Fußball

Milliarden rollen in China für den Fußball

Der Kaufrausch der Liga ist nur der Anfang. Im Reich der Mitte wird ein Plan verfolgt, an dessen Ende der WM-Titel steht.

Derzeit der Teuerste: Brasiliens Oscar geht für Shanghai SIPG auf Torjagd.  SN/Stringer / AP / picturedesk.com
Derzeit der Teuerste: Brasiliens Oscar geht für Shanghai SIPG auf Torjagd.

Aus österreichischer Sicht mag der am Montag fixierte Wechsel von Jonatan Soriano zu Beijing Guoan ein Mega-Transfer sein. Der Serien-Torschützenkönig von Red Bull Salzburg soll zehn Millionen Euro an Ablöse gekostet haben. Für chinesische Verhältnisse sind das Reiskörnchen. Das bevölkerungsreichste Land der Erde ist zum fußballerischen Schlaraffenland geworden. Die Clubs der Super League, die in wenigen Tagen in die Saison 2017 startet, befinden sich in einem beispiellosen Kaufrausch.

Zu den verpflichteten Stars (siehe Kasten) kommen viele, bei denen sich die Chinesen Absagen holten. Englands Fußballdenkmal Wayne Rooney erklärte: "Ich will, dass die Gerüchte ein Ende haben. Ich bleibe bei Manchester United." Auch Dortmunds Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang, Wolfsburg-Torjäger Mario Gomez oder Anthony Modeste vom 1. FC Köln standen auf den Wunschlisten der Chinesen. FC-Köln-Manager Jörg Schmadtke zeigte sich erstaunt: "Sie sind unermüdlich. Trotz mehrerer Absagen haben sie noch einmal nachgelegt."

Mit aller Macht will China sich einen Platz im Konzert der großen Fußballnationen erkaufen. Trainer wie Luiz Felipe Scolari (regierender Meister mit Guangzhou Evergrande), André Villas-Boas (Shanghai SIPG) oder Manuel Pellegrini (Hebei) sollen so wie die teuren Stars dazu beitragen. Das Publikum delektiert sich gern am fußballerischen Festmahl: Mit einem Schnitt von 24.000 Zuschauern nimmt die Super League weltweit bereits Rang fünf der Fußball-Ligen ein, noch vor Italiens Serie A. Bei Guangzhou Evergrande, wo der Ex-Salzburger Alan stürmt, kommen sogar durchschnittlich 40.000 Fans.

Das war nicht immer so. Nachdem der erste Versuch einer chinesischen Top-Liga vor zehn Jahren in einem Sumpf aus Korruption und Manipulation versank, griff der Staat mit einer "Aktion scharf" durch. Xi Jinping, seit 2013 Staatspräsident, gilt als großer Fan und Förderer des Fußballs.

Auch das große Geld fließt nicht zuletzt dank der Politik. Es sind die teils in Besitz des Staats oder der Regionen befindlichen Konzerne, die in den Fußball investieren. Die schillernden Bosse wiederum sitzen zugleich an den Schalthebeln der Regierung und der Kommunistischen Partei. Die Shanghai International Port Group, Betreiber des Großhafens der Stadt, finanzierte ihrem Club Stars wie Oscar und Hulk. In Guangzhou ist das Stadtderby zugleich das Duell der Immobilienriesen Evergrande Real Estate und R&F Properties, wobei Erstere 50 Prozent an Alibaba, Chinas Internet-Giganten, verkauft haben. Bei Jonatan Sorianos neuem Club Guoan firmiert das staatliche Investmentunternehmen CITIC - Erbauer des Olympiastadions von Peking - als Eigentümer.

Der Masterplan für den Aufstieg zur Großmacht: Der Bau von Fußballschulen in großer Zahl ist geplant, bis 2025 sollen 760 Milliarden Dollar in die Sport-Infrastruktur investiert werden. Die Clubs dürfen maximal fünf Ausländer besitzen, nur drei dürfen auf dem Platz stehen. Als Veranstalter der Fußball-WM will das Land so bald wie möglich auftreten und spätestens 2050 soll China nach den ehrgeizigen Plänen Weltmeister sein. Experten sehen das skeptisch. Der ehemalige Bayern-Vorstand Matthias Sammer sagt: "China wird sicher aufholen, aber nie das Top-Level europäischer oder südamerikanischer Nationen erreichen." Kaufen können sich die Chinesen aber den Fußball auf anderen Wegen. Der Einstieg chinesischer Investoren bei Topclubs wie Manchester City, Atlético Madrid oder Inter Mailand dürfte erst der Anfang sein.



Spieler mit den höchsten Marktwerten in der Super League

Rg. Name Club Nation Marktwert
1. Oscar Shanghai SIPG BRA 35 Millionen Euro
2. Hulk Shanghai SIPG BRA 22 Millionen Euro
3. Axel Witsel Tianjin Q. BEL 20 Millionen Euro
4. Alex Teixeira Jiangsu BRA 19 Millionen Euro
5. Ramires Jiangsu BRA 14 Millionen Euro
6. Odion Ighalo Changchun Yatai NIG/ITA 12 Millionen Euro
6. Ricardo Goulart Guangzhou Evergrande BRA 12 Millionen Euro
8. John Obi Mikel Tianjin NIG 11 Millionen Euro
9. Gervinho Hebei China Fortune CIV 10 Millionen Euro
9. Paulinho Guangzhou Evergrande BRA 10 Millionen Euro
18. Alan Guangzhou Evergrande BRA 6,5 Millionen Euro
21. Jonatan Soriano Beijing Guoan ESP 6 Millionen Euro

(Werte: Transfermarkt.at)

Aufgerufen am 20.09.2018 um 07:05 auf https://www.sn.at/sport/fussball/milliarden-rollen-in-china-fuer-den-fussball-334117

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