Fußball

Koller haderte mit 0:1 gegen Iren, hofft aber auf WM-Ticket

Das Resümee von Österreichs Fußball-Teamchef Marcel Koller nach dem Heim-0:1 in der WM-Qualifikation am Samstag gegen Irland hat an viele Analysen von vorangegangenen Länderspielen in diesem Jahr erinnert. Die ÖFB-Auswahl habe mangelnde Chancenauswertung an den Tag gelegt und im Spielaufbau zu viele unnötige Fehler begangenen, lautete die Erklärung für die bittere Niederlage.

Koller haderte mit 0:1 gegen Iren, hofft aber auf WM-Ticket SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Den Teamchef hat man schon glücklicher gesehen.

"Wir hatten zu viel Hektik im Spiel und zu viele Ballverluste, die man von uns nicht kennt", kritisierte der 56-Jährige. Damit habe man den defensivstarken Iren in die Hände gespielt. "Wir haben gewusst, dass sie eng stehen und die Räume hervorragend zustellen werden, dementsprechend schwierig war es für uns."

Wirklich unter Druck gesetzt wurden die Gäste nur in der Anfangsphase. "Dann haben sie nur noch lange Bälle gespielt, da ist es dann schwierig, ins Pressing zu kommen", sagte Koller. Auch die Österreicher agierten oft - und relativ einfallslos - mit weiten Pässen Richtung irisches Tor, allerdings nicht freiwillig, wie der Coach betonte. "Wir wollten das nicht, doch wenn der Gegner Druck auf den Ball ausübt, ist es oft so, dass man lange Bälle spielen muss."

Umso mehr haderte Koller mit dem Lattenschuss von Marcel Sabitzer beim Stand von 0:0. "Wenn er getroffen hätte, hätten wir mehr Räume bekommen." So aber waren es die Iren, die bei ihrem Siegestreffer durch James McClean den freien Raum nutzten. "Es darf nicht passieren, dass wir links vorne den Ball verlieren und rechts hinten ein Tor bekommen", meinte Koller.

Der folgenschwere Ballverlust unterlief Kevin Wimmer, der in den vergangenen drei Quali-Partien als Linksverteidiger nicht immer glückliche Figur machte. "Aber wenn man ganz vorne den Ball verliert und der Gegner dann über den Platz marschiert, hat es auch in anderen Bereichen nicht geklappt", verteidigte Koller den Tottenham-Legionär.

Der Teamchef gab jedoch auch zu, Wimmer sei zuletzt "bei dem einen oder anderen Gegentor dabei gewesen" und deutete an, dass es auf der Linksverteidiger-Position im kommenden Quali-Match am 24. März 2017 daheim gegen die Republik Moldau zu einem Wechsel kommen könnte.

In dieser Partie ist ein Sieg Pflicht, will man die ohnehin nur noch kleine Chance auf eine Teilnahme an der WM 2018 in Russland wahren. Als Vierter der Gruppe D liegt Österreich sechs Runden vor Schluss sechs Punkte hinter Spitzenreiter Irland. Auf den von Serbien gehaltenen Platz zwei, der wohl zum Antreten im Play-off berechtigt, fehlen auch schon vier Zähler.

Dennoch hat Koller das Endrunden-Ticket noch nicht abgeschrieben. "Es wird für uns schwieriger, aber es sind noch 18 Punkte zu vergeben. Wir werden alles dafür tun, um zurückzukommen und das Unmögliche möglich zu machen."

Der jüngste Trend spricht nicht gerade für eine spektakuläre Aufholjagd. Seit dem Abschluss der EM-Qualifikation steht die Länderspiel-Bilanz bei drei Siegen (gegen Albanien, Malta und Georgien), zwei Unentschieden und sieben Niederlagen. Man befinde sich derzeit in einer "schwierigen Phase", gab Koller zu.

Dass nun auch die Kritik an ihm selbst lauter wird, liege in der Natur der Sache. "Als Trainer braucht man Ergebnisse. Wenn man nicht gewinnt, ist es so, dass der Trainer infrage gestellt wird", sagte Koller, dessen Job jedoch nicht in Gefahr ist, wie ÖFB-Präsident Leo Windtner klarstellte.

Er werde nun über den Winter Ursachenforschung betreiben und auch sich selbst hinterfragen, erklärte Koller, ließ aber auch eine gewisse Gelassenheit erkennen. "Ich habe schon andere Gewitter erlebt", meinte der Schweizer mit Blick auf seine Trainer-Karriere.

Koller dürfte auch in den anstehenden Partien seiner Philosophie treu bleiben und in punkto Kader weitgehend auf Kontinuität setzen. "Wir werden nicht alles auf den Kopf stellen", kündigte der Teamchef an. Zwar werde man noch den einen oder anderen Spieler ausprobieren, "doch Österreich hat nicht dieses Potenzial, dass wir sagen, wir bringen zehn andere und das wird sicher gutgehen".

Eine Chance zum Experimentieren bietet sich bereits am Dienstag im letzten Länderspiel des Jahres wieder im Happel-Stadion gegen die Slowakei. "Das ist ein wichtiges Spiel für uns, da wollen wir uns den einen oder anderen anschauen", erklärte Koller. Für das Testmatch waren bis Freitag erst rund 12.500 Tickets verkauft, obwohl die Karten um fünf Euro zu haben sind.

Noch offen ist, ob gegen den EURO-2018-Achtelfinalisten Alessandro Schöpf, Louis Schaub, Michael Gregoritsch, Valentino Lazaro und Marcel Sabitzer zur Verfügung stehen. Das Quintett wäre für das Rückspiel im U21-EM-Play-off in Spanien einsatzberechtigt, über eine Abstellung für die Partie in Albacete wurde im Laufe des Sonntags entschieden.

Quelle: APA

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