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Foda vor Start ins EM-Jahr "immer noch hungrig"

In einer Woche nominiert Österreichs Teamchef Franco Foda seinen ersten Kader des EM-Jahres 2020. Im Interview mit der APA sprach der 53-jährige Deutsche über die aktuelle Situation seiner Stars David Alaba und Marko Arnautovic, seine möglicherweise bevorstehende Vertragsverlängerung und die Ausbreitung des Coronavirus.

Der Teamchef hat alles im Blick SN/APA (Archiv/AFP)/JURE MAKOVEC
Der Teamchef hat alles im Blick

APA: Es ist der Start ins EURO-Jahr. Was sind Ihre wichtigsten Ziele bis zum Turnierauftakt in drei Monaten?

Foda: "Das Wichtigste ist der nächste Lehrgang. Gegen Wales und die Türkei wollen wir uns gut präsentieren. Wir wollen eine Euphorie entstehen lassen, dementsprechend müssen wir auftreten."

APA: Vor der vergangenen EM war die Euphorie größer, fast ein bisschen überbordend. Welche Lehren kann man daraus ziehen?

Foda: "Das ist normal, wenn du dich nach langer Zeit das erste Mal aus eigener Kraft qualifizierst. Das war ein besonderer Moment."

APA: Was ist das konkreteste Ziel, das man sich für die EM gesetzt hat?

Foda: "Damals hatte man ja das Gefühl, Österreich könnte Europameister werden. Gerade im Erfolg macht man aber oft die meisten Fehler. Die Niederlande sind der Topfavorit in der Gruppe."

APA: David Alaba spielt bei Bayern München mittlerweile fast ausschließlich Innenverteidiger. Welche Auswirkungen hat das auf Ihre Überlegungen mit ihm im Nationalteam?

Foda: "David kann auf mehreren Positionen spielen, das hat er bei mir auch getan. Er ist ein Spieler, der technisch versiert ist und auf engen Räumen agieren kann."

APA: Wenn man sich den Kader ansieht, der Ihnen zur Verfügung steht, dann gibt es aber auch viele andere, sehr gute Innenverteidiger.

Foda: "Wobei sich der Nationaltrainer da schon auch Gedanken machen muss: Dragovic spielt im Moment gar nicht mehr, Posch unregelmäßig, Lienhart erst seit kurzem wieder. Die einzige Komponente, die immer spielt, ist Martin Hinteregger."

APA: Eine Lösung müssen Sie auch für Marko Arnautovic finden, der wegen der Ligapause in China derzeit gar nicht spielt. Wie viele Spiele braucht er, um für die EURO fit zu sein?

Foda: "Das ist auch ein Problem. Man benötigt Spiele, um in Wettbewerbsspielen auf Topniveau zu sein. Nichtsdestotrotz: Marko ist ein wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft."

APA: Am 2. Juni müssen Sie ihren endgültigen EM-Kader nominieren. Was wird für Sie dann eine zentralere Rolle spielen: die grundsätzliche Qualität der Spieler oder ihre aktuelle Form?

Foda: "Es gibt mehrere Faktoren. Es geht um aktuelle Leistung, um Qualität, es geht aber auch um Charakter, um Mentalität."

APA: Ein anderes Thema ist Ihre Vertragssituation. Es ist noch nicht geklärt, wie es nach der EM weitergeht?

Foda: "Wir haben schon Gespräche geführt und werden das intern abhandeln. Das war immer der richtige Weg, auch in schwierigen Situationen."

APA: Was ist rechtzeitig?

Foda: "Gespräche brauchen einfach ihre Zeit und auch, bis ein Vertrag fertiggestellt ist. Es wird definitiv vor der Europameisterschaft Klarheit herrschen - ob so oder so."

APA: Warum hat es bisher noch keinen Abschluss gegeben?

Foda: "Wir haben viel zu tun gehabt. Nach der Winterpause waren wir pausenlos unterwegs. Wir haben Spieler beobachtet, das EM-Quartier und die Vorbereitung geplant und organisiert."

APA: Eine WM-Teilnahme ist ungleich schwieriger als eine EM-Teilnahme. Wie groß ist der Reiz, den das auf Sie ausüben würde?

Foda: "Für mich ist alles eine Herausforderung, auch die Nations League. Wenn wir da vielleicht mal Erster werden sollten in der Gruppe, wäre das auch etwas Unglaubliches."

APA: Woher nehmen Sie Ihre Zuversicht?

Foda: "Du musst immer den Glauben haben, dass du noch etwas bewegen kannst. Ich glaube, dass unser Entwicklungsprozess noch nicht abgeschlossen ist."

APA: Wegen des Coronavirus sind bereits zahlreiche Sportveranstaltungen abgesagt worden. Inwieweit spielt das in Ihren Vorbereitungen auf die EM eine Rolle?

Foda: "Wir planen ganz normal, wie wir das bisher auch getan haben. Wir halten uns an die Vorgaben der Behörden. In den Planungen gibt es keine großen Unterschiede."

APA: Wie bewerten Sie, wie die Öffentlichkeit und die Behörden bisher mit der Situation umgegangen sind?

Foda: "Es ist für mich schwer einzuschätzen, aber ich fühle mich in Österreich sehr sicher. Ich bin kein Mediziner, aber ich bin zuversichtlich, dass wir das Virus eindämmen können."

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