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Leo Windtner vermeidet mit Rückzug einen Machtkampf

Der Oberösterreicher Leo Windtner kandidiert im Oktober nicht mehr als ÖFB-Präsident. Hauptgrund für die Entscheidung ist der mangelnde Rückhalt im ÖFB-Präsidium.

Die Ära Leo Windtner als ÖFB-Präsident endet im Oktober. SN/gepa pictures/ daniel goetzhaber
Die Ära Leo Windtner als ÖFB-Präsident endet im Oktober.

Obwohl es hinter den Kulissen schon seit Monaten brodelt, kam die Nachricht überraschend. "Leo Windtner kandidiert im Oktober nicht mehr als ÖFB-Präsident", vermeldete die Austria Presse Agentur (APA) am Freitag kurz nach Mittag. Damit endet am 17. Oktober bei der Ordentlichen Hauptversammlung des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) die zwölfjährige Amtszeit des Oberösterreichers.

Vor der Europameisterschaft hatte Windtner angekündigt, dass er dem ÖFB noch vier weitere Jahre zur Verfügung stehen will. "Aber nur wenn ich den Rückhalt des gesamten Präsidiums habe, sonst macht es für mich keinen Sinn", betonte Windtner vor der Endrunde. Nach der positiven EM (Österreich schaffte erstmals den Einzug ins Achtelfinale und scheiterte dort nur knapp am späteren Sieger Italien) glaubte die Öffentlichkeit, dass sich die Wogen geglättet hätten. Dem war aber nicht so: Laut SN-Informationen aus dem ÖFB-Umfeld hätte Windtner bei der Wahl im Oktober keine Mehrheit mehr bekommen. "Es wäre sehr schwierig für ihn geworden", bestätigt der Wahlausschuss-Vorsitzende Wolfgang Bartosch. Große Teile des ÖFB-Präsidiums, bestehend aus den neun Landespräsidenten und drei Bundesliga-Vertretern, sollen sich schon seit vor längerer Zeit vom Präsidenten abgewendet haben und seit Monaten einen Neuanfang mit einer neuen Spitze forcieren.

Aus diesem Grund reifte bei Windtner in den vergangenen Wochen die Entscheidung, nicht mehr zu kandidieren und das Feld für einen Nachfolger zu räumen. Äußern will sich der 70-Jährige in der Öffentlichkeit (noch) nicht. "Kein Kommentar", sagte der scheidende Präsident am Freitag.

Bereits am kommenden Donnerstag tritt der ÖFB-Wahlausschuss im oberösterreichischen Gmunden zusammen, um über geeignete Nachfolger zu diskutieren. Eines ist klar: Der Windtner-Nachfolger wird es schwer haben, seinen Vorgänger im sportlichen Bereich zu überflügeln. In Windtners Amtszeit schaffte es die ÖFB-Männer-Auswahl zu zwei Europameisterschaften (2016, 2021). Weitere Highlights waren das EM-Semifinale der ÖFB-Frauen 2017, die erstmalige EM-Teilnahme mit der U21 vor zwei Jahren und die Qualifikation für die Frauen-EM 2022.

In seinen letzten gut zwei Monaten im Amt werde er die Amtsgeschäfte bis zur Hauptversammlung wie gewohnt weiterführen und für eine geordnete Amtsübergabe Sorge tragen, kündigte Windtner an. Bei den WM-Quali-Auswärtsspielen im September gegen die Republik Moldau und Israel sowie im Oktober gegen Dänemark und die Färöer wird der Oberösterreicher noch mit von der Partie sein.

Das wegweisende Infrastrukturprojekt - der Bau eines Trainingszentrums und eines ÖFB-Headquarters in Wien-Aspern - will Windtner trotzdem noch zügig abwickeln. Doch auch bei diesem Thema hat er bei weitem nicht alle Landespräsidenten auf seiner Seite.

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