Nationalteam

Österreich jubelt über 2:1-Sieg gegen Weltmeister Deutschland

Neun Niederlagen hintereinander, seit 32 Jahren kein Sieg mehr - die Leidenszeit hat endlich ein Ende: Österreichs Fußball-Nationalmannschaft besiegte Weltmeister Deutschland mit 2:1.

Die Sensation von Klagenfurt ist perfekt: Im Testspiel Österreichs gegen Deutschland siegte das Team von Franco Foda mit 2:1 (0:1). Martin Hinteregger (53.) und Alessandro Schöpf (69.). waren die Torschützen für Österreich, nachdem Mesut Özil die frühe Führung der Gäste besorgt hatte (11.).


Mit hundert Minuten Verspätung begann das Spiel in Klagenfurt. Hagel, Gewitter und starker Regen hatten einen Anpfiff zur geplanten Zeit unmöglich gemacht.

Der Beginn war wie verhagelt


Bei den Deutschen wurden Mats Hummels, Toni Kroos und Thomas Müller geschont. Am Montag werden noch vier Spieler aus dem WM-Kader gestrichen. Einige Testkandidaten wie Niels Petersen oder Jonas Hector waren gegen Österreich von Beginn an dabei. Pfiffe von den eigenen Fans gab es für Ilkay Gündogan und Mesut Özil wegen deren ungeschickter Werbeaktion für den türkischen Präsidenten Erdogan. Wohl auch deshalb wirkten die Gäste anfangs etwas nervöser als die Österreicher.

Fataler Fehler von Siebenhandl

Doch mit einem Geschenk von Torhüter Jörg Siebenhandl gingen die Gäste in der 11. Minute in Führung: Er spielte einen Rückpass direkt auf Mesut Özil, der dankend annahm und zum 1:0 abschloss.


Die Österreicher erfingen sich von diesem Rückschlag rasch, Stefan Lainer riskierte einen Volley-Weitschuss, der aber weit übers Tor ging (13.). Dann unterlief auch Manuel Neuer ein Fehler wie zuvor Siebenhandl, doch Alessandro Schöpfs Schuss fiel etwas zu leicht aus (14.) Eine gefährliche Flanke von David Alaba kam nicht ganz bei Marko Arnautovic an (18.). Deutlich größer war die nächste Chance der Deutschen: Petersen auf Julian Brandt, doch diesmal war Siebenhandl auf dem Posten (20.).
Die Deutschen versuchten den Gegner mit Ballhalten einzulullen, doch im Konter näherte sich das ÖFB-Team einem Treffer an: Ein Linksschuss von Peter Zulj kam zu zentral auf Neuer (31.), dann konnte Florian Grillitsch den Keeper mit seinem Schuss aufs kurze Eck nicht überwinden - eine tolle Parade des Bayern-Torhüters bei seinem Comeback verhinderte den Ausgleich (32.). Nach einem Eckball blieben Schussversuche von Stefan Lainer und Sebastian Prödl erfolglos (36.). Und kurz vor dem Halbzeitpfiff stibitzte Schöpf der deutschen Abwehr den Ball, flankte aber etwas zu ungenau auf Arnautovic.


Starke zweite Halbzeit Österreichs

Das mutige Spiel, das Teamchef Franco Foda verlangt hatte, begann nach der Pause richtig zu greifen. Das konsequente Pressing schmeckte den Deutschen gar nicht. Aus einer dieser Aktionen kam David Alaba zum Abschluss, er setzte den Ball aber knapp drüber (51.). Nun war das rot-weiß-rote Team "on fire" - und ließ seine Fans jubeln: Eckball Alaba, aus dem Hintergrund schlich sich Martin Hinteregger heran und donnerte den Ball volley ins Tor - 1:1 nach 53 Minuten!
Das Tor setzte Kräfte frei, plötzlich lief der Ball, kamen die Chancen im Minutentakt und wirkte die DFB-Abwehr zeitweise völlig überfordert. Einen Traumpass von Alaba wollte Arnautovic über Neuer lupfen, doch der Weltklassetorhüter war mit einer überragenden Reaktion auf dem Posten (55.). Bei einem Schuss von der Strafraumgrenze hatte Zulj überraschend viel Platz, schloss aber zu ungenau ab und schoss daneben (66.). Das Führungstor zum 2:1 ging vom starken Julian Baumgartlinger aus. Seine weite Vorlage legte Lainer von der Toroutlinie zurück auf Schöpf, und der Schalke-Legionär überwand Neuer zum 2:1 (69.).


Bei den Deutschen war durch viele Wechsel der Rhythmus aus dem Spiel, trotzdem stemmte sich das Weltmeisterteam verzweifelt gegen die Niederlage. Der eingewechselte Mario Gomez scheiterte mit einem Volleyschuss (85.), bei dem er im letzten Moment geblockt wurde. Die nachfolgende Eckball-Hereingabe schoss Gomez an die Hand von Hinteregger, aber aus zu knapper Distanz für einen Elfmeter. Bange Minuten, in denen sich die Österreicher am Strafraum versammelten und mit allem verteidigten, was sie hatten - dann war es amtlich: Erster Sieg gegen Deutschland seit 1986.

Bemerkenswerte Serien

Sieben Siege in Folge gab es für das Nationalteam erst einmal, in den Jahren 1933/34. Und Franco Fodas Serie wird langsam unheimlich: In seinem fünften Spiel als Teamchef feierte er seinen fünften Sieg. Fortsetzung darf gern folgen - am 10. Juni wartet in Wien der fünffache Weltmeister Brasilien.

ÖFB-Teamchef Franco Foda sagte: "Es war auch ein Sieg für unsere Fans und natürlich für die Spieler. Es wurde Zeit, nach vielen Jahren wieder einmal gegen Deutschland zu gewinnen. Aufgrund der zweiten Hälfte war es auch ein verdienter Sieg. Wir waren da giftig, aggressiv, hatten super Balleroberungen. Wir haben da extrem nach vorne verteidigt, wie die Mannschaft da marschiert ist, das Tempo hochgehalten hat, das war fantastisch. Es ist unglaublich was meine Spieler heute geleistet haben."

Marko Arnautovic kommentierte knapp: "Wir haben immer gehört ,Cordoba, Cordoba, Cordoba'. Jetzt wird es ,Klagenfurt' heißen, wir haben Cordoba zur Ruhe gebracht. Der Schlüssel war, dass wir sie gut gepresst haben."

ÖFB-Kapitän Julian Baumgartlinger zeigte sich "sehr stolz auf die Mannschaft, die Fans, das Betreuterteam, einfach alle. Wir haben uns belohnt, das ist ganz toll. Ausschlaggebend war, dass wir es zweite Hälfte mehr wollten."

"Wenn wir so spielen, haben wir keine großen Chancen", analysierte ein merklich unzufriedener Bundestrainer Joachim Löw.

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