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Windtner: "Der Fußball leidet"

ÖFB-Präsident Leo Windtner unterstützt die Maßnahmen der Bundesregierung. Trainingsbetrieb bei allen Clubs der Fußball-Bundesliga ab Montag eingestellt.

Leo Windtner.  SN/gepa
Leo Windtner.

Der Trainingsplan von Fußball-Bundesligist Red Bull Salzburg hätte für Montagvormittag um 10 Uhr eigentlich eine Einheit vorgesehen. Es bleibt beim "hätte", denn Vizekanzler Werner Kogler hat allen Sportvereinen am Sonntag unmissverständlich mitgeteilt, dass der Trainingsbetrieb wegen des Coronavirus einzustellen ist. "Wer es nicht versteht, von den Sportvereinen jetzt, wer ab Montag das nicht einhält, der kann sich einmal jahrelang von Förderungen verabschieden", sagte Kogler, schränkte gleichzeitig aber ein, hier keine Anweisungsbefugnis zu haben. Dennoch: "Ich meine das ernst: Es sollen sich alle daran halten, und die, die sich nicht daran halten, dürfen mit Konsequenzen rechnen."

Bei den Bullen wurde daher am Sonntag reagiert. "Wir befinden uns in einer ganz besonderen Ausnahmesituation, in deren Vordergrund jetzt ganz klar die Gesundheit aller steht. Unsere Maßnahmen geschehen analog zu den Vorgaben der Regierung und sollen helfen, die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Wir, die Vertreter der Bundesliga-Clubs, tragen dabei eine große Verantwortung, der wir uns bewusst sein müssen", erklärte Stephan Reiter, kaufmännischer Geschäftsführer des FC Red Bull Salzburg. Die Salzburger setzten folgende Maßnahmen: Die Spieler erhielten ein individuelles Trainingsprogramm. Zudem wurden Kapitän Andreas Ulmer und Co. angewiesen, den Anordnungen der Behörden Folge zu leisten und sich in ihrem häuslichen Umfeld in Salzburg aufzuhalten. Reisetätigkeiten sind bis auf Weiteres untersagt. Auch für alle anderen Mitarbeiter des Clubs gibt es gravierende Änderungen, sie werden von zu Hause aus mittels Teleworking arbeiten. Diese Vorgehensweise gilt natürlich auch für den FC Liefering und die komplette Nachwuchsabteilung.

Die Maßnahmen der Bundesregierung unterstützt auch der Österreichische Fußballbund (ÖFB). Dass die derzeit angespannte Lage in ganz Europa auch vor der "schönsten Nebensache der Welt" nicht haltmacht, bestätigt ÖFB-Präsident Leo Windtner im Gespräch mit den "Salzburger Nachrichten": "Der Fußball leidet." Bis auf einige Ausnahmen (u. a. Türkei, Ungarn, Russland) stehen in ganz Europa die Ligen still. Auch alle internationalen Bewerbe wurden bis auf Weiteres ausgesetzt. Wie es weitergeht, entscheiden die Landespräsidenten und die UEFA-Spitze am Dienstag in einer Telefonkonferenz.

Das dringlichste Thema wird wohl die bevorstehende Europameisterschaft, die am 12. Juni in Rom eröffnet werden soll, sein. Windtner spricht sich für eine Verschiebung aus: "Ich will der UEFA nicht vorgreifen, aber es würde Sinn ergeben, die Europameisterschaft auf einen späteren Zeitraum zu verlegen. Damit würden wir Zeit gewinnen, um die nationalen und internationalen Bewerbe zu einem Ende bringen zu können." Sollten sich die europäischen Fußballbosse für eine Verschiebung aussprechen, dann würden zwei Termine zur Auswahl stehen. Entweder man holt die Europameisterschaft im Winter 2020 nach oder der Kontinentalbewerb wird auf den Sommer 2021 verschoben. Ein großes Problem bekommen die Verbände und die UEFA, wenn in den nächsten Monaten weder die nationalen noch die internationalen Bewerbe zu Ende gespielt werden können. Über die weitere Vorgehensweise in den zwei heimischen Profiligen wollte die österreichische Bundesliga am Montag in einer Konferenz mit allen 28 Vereinen der ersten und zweiten Liga diskutieren. Dieses Meeting wurde aber aufgrund der aktuellen Lage in Österreich auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Dass die Clubs in ganz Europa derzeit vor einer ungewissen Zukunft stehen, ist Windtner bewusst: "Es kommen schwierige Zeiten auf den Fußball zu. Alle Clubs haben weiterhin laufende Ausgaben, aber keine Einnahmen mehr. Finanziell werden Profi-, aber auch Amateurclubs ums Überleben kämpfen."

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