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ÖFB-Sieg gegen Nordirland: Janko kann Nicht-Einwechslung verschmerzen

Marc Jankos Comeback im österreichischen Fußball-Nationalteam ist am Freitag in letzter Sekunde ins Wasser gefallen. Der 35-Jährige stand im Happel-Stadion in der 71. Minute schon zur Einwechslung parat, doch dann erzielte Marko Arnautivic gegen Nordirland das 1:0, und plötzlich war wieder alles anders - der Stürmer erlebte das Finish von der Ersatzbank aus.

Jankos Comeback fiel in letzter Minute ins Wasser SN/APA/ROBERT JAEGER
Jankos Comeback fiel in letzter Minute ins Wasser

Dass er weiter auf sein 67. Länderspiel und 29. Tor warten mus, ließ sich für Janko angesichts des Sieges allerdings locker verschmerzen. "Als Marko das Tor gemacht, war es auch von meiner Seite völlig offensichtlich, dass ich mich wieder hinsetze, weil es keinen Sinn gemacht hätte, mich reinzuhauen", sagte der Lugano-Profi am Samstag.

Entschuldigt habe sich Teamchef Franco Foda bei ihm nicht. "Das braucht er auch nicht, alles gut. Ich habe das in dem Moment genauso gesehen wie er. Wenn ich Trainer gewesen wäre, hätte ich genauso agiert. So durfte ich wenigstens im Happel-Oval noch einmal aufwärmen und habe ein paar ganz gute Sprints hingelegt", schmunzelte Janko.

Für den Routinier war der knapp verpasste Eintausch eine gänzlich neue Erfahrung. "So etwas ist mir noch nie passiert. Es gibt immer wieder Sachen, die ich noch nicht erlebt habe, das war gestern ein neues Gefühl." Im Test am Dienstag gegen Dänemark könnte es allerdings mit der Einwechslung klappen - immerhin wurde die Anzahl der Kaderspieler am Samstag um drei Kicker reduziert, außerdem sind am Dienstag sechs Einwechslungen erlaubt. "Die Chancen sind nicht gesunken. Vielleicht bekomme ich meine Minuten, vielleicht auch nicht."

Selbst wenn der nachnominierte Janko auch in Herning Zuschauer sein sollte, würde das positive Gefühl überwiegen. "Ich weiß gar nicht wohin mit all der Wertschätzung, die mir entgegenbracht worden ist, allein schon deshalb hat sich die Anreise gelohnt. Ich habe mit der fast überwältigenden Reaktion auf meine menschlichen Werte gar nicht gerechnet, das entschädigt für jede unnütze Aufwärmarbeit und gefühlte Einwechslung. Sollte ich gegen Dänemark nicht spielen, reise ich trotzdem mit einem richtig breiten Grinsen und guten Gefühl zurück nach Lugano."

Wie lange Janko noch als Notnagel für das ÖFB-Tem zur Verfügung steht, ist offen, denn ein Karriereende ist vorerst nicht in Sicht. "Ich möchte so lange Fußball spielen, so lange ich Spaß daran habe und mich körperlich gut fühle", sagte der Goalgetter, dessen Vertrag bei Lugano im kommenden Sommer ausläuft.

In seiner Rolle als Team-Oldie fühlt sich Janko sichtlich wohl, auch wenn ein Blick auf das Geburtsdatum einiger ÖFB-Spieler für so manchen Schockmoment sorgt. "Ich habe mit Entsetzen festgestellt, dass ich 15 Jahre älter als Maximilian Wöber und 14 Jahre älter als Xaver Schlager bin. Da kommt man schon ins Überlegen, wo all die Jahre hingeflogen sind."

Geändert hat sich in Jankos einjähriger Abwesenheit nicht nur die Altersstruktur, sondern auch der Teamchef. "Franco Foda ist eher ein bisschen distanzierter, sucht nicht so intensive Gespräche, was völlig okay ist. Er ist ein von Grund auf ehrlicher und sehr direkter Mensch, wenn ihm etwas nicht passt, sagt er das auch. Die viel zitierten Streicheleinheiten brauchen die Spieler heutzutage nicht mehr. Wenn sie wissen, dass Ehrlichkeit immer an höchster Stelle steht, ist es absolut in Ordnung für jeden. Dann weiß jeder, woran er ist, und das ist bei Franco der Fall."

Foda sei ein "taktisch ausgereifter Trainer, der viele Systeme vermitteln kann und Flexibilität in die Mannschaft gebracht hat", erklärte Janko. Der Angreifer hat auch eine hohe Meinung von Foda-Vorgänger Marcel Koller, zu dem der Kontakt nie abgerissen ist. "Er hat in Basel eine extrem verunsicherte Mannschaft übernommen und einigermaßen Stabilität reingebracht, er kann aber auch nicht zaubern. Für mich ist er nach wie vor ein sehr guter Trainer, den ich auch als Menschen sehr schätze."

Als Koller vor einem Jahr vom ÖFB-Präsidium demontiert wurde, ließ Janko auf einer Pressekonferenz seinem Unmut über die Verbands-Spitzen freien Lauf. Auch jetzt begegnet Janko dem höchsten ÖFB-Gremium mit einiger Skepsis, seit über den angeblichen Wunsch von Präsidiumsmitgliedern berichtet wurde, wonach Marko Arnautovic nicht als Kapitän fungieren solle.

Dieser "Kurier"-Bericht wurde vom ÖFB dementiert. "Es steht offiziell Aussage gegen Aussage. Uns wurde intern erklärt, dass da nichts dran ist. Auf der einen Seite wollen wir dem Glauben schenken, auf der anderen Seite muss man klar sagen, dass der 'Kurier' ein Medium ist, das nichts erfindet, sondern seine Quellen gut prüft. Da kann sich jeder selbst ein Bild machen, was die Wahrheit ist."

Außerdem meinte Janko zu diesem Thema. "Ich möchte dazu nur sagen, sollte es stimmen - und es gilt immer die Unschuldsvermutung und wir wollen dem ÖFB Glauben schenken - dann wär's wieder einmal absolute Frechheit gewesen, was sich einige Leute rausnehmen aus dem Präsidium, wie wichtig sie sich nehmen. Aber wie gesagt: Es ist ja nicht passiert."

Was auch immer die Wahrheit ist - eine Änderung der ÖFB-Führungshierarchie wäre für Janko generell wünschenswert. "Man könnte die Struktur insofern überdenken, dass man mehr fußballerische Fachkompetenz ins Präsidium holt und Leuten, die aus dem Amateursport kommend zuständig sind - der aller Ehren wert ist -, nicht so viel Gewichtung gibt. Es heißt nicht, dass etwas, das vor vielen Jahren entwickelt wurde, noch immer alltagstauglich ist in Zeiten, in denen sich der Fußball enorm entwickelt hat und es großer Fachkompetenz bedarf. Wenn da die richtigen Leute am Hebel sitzen, kann man vielleicht noch mehr bewegen."

Die Hoffnung auf eine Änderung ist bei Janko allerdings nicht allzu groß. "Diese Struktur kann sich nur selber abwählen. Es spricht vieles dafür, dass sie die Macht nicht gern hergeben wollen."

Quelle: APA

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