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UEFA zieht die Reißleine: EM auf 2021 verschoben

Die Fußball-Europameisterschaft wird auf 2021 verschoben. Ob damit die Saison in den nationalen Ligen gerettet werden kann, bleibt fraglich.

Die Euro 2020 fällt dem Coronavirus zum Opfer SN/APA (AFP)/OLGA MALTSEVA
Die Euro 2020 fällt dem Coronavirus zum Opfer

Es ist die einzig richtige Entscheidung und dennoch kommt sie in dieser klaren Form überraschend, haben sich Fußball-Dachverbände wie die UEFA in der Vergangenheit doch oft als starres Konstrukt erwiesen. Aber in der Coronavirus-Krise haben auch die Fußball-Funktionäre ihre Flexibilität entdeckt und die EURO 2020, das erste paneuropäische Turnier, das in zwölf verschiedenen Ländern ausgetragen werden soll, um ein Jahr auf Sommer 2021 verschoben. Zu diesem Entschluss kam das Exekutivkomitee nach einer Krisensitzung am Dienstag in Nyon. Dem UEFA-Vorschlag, das Turnier für dieses Jahr abzusagen, hatten in einer Videokonferenz die 55 Mitgliedsverbände zugestimmt. Sowohl die teilnehmenden Mannschaften - darunter Österreichs Nationalteam - als auch die Spielorte und die Gruppenauslosung bleiben unverändert.

ÖFB-Präsident Leo Windtner begrüßte die Entscheidung: "Weil die UEFA hier ein klares Leadership bewiesen hat. Die Solidarität der Fußballfamilie in dieser Situation zeigt, dass im Moment andere Dinge Priorität haben. Die Gesundheit aller Menschen steht im Vordergrund. Es ist erfreulich, dass trotz der dramatischen Situation durch diese Entscheidung auch eine ermutigende Perspektive geboten wird."

Durch die Verschiebung der EURO von 2020 auf 11. Juni (Eröffnungsspiel in Rom) bis 11. Juli 2021 (Finale in London) verschafft die UEFA den nationalen Ligen die dringend benötigte Zeit, um die derzeit ausgesetzte Saison eventuell doch noch unter regulären Umständen beenden zu können. Stichtag ist der 30. Juni, an dem normalerweise die Verträge enden.

Und dennoch muss daran gezweifelt werden, dass der Spielbetrieb in dieser Saison überhaupt noch einmal aufgenommen wird. So zeichnet Christian Ebenbauer, der Vorstandsvorsitzende der österreichischen Fußball-Bundesliga, ein düsteres Bild. "Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass bis Ostern keine Kugel rollen wird - wenn nicht sogar darüber hinaus", meinte Ebenbauer in der Sendung "Sport und Talk im Hangar-7" bei Servus TV. Geisterspiele seien ebenso eine Option wie ein Meisterschaftsabbruch. Am Mittwoch wird die Liga in einer Clubkonferenz erste Gespräche führen. Dabei gelte es vor allem zwei Dinge zu berücksichtigen. "Wir sind ein Freizeitdienstleister, der dazu da ist, stimmungsvolle Bilder in die Wohnzimmer zu transportieren", sagte Ebenbauer und erinnerte an die Trauerkulisse beim Geisterspiel des LASK gegen Manchester United am vergangenen Donnerstag. "Das ist ein Riesenthema für uns", erklärte er, gab aber auch "die Verträge der Liga und der Clubs" zu bedenken.

Schon jetzt ist klar, dass die Vereine vor enormen finanziellen Einbußen stehen. Die Spielergewerkschaft VdF wies am Dienstag in einer Aussendung auf die Möglichkeit der Kurzarbeit auch bei den Vereinen hin. Diese würden in den nächsten Tagen ihren Spielern individuell ausgearbeitete Modelle vorstellen. Ob sich ein Spieler darauf einlasse oder nicht, bleibe aber jedem selbst überlassen. "Es ist ein unglaublich wichtiger Schritt, die Vereine finanziell zu entlasten, mögliche Insolvenzen zu verhindern und Arbeitsplätze zu sichern", erklärte VdF-Sekretär Gernot Baumgartner und meinte weiter: "Wir haben den Profis nahegelegt, das Corona-Kurzarbeits-Modell zu unterschreiben."

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