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ÖFB-Teamchef Franco Foda betont im SN-Interview: "Wir haben keine Baustelle"

Die "Salzburger Nachrichten" sprachen vor dem Semifinale im WM-Play-off mit Österreichs Fußball-Teamchef Franco Foda. Wer wird in Wales im Tor stehen, Herr Foda?

Österreichs Fußball-Teamchef Franco Foda steht vor zwei „Endspielen“. SN/APA/EXPA/JOHANN GRODER
Österreichs Fußball-Teamchef Franco Foda steht vor zwei „Endspielen“.

Nur mit einem Sieg am Donnerstag gegen Wales darf das ÖFB-Team weiter davon träumen, bei der WM 2022 dabei zu sein. Im Finale um ein WM-Ticket würde die Truppe von Trainer Franco Foda dann erst im Juni auf den Sieger der verschobenen Partie Schottland gegen die Ukraine treffen. Im SN-Interview nahm Foda auch dazu Stellung.

Österreich war 1998 in Frankreich das bisher letzte Mal bei einer Weltmeisterschaft. Was stimmt Sie positiv, dass diese lange Durststrecke beendet werden kann? Franco Foda: Wir wollen uns nach der EM unbedingt auch für die WM qualifizieren. Wir haben uns die Chance durch Platz eins in der Nations League erarbeitet und wollen diese nun nutzen. Unser Fokus ist klar auf das Spiel gegen Wales gerichtet, jeder einzelne Spieler weiß, um was es geht, und wird alles investieren, damit wir das Halbfinale gewinnen.

Allerdings müsste das ÖFB-Team bei einem Erfolg in Wales bis Juni auf den Endspiel-Gegner warten. Wie geht man als Teamchef mit der schrecklichen Lage in der Ukraine um? Diese Situation ist für alle Menschen in Europa außergewöhnlich. Es ist schrecklich, dass es einen Krieg gibt, wo viele unschuldige Menschen sterben. Ich finde es aber richtig und auch wichtig, dass trotzdem Sportveranstaltungen stattfinden, weil der Sport bereits in der Vergangenheit gezeigt hat, dass er auf der Welt Dinge verändern kann. Für uns ist es natürlich keine angenehme Situation, aber es war von Anfang an klar, dass wir uns solidarisch mit der Ukraine zeigen.

Ist es überhaupt möglich, sich auf den Fußball zu konzentrieren, wenn in Europa Krieg herrscht? Es ist sicher keine angenehme Situation und man macht sich große Sorgen. Trotzdem ist unser Fokus auf das Spiel gegen Wales gerichtet. Und wir werden alles geben, um dieses Duell für uns zu entscheiden.

Was spricht gegen die heimstarken Waliser und für das ÖFB-Team? Wir haben in der Vergangenheit oft genug bewiesen, dass wir in wichtigen Spielen abliefern. Zum Beispiel in der EM-Qualifikation gegen Slowenien und Nordmazedonien sowie bei der EM gegen die Ukraine. Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft ein gutes Spiel zeigen, in den Zweikämpfen präsent sein wird und ihre Qualität auf den Platz bringt.

Nach den vielen verletzungsbedingten Ausfällen in der vergangenen WM-Qualifikation können Sie nun auf fast alle Stammspieler zurückgreifen. Wie schwierig ist es nun, die richtige Elf zu finden? Wir hatten einen klaren Plan im Kopf und ich wusste eigentlich schon ziemlich genau, welche elf Spieler in Wales beginnen werden. Nur bei ein, zwei Positionen waren sich mein Trainerteam und ich noch nicht ganz sicher. Durch die Änderungen im Kader müssen wir das eine oder andere natürlich neu überdenken.

Die einzige Baustelle ist die Tormannposition. Ihre Nummer eins Daniel Bachmann spielt bei seinem Club Watford seit Wochen keine Rolle. Wird er gegen Wales trotzdem im Tor stehen? Wir haben keine Baustelle auf dieser Position. Ich habe in Absprache mit unserem Tormanntrainer Robert Almer drei Torhüter nominiert, von denen wir alle überzeugt sind. Daniel Bachmann hat bis Ende Jänner bei Watford gespielt, seither ist er leider nicht mehr erste Wahl. Er hat im Team bisher immer stark performt, ob er auch in Wales auflaufen wird, entscheiden wir zwei Tage vor dem Spiel.

Mit Marko Arnautovic und Sasa Kalajdzic stehen zwei Topstürmer im Kader. Ist es möglich, dass beide von Beginn an stürmen? Alles ist möglich. Wir haben Plan A, B und C im Kopf. Wir müssen schauen, welche Spieler am Donnerstag tatsächlich einsatzbereit sind. Das Problem ist oft, dass du dir einen Plan zurechtlegst, und dann fällt im letzten Moment ein Spieler aus. Aus diesem Grund muss man auf alle Eventualitäten vorbereitet sein.

Vor dem bisher wohl wichtigsten Spiel Ihrer Teamchefkarriere haben Sie nur Zeit für ein Training mit dem kompletten Kader. Was kann man in einer Einheit machen? Sonntag und Montag stand die Regeneration im Vordergrund. Am Dienstag haben wir ein Training und werden uns mit taktischen Inhalten beschäftigen. In erster Linie geht es um Anlaufverhalten und Positionierung im Ballbesitz.

In Wales geht es natürlich auch um Ihre Zukunft. Bei einer Niederlage läuft Ihr Vertrag mit Ende März aus und eine Verlängerung wäre höchst unwahrscheinlich. Wie gehen Sie mit diesem persönlichen Druck um? Ich konzentriere mich nur auf das Spiel gegen Wales, alles andere interessiert mich derzeit nicht. Wir wollen unbedingt zur Weltmeisterschaft in Katar. Alle Spieler, Trainer und Betreuer haben dieses Ziel und wollen es unbedingt erreichen. Einzelne Personen stehen für mich jetzt nicht im Fokus, sondern nur dieses eine Spiel. Alles andere spielt für mich derzeit absolut keine Rolle.




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