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ÖFB-Chef kann beiden WM-2026-Bewerbern etwas abgewinnen

Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) entscheidet am Mittwoch in Moskau über den Ausrichter der WM 2026 mit. Die Endrunde wird nach den Skandalen der Vergangenheit nicht mehr vom FIFA-Exekutivkomitee, sondern vom Kongress und damit den 211 Mitgliedern des Weltverbandes vergeben. Ob die ÖFB-Stimme an die Dreier-Bewerbung USA-Kanada-Mexiko oder an Marokko geht, ist noch nicht endgültig entschieden.

Windtner ist noch unschlüssig SN/APA/EXPA/SEBASTIAN PUCHER
Windtner ist noch unschlüssig

Die Kandidaten wurden im Vorfeld persönlich bei ÖFB-Präsident Leo Windtner in Linz vorstellig. Der Oberösterreicher kann beiden etwas abgewinnen. Marokko bewirbt mit maximal 550 km Entfernung der Spielorte zur Hauptstadt Rabat eine "WM der kurzen Wege". Damit kann die favorisierte nordamerikanische Bewerbung nicht aufwarten. Dafür garantiere sie laut Windtner einen um fünf Milliarden US-Dollar (4,22 Mrd. Euro) höheren Ertrag.

"Natürlich wird das finanzielle Argument Gewicht haben", meinte Windtner. "Das ist schon ein Lock- und Zugmittel für die Verbände." Der ÖFB selbst will zuerst die Evaluierung der Kandidaten abwarten, dann erfolge laut Windtner aller Voraussicht nach eine Absprache mit den anderen Verbänden der sogenannten M6-Gruppe (Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Liechtenstein) sowie jenen von Deutschland und der Schweiz. Auch die gesamte europäische Konföderation (UEFA) wird am Vortag der Stimmabgabe beratschlagen.

Für entscheidend hält Windtner, der von ÖFB-Generalsekretär Thomas Hollerer und Salzburgs Landesverbandschef Herbert Hübel zum Kongress und auch zum am Tag darauf folgenden WM-Eröffnungsspiel begleitet wird, das Wahlverhalten der Afrikaner und Asiaten. Theoretisch möglich wäre auch, dass der Vergabeprozess vertagt wird - dann, wenn keiner der beiden Bewerber in Moskau eine absolute Mehrheit gültiger Stimmen hinter sich vereint.

Im Rahmen einer offenen Abstimmung wird das Wahlverhalten aller Mitgliedsverbände danach auch öffentlich gemacht. Windtner begrüßt, dass statt des von Stimmenkauf-Affären gebeutelten Exekutivkomitees künftig der Kongress die Turniere vergibt. "Damit sollen Entscheidungen wie Katar vermieden werden."

Einen Vorstoß der südamerikanischen Konföderation, schon die WM 2022 im Golf-Emirat mit 48 statt wie bisher 32 Teams auszutragen und mit der Aufstockung nicht wie geplant bis 2026 zu warten, hält der ÖFB-Chef "nicht für sehr realistisch". Er würde diesen auch selbst nicht befürworten. "Die Planungssicherheit muss für Mannschaften, Nationen und Verbände erhalten bleiben", betonte Windtner. Der Fußball lebe von der Überschaubarkeit. "Man soll nicht kurzfristig die Rahmenbedingungen ändern."

Langfristig werden sie aber geändert. Die WM in acht Jahren wird erstmals mit 48 Teams über die Bühne gehen. Dadurch erhöhen sich zwar auch die Chancen Österreichs, erstmals seit 1998 bei einem Weltturnier dabei zu sein. "Organisatorisch ist es aber eine Mammutaufgabe", gab Windtner zu Bedenken. Nur noch wenige Länder in Europa könnten eine Bewerbung alleine stemmen - etwa England oder Deutschland. Selbst die USA haben sich Kanada und Mexiko ins Boot geholt, um ihre Chancen zu erhöhen.

Quelle: APA

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