortmund gelingen kann.

Inwieweit hat sich für Salzburg die Ausgangsposition im Vergleich zum Hinspiel geändert? Stefan Lainer: Vor dem Hinspiel hatten wir das Gefühl, dass wir nichts zu verlieren haben. Jetzt ist das etwas anders, was zugleich die größte Gefahr ist. Wir dürfen nicht denken, dass wir nach dem 2:1-Auswärtssieg etwas zu verlieren hätten. Jetzt ist es wichtig, die Lockerheit beizubehalten und nicht zu verkrampfen. Uns ist allen bewusst, dass wir in Dortmund etwas Sensationelles geschafft haben, aber das wollen wir im Rückspiel wiederholen. Wir wollen alles aus uns herausholen, keinen Meter herschenken, diszipliniert und zugleich aggressiv drauflos spielen.

Sie agieren seit Wochen in Topform, überzeugen in der Defensive, als Torvorbereiter und als Laufwunder. Woher nehmen Sie die Kraft? Ich investiere sehr viel in meine Fitness. Aber ob man in der 94. Minute noch bereit ist, die Wege zu gehen, hat letztlich mehr mit dem Kopf als mit der Kraft zu tun. Du musst dafür bereit sein, auch wenn der Laufweg auf den ersten Blick als nicht lohnend erscheint. Und wenn du das Spiel für Spiel so machst, dann kommst du mit der Zeit automatisch auf ein anderes Leistungsniveau. Weil du eben in jeder Partie an die Grenzen und manchmal auch darüber hinaus gehst.

Macht es Ihnen eigentlich mehr Spaß, Tore zu verhindern oder vorzubereiten? Beides ist sehr attraktiv. Wenn du hinten einen Save hast und ausputzen kannst oder ein gutes Tackling hast, ist das ein großartiges Gefühl. Andererseits geht es beim Fußball ums Toreschießen. Wenn du einen entscheidenden Assist lieferst, steht man mehr im Fokus, was ein schöner Nebeneffekt ist.

Im Europacup-Magazin der Dortmunder wurde Salzburgs Mannschaft als "Mentalitätsmonster" beschrieben. Was verstehen Sie darunter? Ich denke, wir haben eine Mannschaft, die einen sehr großen Glauben an sich selbst hat und darüber hinaus bereit ist, ans Limit zu gehen. Bei uns ist sich niemand für irgendetwas zu schade. Das ganze Team, inklusive aller Ersatzspieler, ist intakt, darauf legt der Trainer (Marco Rose, Anm.) großen Wert.

Wie erleben Sie die aktuelle Euphorie um das Salzburg-Team? Und wie gehen Sie damit um? Ich nehme das extrem positiv auf und denke auch, dass die allgemeine Euphorie jeden von uns beflügelt. Wir sind in der Vergangenheit ja nicht immer so verwöhnt worden. Umso schöner ist es jetzt, was da entstanden ist. Ich habe auch das Gefühl, dass derzeit ganz Salzburg auf dieses Spiel hinlebt. Selbst so mancher Kritiker der Vergangenheit ist jetzt auf unserer Seite und drückt die Daumen. Das freut mich und den ganzen Verein.

Dortmund wird sich aber nicht so leicht geschlagen geben. Wie will Salzburg den Sturmlauf verhindern? Dortmund steht mit dem Rücken zur Wand und wird auch genau so auftreten. Es wird ein extremer Fight, weil beide Mannschaften unbedingt in die nächste Runde wollen. Wie schon in Dortmund wollen wir das Spiel des Gegners wieder früh stören und mit unserem Pressing punkten. Meiner Meinung nach hatte Dortmund auch im Hinspiel viel Power in der Offensive, aber es ist uns gelungen, ihnen die Lust am Fußballspielen zu nehmen. Das ist sicher auch eine unserer Stärken, dass wir den Gegner mit unserer Präsenz auf dem Platz zermürben können, selbst wenn er Borussia Dortmund heißt.

Ihr Vater Leo stand mit Salzburg und Rapid zwei Mal in einem Europacup-Finale. Schon Tipps für das Spiel am Donnerstag geholt? Wir reden vor jedem Spiel miteinander. Er sieht die Dinge mit einer gewissen Distanz, deshalb ist seine Sichtweise für mich auch interessant. Vor dem Hinspiel in Dortmund gab er mir folgenden Tipp: "Sei mutig, hab keine Angst, auch nicht vor großen Namen." Ich denke, genau so haben wir alle gespielt.

Aufgerufen am 18.09.2018 um 08:31 auf https://www.sn.at/sport/fussball/international/stefan-lainer-der-glaube-an-uns-selbst-ist-sehr-gross-25345765

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