Fußball

Mario Balotelli: Der Superstar fehlt dem Team der Stunde

An der Côte d'Azur wird bereits vom ersten Titelgewinn seit 1959 geträumt. In der Europa League gegen Salzburg muss Nizza jedoch auf Topstar Mario Balotelli verzichten.

Grimmiger Blick, muskelbepackter Oberkörper und ein blond gefärbter Irokesenschnitt: Das Bild von Mario Balotellis Jubelpose nach seinem zweiten Treffer im EM-Halbfinale 2012 gegen Deutschland ging um die Welt und findet bis heute unzählige Nachahmer vom Amateur- bis hin zum Profispieler. Balotelli ist eine Persönlichkeit, die sich ins Gedächtnis einbrennt. Bei Teamkollegen und Gegenspielern, Trainern und Fans - und das nicht zwingend positiv.

Auch Red Bull Salzburg hat den italienischen Teamstürmer nicht in bester Erinnerung. 2010 schoss Balotelli beim 3:0 von Manchester City im Europa-League-Duell gegen völlig überforderte Bullen zwei Tore. Zumindest diese Schmach wird Salzburg am Donnerstag (19 Uhr) im Heimspiel gegen OGC Nizza erspart bleiben. Der 26-Jährige steht für den dritten Spieltag der Gruppenphase nicht im Kader seines neuen Teams, er muss wegen Adduktorenschmerzen passen. Das gab Nizza am Dienstagabend bekannt. Am Montag hatte Balotelli noch mit der Mannschaft trainiert, bei der Einheit am Dienstag fehlte er bereits.

Gut möglich, dass auch sportliche Gründe hinter dieser Entscheidung von Trainer Lucien Favre liegen. Die Europa League ist für Nizza inzwischen mehr lästige Pflicht als willkommene Kür. Nach zwei Niederlagen in den ersten beiden Gruppenspielen (0:1 Schalke, 2:5 Krasnodar) ist der Aufstieg ins Sechzehntelfinale ebenso wie für Salzburg (0:1 Krasnodar, 1:3 Schalke) schon in weite Ferne gerückt. In Frankreichs Ligue 1 dagegen schwimmt die Truppe des ehemaligen Mönchengladbach-Erfolgstrainers Favre auf einer Erfolgswelle. Nizza ist das Team der Stunde, hat in neun Meisterschaftsrunden noch nie verloren. Die Tabelle führen die Südfranzosen mit vier Punkten Vorsprung auf die Schwergewichte Paris Saint-Germain und AS Monaco an. In Nizza wird bereits vom ersten Titelgewinn seit dem Jahr 1959 geträumt.

Maßgeblichen Anteil daran hat Mario Balotelli, der am letzten Tag der Transferperiode von Liverpool an die Côte d'Azur wechselte. Ablösefrei. Dabei hatte sein Marktwert noch vor wenigen Jahren 32 Millionen Euro betragen.

In Nizza brachte es der Stürmer auf vier Tore bei seinen ersten zwei Einsätzen, inzwischen hat Balotelli fünf Saisontreffer zu Buche stehen - und hat damit seine Kritiker und selbst seinen eigenen Coach Lucien Favre verblüfft. Bei seinen letzten beiden Stationen Liverpool und AC Milan erzielte der Angreifer in zwei Saisonen lediglich zwei Ligatore.

Generell wurde es seit dem Hammer in den Winkel von der Strafraumgrenze und seiner legendären Jubelpose im EM-Halbfinale gegen Deutschland ruhig um das einstige Wunderkind, dem eine ganz große Karriere vorausgesagt worden war. In jungen Jahren galt Balotelli als kommender Weltfußballer, doch dann kam er immer wieder vom Erfolgsweg ab. Abseits des Fußballplatzes häuften sich die Probleme. Vor allem Balotellis Disput mit Roberto Mancini ist legendär. Der Italiener trainierte seinen Landsmann bei Inter Mailand und später bei Manchester City. In England war bald von "Mad Mario" die Rede. Balotelli kassierte Parkstrafen jenseits der 10.000 Euro. Er flanierte durch Manchesters Innenstadt und verteilte bündelweise Geld an Passanten, er bewarf Citys Jugendspieler mit Dartpfeilen und zündelte in seinem Haus mit Feuerwerkskörpern.

So bitter es für Salzburgs Fußballfans ist, dass der exaltierte Balotelli nicht in der Red-Bull-Arena zu sehen sein wird, so positiv darf die Nachricht bei Österreichs Fußballmeister aufgenommen werden. Denn Nizza wird genau jener Spieler fehlen, der technische Raffinesse, Kraft und Schnelligkeit vereint. Einen Stürmer, der im Torabschluss eiskalt ist und kaum Chancen braucht, der aber auch zu Undiszipliniertheiten neigt und sich auf dem Platz manchmal wie ein Elefant im Porzellanladen benimmt.

Doch auch ohne Balotelli, mit Inter Mailand Gewinner der Champions League 2009/10, ist OGC Nizza immer noch mit hochkarätigen Namen gespickt. Trainer Favre nominierte 21 Spieler für die Partie in Salzburg, darunter findet sich mit dem ehemaligen Bayern-Verteidiger Dante noch ein weiterer Champions-League-Sieger.

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