Nationalteam

Sabitzer: "Wir sind nur Puppen in diesem Spiel"

Marcel Sabitzer kritisiert den Corona-Spielplan. Österreichs Topspieler kehren ins Team zurück, nur der Senkrechtstarter sitzt in Quarantäne.

Jene österreichische Fußballnationalmannschaft, die am Mittwoch im Test gegen Luxemburg durch zwei späte Tore von Adrian Grbic und Philipp Wiesinger nach schwacher Leistung doch noch mit 3:0 gewann, wird es in dieser personellen Zusammensetzung nie wieder geben. Aus der zweiten Garnitur von Teamchef Franco Foda konnte keiner gegen den biederen Außenseiter entscheidende Akzente setzen. Am Sonntag in der Nations League gegen Nordirland kehren viele Stammspieler um David Alaba, Stefan Lainer, Xaver Schlager, Andreas Ulmer und Co. zurück ins Team. Nur Saisonaufsteiger Christoph Baumgartner wird fehlen.

Einen torgefährlichen, dynamischen Offensivspieler wie Baumgartner hätten die Österreicher gegen Luxemburg dringend benötigt. Es war phasenweise schon erschreckend, wie schwer sich die ÖFB-Auswahl ohne ihre Topspieler tat, um selbst gegen eine zweite Garnitur des vermeintlichen Fußballzwergs Chancen herauszuspielen.

Aber Baumgartner wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch in den entscheidenden Spielen der Nations League gegen Nordirland am Sonntag und am Mittwoch gegen Norwegen nicht zur Verfügung stehen. Das Coronavirus hat nämlich beim Club des 21-jährigen Jungstars, Hoffenheim, mit zahlreichen Fällen zugeschlagen. Baumgartner ist zwar nicht unter den positiv Getesteten, aber die gesamte Mannschaft wurde unter Quarantäne gestellt. Wie lange diese dauert, war am Donnerstag noch offen. Ein Ausfall des 21-Jährigen trifft das ÖFB-Team hart. Denn auf den Seiten hat Foda nicht viele Alternativen. "Christoph hat unser Spiel zuletzt belebt durch seine Art, wie er Fußball spielt, durch seine Dynamik, durch seinen Tiefgang", sagte Foda.

Von den 17 am Mittwoch gegen Luxemburg eingesetzten Spielern werden nur drei am Sonntag auch mit Sicherheit dabei sein: die Abwehrspieler Martin Hinteregger und Aleksandar Dragovic und Kapitän Julian Baumgartlinger.

Dass er auf Baumgartner in den letzten beiden Spielen der Nations League, in denen es um den Gruppensieg und den damit verbundenen Aufstieg in die Topliga geht, verzichten muss, damit hat sich Foda schon abgefunden. Auf das Improvisieren infolge von Coronabestimmungen ist der Teamchef mittlerweile eingestellt. "Ich habe schon vor ein paar Wochen gesagt, dass uns das weiter verfolgen wird, dass es wahrscheinlich eher noch schlimmer wird. Genau das ist eingetreten", sagte Foda.

Sollte Baumgartner ausfallen, wäre ein Einsatz von Marko Arnautovic umso wichtiger. Der China-Legionär wird am Samstag in Wien erwartet. Hält der Reiseplan, könnte er noch rechtzeitig getestet werden, um im Nations-League-Match am Sonntag gegen Nordirland bereits zur Verfügung zu stehen. Für das Finalspiel um Gruppenplatz eins am Mittwoch gegen Norwegen sollte Arnautovic aber auf alle Fälle einsatzbereit sein.

Über den Sinn von Länderspielen in der angespannten Coronasituation macht sich indes Marcel Sabitzer Gedanken. Der Leipzig-Legionär fand deutliche Worte: "Wir Fußballer sind nur Puppen, die ausführen müssen", sagte er. Sprich: Die Akteure auf dem Rasen hätten nichts mitzureden. Sie müssten ausführen, was die Verbandsbosse und Sponsoren vorgeben. Bekanntlich waren die ungeliebten Testspiele aus finanziellen Gründen ins bereits dicht gedrängte Herbstprogramm gepresst worden. Sabitzer führte weiter aus: "Wenn man sich die gesellschaftliche Lage anschaut, ist es fragwürdig, dass Leute aus vielen Ländern herumreisen. Das ist zu hinterfragen. Ich hätte erwartet, dass man - so wie die Situation jetzt ist - diese Länderspielphase ausfallen lässt."

Indes kennt das ÖFB-Team nun seinen dritten EM-Gruppengegner. Neben Niederlande und Ukraine wartet bei der Endrunde 2021 zum Auftakt am 13. Juni Nordmazedonien. Die Balkan-Kicker holten sich das Endrunden-Ticket am Donnerstag dank eines 1:0 im Play-off-Finale in Georgien. Alaba und Co. trafen bereits in der Qualifikation auf den EM-Debütanten und siegten mit 4:1 auswärts und 2:1 daheim. Es war die bisher letzte Niederlage der nun sieben Spiele ungeschlagenen Nordmazedonier.

Aufgerufen am 21.01.2021 um 04:31 auf https://www.sn.at/sport/fussball/nationalteam/sabitzer-wir-sind-nur-puppen-in-diesem-spiel-95543737

Kommentare

Schlagzeilen