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Polens Teamchef Brzeczek hat im Sturm die Qual der Wahl

Als Österreichs Fußball-Nationalteam bei der WM-Qualifikationsauslosung Polen zugeschanzt bekam, war vielerorts die Freude groß. Allerdings könnte sich die Ansicht, den vermeintlich leichtesten Gegner aus Topf eins erwischt zu haben, noch als Trugschluss erweisen. Polens Teamchef Jerzy Brzeczek hat nämlich ein Problem, das ÖFB-Coach Franco Foda gerne hätte - ein Überangebot an Top-Stürmern.

Polen-Coach Jerzy Brzeczek hat ein Luxusproblem SN/APA (AFP)/JANEK SKARZYNSKI
Polen-Coach Jerzy Brzeczek hat ein Luxusproblem

Kapitän Robert Lewandowski hat als großer Star des Weltranglisten-20. - Österreich ist 23. - seinen Platz im Angriff fix. Wer neben dem Bayern-Goalgetter im zu erwartenden 4-4-2-System stürmt, ist noch offen. Die beiden Anwärter sind hochkarätig.

Krzystof Piatek etwa liegt mit 19 Treffern auf Platz zwei der Serie-A-Torschützenliste. Im vergangenen Jänner zahlte AC Milan 35 Millionen Euro an Genoa für den 23-Jährigen, mit dem die Mailänder erst ein einziges Spiel verloren - das Derby am Sonntag gegen Inter. Milans "Piatek-Bilanz" steht bei sechs Siegen, drei Unentschieden und einer Niederlage, bereits acht Tore erzielte der Pole für seinen neuen Club.

Nicht minder beeindruckend liest sich die Bilanz von Arkadiusz Milik, den Napoli im Sommer 2016 um 32 Millionen Euro von Ajax Amsterdam verpflichtete. Der 25-Jährige schaffte in 25 Serie-A-Saisoneinsätzen 15 Tore und traf zuletzt auch in beiden Partien gegen Red Bull Salzburg im Achtelfinale der Europa League. In seiner Zeit bei den Süditalienern erlitt Milik bereits zwei schwere Knieverletzungen, mittlerweile ist er aber seit einem Jahr ohne gröbere Blessur.

Während Polens Angreifer fast nach Belieben treffen, herrscht bei den ÖFB-Stürmern ziemliche Flaute. Michael Gregoritsch hält bei drei, Karim Onisiwo bei vier Liga-Toren in dieser Spielzeit. Marc Janko hat in der Schweizer Liga noch gar nicht gescort, Marko Arnautovic schaffte sieben Premier-League-Treffer - der letzte liegt aber schon zweieinhalb Monate zurück.

Weit weniger deutlich ist der Klassenunterschied in der Abwehr, wo Innenverteidiger Jan Bednarek das Sagen hat. Der 22-Jährige stand im vergangenen Herbst bei Southampton auf dem Abstellgleis, seit dem Amtsantritt von Ralph Hasenhüttl ist er aber ein Fixpunkt bei den "Saints".

Im Mittelfeld ziehen Grzegorz Krychowiak von Lok Moskau und Piotr Zielinski von Napoli die Fäden, auf dem rechten Flügel wird Jakub Blaszczykowski erwartet. Der 33-jährige frühere Dortmund-Star spielt seit diesem Winter um ein symbolisches Gehalt für seinen Herzensverein Wisla Krakau, den er mit einer Finanzspritze vor dem Bankrott bewahrte.

Blaszczykowskis Einberufung wurde von der polnischen Öffentlichkeit kritisch beäugt, weil er sich seit längerem nicht mehr auf Top-Niveau befindet und ein Naheverhältnis zu Brzeczek hat. Der Teamchef ist sein Onkel, beide wurden vor 23 Jahren durch eine Tragödie eng zusammengeschweißt. Als Zehnjähriger wurde Blaszczykowski Zeuge, wie sein Vater seine Mutter - Brzeczeks Schwester - erstach. Der langjährige Profi in der österreichischen Bundesliga kümmerte sich danach intensiv um seinen traumatisierten Neffen und stand ihm auch in fußballerischen Angelegenheiten stets zur Seite.

Quelle: APA

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