International

Tor zur Champions League: Salzburg trifft auf Maccabi Tel Aviv oder Dynamo Brest

Österreichs Fußballmeister Red Bull Salzburg bekam im Play-off zur Champions League eine lösbare Aufgabe zugelost.

Die Champions League ist das erklärte Ziel von Bullen-Trainer Jesse Marsch. SN/gepa pictures
Die Champions League ist das erklärte Ziel von Bullen-Trainer Jesse Marsch.

Die Clubverantwortlichen bei Red Bull Salzburg reagierten auffällig zurückhaltend. Es wurde am Dienstag nach der UEFA-Auslosung in Nyon weder gejubelt über eine lösbare Aufgabe im Champions-League-Play-off noch gewarnt vor den vermeintlich schwierigen Gegnern. Zu viel Unvorhergesehenes ist in den vergangenen Jahren in der Qualifikation für die Königsklasse passiert. Die Geschichte ist inzwischen bestens bekannt: Ganze elf Mal waren die Bullen von 2006 bis 2018 am Einzug in die Gruppenphase gescheitert, ehe man dieses Laster in der vergangenen Saison mit einer denkwürdigen Champions-League-Saison ein für alle Mal ablegen konnte.

So meinte Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund in seinem Statement kurz und knapp: "Wir kennen jetzt einmal die ungefähre Richtung, mehr noch nicht. Aber natürlich werden wir die beiden Gegner sehr genau unter die Lupe nehmen und dann die notwendigen Schritte setzen." Und Trainer Jesse Marsch ergänzte: "Ich denke, dass beide Teams über hohe Qualität verfügen und das Duell auf keinen Fall einfach wird. Jetzt gilt es erst einmal dieses Spiel genau anzusehen und anschließend den Gegner genau zu analysieren."

Gemeint ist das Drittrunden-Duell in der Champions-League-Qualifikation zwischen dem israelischen Meister Maccabi Tel Aviv und dem belarussischen Titelträger Dynamo Brest. Red Bull Salzburg trifft auf den Aufsteiger, der wegen der Coronaviruspandemie in nur einem Spiel am 16. September ermittelt wird. Das Play-off hingegen wird wie gewohnt in einem Hin- und Rückspiel (22./23. bzw. 29./30. September) entschieden. Die Salzburger treten zunächst auswärts an und wollen - wie in der vergangenen Saison in der Champions League und im Bundesligafinale - mit der Aufgabe wachsen.

Wie das geht, weiß Albert Vallci. Der lange Zeit unterschätzte Verteidiger hat inzwischen bewiesen, dass der größte Karriereschritt seines Lebens vor eineinhalb Jahren der richtige war. Vallci spielte einst bei Lafnitz, Horn und Wacker Innsbruck - als ihn im Jänner 2019 völlig unvermittelt ein Anruf des damaligen Cheftrainers Marco Rose aus den Angeln hob. Der gebürtige Steirer wechselte für eine Ablöse von 750.000 Euro zum Serienmeister, und anfangs fragte sich nicht nur der eine oder andere Fan, sondern wohl auch Vallci selbst, was er denn bei Red Bull Salzburg zu suchen habe. Die Antwort hat der inzwischen 2,5 Millionen teure Abwehr-Allrounder selbst auf dem Platz gegeben. Nach seiner Galavorstellung beim 2:2 im Testspiel gegen Liverpool darf sich Vallci künftig mehr Einsatzminuten als noch in der vergangenen Saison erhoffen. Da war er bloß Ersatzmann für den verletzten Rasmus Kristensen gewesen, hatte mit überzeugenden Leistungen aber auf sich aufmerksam gemacht, was Jesse Marsch zu folgenden Worten bewegte: "Fortune favours the bold." (Zu Deutsch: Das Glück ist mit den Mutigen.)

Glück und Mut - all das werden die Salzburger auch Ende September im Play-off gegen Maccabi Tel Aviv oder Brest in die Waagschale werfen. Gegen beide Clubs sind die Bullen zu favorisieren, wenngleich die Israelis sicher der schwerere Brocken sind. Zwei Mal war für Red Bull Salzburg gegen einen israelischen Club schon Endstation (2009 gegen Maccabi Haifa, 2010 gegen Hapoel Tel Aviv). Diese verstörenden Erinnerungen erklären auch die Zurückhaltung der Vereinsbosse nach der Auslosung.

Die möglichen Gegner von Red Bull Salzburg im Porträt

Maccabi Tel Aviv
1906 gegründet, ist Maccabi Tel Aviv nicht nur einer der ältesten Fußballvereine Israels, sondern mit 22 Meisterschaften und 23 Pokalsiegen auch der erfolgreichste. Maccabi spielt seit 1949 ununterbrochen in der höchsten Liga des Landes (Ligat ha'Al) und ist auch bekannt für seine erfolgreiche Basketballabteilung. Im Vereinswappen ist der Davidstern in der Ausführung der Maccabi-Bewegung prominent, deren Ziel die Förderung des Bewusstseins der jüdischen Jugend für religiöse, kulturelle und nationale Werte ist.

Trainer: Georgios Donis (GRE/seit 2020)

Stadion: Bloomfield-Stadion (29.150 Plätze)

Saison 2019/20: Meister ohne Niederlage mit
sechs Punkten Vorsprung auf Maccabi Haifa

FK Dynamo Brest
Gegründet 1960, gelang der größte Erfolg der Vereinsgeschichte in der Saison 2019, als man zum ersten Mal die belarussische Meisterschaft gewann. Seit dem 17. Juli 2018 ist niemand Geringerer als Diego Maradona Präsident in Brest. In Erinnerung geblieben sind die verstörenden Bilder seiner Präsentation, als der Argentinier in einem gigantischen Militärjeep vorfuhr. Die Präsidentschaft soll Maradona, der für drei Jahre unterschrieben hat, laut der Zeitung "La Nacion" 20 Millionen US-Dollar einbringen.

Trainer: Sergey Kovalchuk (BLR/seit 2020)

Stadion: Stadyen DASK Brestski (10.170 Plätze)

Saison 2019 (Ganzjahresmeisterschaft): Meister mit fünf Punkten Vorsprung vor BATE Baryssau, zurzeit ist Brest nach 20 Spieltagen Zehnter.

Aufgerufen am 02.12.2020 um 04:05 auf https://www.sn.at/sport/fussball/international/tor-zur-champions-league-salzburg-trifft-auf-maccabi-tel-aviv-oder-dynamo-brest-92242876

Kommentare

Schlagzeilen