Fußball

Krawalle in Dortmund - "ein völlig enthemmter Mob"

Nach den Ausschreitungen von BVB-Anhängern ohne Rücksicht auf Frauen und Kinder laufen bei der Dortmunder Polizei umfangreiche Ermittlungen.

Die gelbe Hasswand: Schmäh-Parolen der Dortmunder Fans gegen RB Leipzig. SN/APA/AFP/SASCHA SCHUERMANN
Die gelbe Hasswand: Schmäh-Parolen der Dortmunder Fans gegen RB Leipzig.

"Wir ermitteln jetzt", sagte eine Sprecherin der Polizei am Montagmorgen. Details wollte sie nicht nennen.

Im Umfeld des Bundesliga-Spiels gegen RB Leipzig war es am Samstag vor allem auf dem Weg ins Stadion zu Ausschreitungen gekommen. Leipziger Fußballfans, Unbeteiligte und Polizisten wurden unter anderem mit Steinen beworfen. Die Polizei berichtete von einem "völlig enthemmten Mob".

"Mit einem massiven Polizeieinsatz, auch unter Einsatz von Pfefferspray und Einsatzmehrzweckstöcken, haben wir noch Schlimmeres verhindert! Solche Bilder, in solche hasserfüllten Fratzen habe ich noch in keinem meiner Polizeieinsätze gesehen - ich bin schockiert!", berichtete der Polizeieinsatzleiter in einer Mitteilung am Sonntag.

Die Polizei hatte bis Sonntag Kenntnis von zehn Verletzten, darunter sechs Gästefans und vier Polizisten. Außerdem ist ein Diensthund der Polizei verletzt worden, wie aus einer Mitteilung hervorging.

Die Polizei nahm am Samstagabend elf mutmaßliche Straftäter aus der Ultraszene des BVB und einen Leipziger vorläufig fest.

DFB-Boss fordert Aufstand der Anständigen

DFB-Präsident Reinhard Grindel will nach den Vorfällen beim Bundesliga-Spiel von Borussia Dortmund gegen RB Leipzig nicht zur Tagesordnung übergehen. Dies betonte der Spitzenfunktionär in einer Stellungnahme vom Montag.

"Angesichts der gewalttätigen Ausschreitungen und massiven Gefährdung von Familien und Kindern außerhalb des Stadions sowie der menschenverachtenden Transparente auf der Tribüne dürfen wir nach der ersten Empörungsrhetorik nicht zur Tagesordnung übergehen", sagte Grindel.

"Wichtig ist jetzt vielmehr eine grundlegende Debatte, an deren Ende eine gemeinsame Linie gegen jede Form physischer und psychischer Gewalt stehen muss", sagte Grindel.

Man brauche einen "Aufstand der Anständigen in den Kurven, klare Distanzierungen von Gewalt." Und man benötige Staatsanwaltschaften, die Täter konsequent verfolgen und dafür sorgen, dass sie schnell und tatangemessen verurteilt würden.

Umfangreiche Ermittlungen sind bereits angelaufen. Die Auswertung von Film-, Video- und Beweismaterial soll helfen, die Übeltäter zu identifizieren. Nicht nur gegen die Chaoten, die Leipziger Fans vor dem Stadion attackierten und mit Steinen, Flaschen und Dosen bewarfen, wird ermittelt.

Zudem reagiert die Polizei auf die zahlreichen Spruchbänder auf der Südtribüne mit diffamierendem Inhalt und geht dem Anfangsverdacht von Straftaten wie Beleidigungen nach. Der Revierclub muss für die Geschehnisse im Stadion mit Sanktionen durch den Deutschen Fußball-Bund rechnen. Ereignisse außerhalb der Arena unterliegen nicht der Verbandsgerichtsbarkeit.

Innenminister fordert Konsequenzen

Gewalt selbst gegen Kinder, Hassplakate auf der Tribüne - die Ausschreitungen beim Bundesligaspiel zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig sorgen für neue Diskussionen über die ausufernde Ultraszene und Sicherheitskonzepte im Fußball.

Entrüstet über die Bilder aus der Revierstadt forderte Bundesinnenminister Thomas de Maizière harte Konsequenzen: "Die brutalen Szenen lassen einem den Atem stocken. Wer Steine und Getränkekisten auf Polizisten schleudert und dabei nicht mal auf Familien und Kinder Rücksicht nimmt, ist in Wahrheit kein Fußballfan und gehört nicht ins Stadion, sondern hinter Schloss und Riegel."

Weitere Reaktionen aus Politik und Sport fielen ähnlich drastisch aus. "Was am Samstag vor dem Spiel in Dortmund passiert ist, war eine Schande für den Fußball. Wer Steine und Flaschen auf Frauen und Kinder wirft, hat den Knall nicht gehört und muss bestraft werden" kommentierte NRW-Innenminister Ralf Jäger.

Gladbachs Sportchef: "Das ist krank"

Max Eberl, Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach, sprach von einer "Katastrophe für den Fußball: "Das ist krank. Man kann RB Leipzig mögen oder nicht, aber es muss alles im Rahmen bleiben."

Umfangreiche Ermittlungen sind bereits angelaufen. Die Auswertung von Film-, Video- und Beweismaterial soll helfen, die Übeltäter zu identifizieren. Zudem rief die Polizei Zeugen zur Mitarbeit auf.

Nach bisherigen Erkenntnissen gab es zehn Verletzte, davon sechs Gästefans und vier Polizisten. Bereits am Samstagabend waren elf mutmaßliche Straftäter aus der Ultraszene des BVB und ein Leipziger vorläufig festgenommen worden. Die Männer sind nach dem Abschluss polizeilicher Maßnahmen inzwischen wieder auf freiem Fuß, sagte eine Sprecherin der Polizei am Montag.

Nicht nur gegen die Chaoten, die Leipziger Fans vor dem Stadion attackierten und mit Steinen, Flaschen und Dosen bewarfen, wird ermittelt. Zudem reagiert die Polizei auf die zahlreichen Spruchbänder auf der Südtribüne mit diffamierendem Inhalt und geht dem Anfangsverdacht von Straftaten wie Beleidigungen nach.

Dem BVB drohen Sanktionen

Der Revierclub muss mit Sanktionen durch den DFB rechnen. Schließlich war er bereits nach den Pyro-Vorfällen beim vergangenen Pokal-Endspiel gegen den FC Bayern zu einer Geldstrafe von 75 000 Euro verurteilt worden. Für den Fall, dass es bis zum Ende Bewährungszeit am 31. Mai zu einem schwerwiegenden Wiederholungsfall kommt, hatte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes schon damals mit einem Heimspiel unter teilweisem Ausschluss der Öffentlichkeit gedroht.

Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, erhob schwere Vorwürfe gegen den BVB. "Das Spiel hätte schon gar nicht angepfiffen werden dürfen, wenn auf einem Schild steht, dass man Pflastersteine auf Polizisten werfen will", klagte er in der "Bild", "im Stadion ist es Aufgabe des Vereins, dafür zu sorgen, dass solche Plakate nicht gezeigt werden dürfen." Offenbar waren Transparente in Einzelteilen durch die Sicherheitsschleusen geschmuggelt und erst im Stadion zusammengesetzt worden.

Darüber hinaus kritisierten Fanclubs von RB Leipzig das BVB-Sicherheitskonzept. In einer Stellungnahme an DFB, Deutsche Fußball Liga und die Dortmunder schrieb der Fanverband des Aufsteigers: "Wir Fans von RB Leipzig sind seit Jahren Einiges gewohnt, aber was in Dortmund los war, war bisher unerreicht!"

Ein Sicherheitskonzept sei zu "keiner Zeit zu erkennen" gewesen. Mit Bussen angereiste Besucher seien überfallen, geschlagen und deren Eintrittskarten gestohlen worden.

Zudem wurden aus der Leipziger Anhängerschaft Vorwürfe gegen Hans-Joachim Watzke laut. Der BVB-Geschäftsführer habe in der Vergangenheit mit wiederholten Verbalattacken gegen das von einem Großsponsor getragenen RB-Konzept zur Emotionalisierung beigetragen.

Auch in der Landespolitik lösten die Ausschreitungen eine Debatte aus. Die CDU-Opposition will NRW-Innenminister Jäger zum Polizeieinsatz befragen. "Diese Gewaltexzesse sind inakzeptabel. Wir dürfen die Stadien nicht den Chaoten überlassen", sagte der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Theo Kruse. Im Landtags-Innenausschuss solle Jäger darlegen, welche Risikoeinstufung das Spiel hatte und wie der Kräfteeinsatz war.

Quelle: Dpa

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