Nationalteam

Teamchef Foda ist nicht allein schuld am Scheitern

Um international mithalten zu können, braucht es im ÖFB-Team mehr als einen Trainerwechsel.

Franco Foda steht wohl vor seinem Abschied als Teamchef. SN/APA/ROBERT JAEGER
Franco Foda steht wohl vor seinem Abschied als Teamchef.

Dem österreichischen Fußball-Nationalteam bleibt nach der 1:2-Pleite in Wales auch bei der WM in Katar nur die Zuschauerrolle. Damit verlängert sich die Durststrecke um weitere vier Jahre: Vor 24 Jahren konnte sich ein ÖFB-Team zum letzten Mal für eine globale Endrunde qualifizieren. Für viele Experten und Fans ist Teamchef Franco Foda der Hauptschuldige für das bittere Scheitern. Sie fordern seine Ablösung. Der Vertrag des Deutschen läuft Ende März aus und so könnte das bedeutungslose Testspiel am Dienstag gegen Schottland (Wien, 20.45 Uhr) sein letztes Länderspiel sein. Obwohl ÖFB-Präsident Gerhard Milletich und Sportdirektor Peter Schöttel nicht ausschließen, dass der Vertrag Fodas noch einmal verlängert wird, ist stark davon auszugehen, dass beim Start der Nations League Anfang Juni ein neuer Trainer an der Seitenlinie stehen wird. Die Schuld nur bei Foda zu suchen greift aber viel zu kurz. Das Nationalteam und damit auch der ÖFB hat sicher auch andere Baustellen, die behoben werden müssen, um international den Anschluss nicht zu verlieren.

Teamchef: Sportdirektor Schöttel will im April bekannt geben, wer in Zukunft das ÖFB-Team betreuen wird. Erste Sondierungsgespräche soll es bereits gegeben haben. Topkandidat dürfte wohl Peter Stöger, der nach seinem Aus beim ungarischen Topclub Ferencváros Budapest derzeit ohne Job ist, sein. "Ich werde mit mehreren Trainern sprechen. Auch mit Franco Foda", betont Schöttel, der von ÖFB-Präsident Gerhard Milletich den Auftrag bekommen hat, in den nächsten Wochen eine Trainerentscheidung zu treffen.

ÖFB-Stars: Während Wales-Star Gareth Bale sein Land mit einem Doppelpack im Alleingang ins Play-off-Finale schoss, konnten die ÖFB-Stars David Alaba und Marko Arnautovic nicht die erhofften Akzente setzen. Vor allem Arnautovic, der vor dem Spiel noch große Taten ankündigte, war ein Schatten seiner selbst. Ob der 32-jährige Stürmer seine Teamkarriere fortsetzen wird, ließ er nach der Niederlage offen.

Bleibt zu hoffen, dass Alaba in Zukunft auch einmal seine Real-Leistungen im Nationalteam zeigt. Auch in Sachen Teamführung soll sich Österreichs Kapitän, der wie Xaver Schlager am Freitag aus dem Teamcamp abreiste, ein Beispiel an seinem Real-Kollegen Bale nehmen. Wales trat als verschworene Einheit auf, wo jeder für jeden bis zur letzten Minute kämpfte. Diese Tugenden sieht man beim ÖFB-Team leider nur selten.

Youngsters: Jetzt wäre der ideale Zeitpunkt, um so manchen Routinier durch junge und hungrige Spieler zu ersetzen. Nicolas Seiwald, Sasa Kalajdzic, Marco Grüll oder Patrick Wimmer, der noch auf seine erste Einberufung wartet, drängen sich durch starke Leistungen für regelmäßige Einsätze im Nationalteam auf. Zusammen mit den schon routinierteren Spielern wie Konrad Laimer, Stefan Lainer oder Martin Hinteregger könnte der neue Teamchef in der Nations League eine Truppe formen, die uns viel Freude bereiten könnte.

Sportliche Führung: Stark hinterfragt werden muss auch Sportdirektor Peter Schöttel. Unter seiner Führung stagniert nicht nur das A-Team, sondern auch die Nachwuchsmannschaften des ÖFB. Von modernen Arbeitsweisen, die in anderen Ländern vor Jahren Einzug gehalten haben, ist man beim ÖFB unter Schöttel meilenweit entfernt. Trotzdem hält ihm Milletich weiterhin die Treue, was bei vielen Experten und Fans für Kopfschütteln sorgt. Die Frage ist, ob aus Überzeugung oder wegen fehlender Alternativen.

Verband: Dass der neue ÖFB-Präsident Milletich den Verband nicht reformieren wird, war bereits bei seiner Wahl klar. Dass der Burgenländer aber überhaupt nicht gewillt ist, frischen Wind in den Verband und in weiterer Folge in das Nationalteam zu bringen, ist enttäuschend. Schöttel darf, wie bereits erwähnt, weiterwursteln. Und auf einmal ist auch eine Vertragsverlängerung Fodas, der noch vor wenigen Monaten kurz vor seinem Rauswurf stand, nicht mehr unrealistisch. Bei einem starken Präsidenten würde es so einen Zickzackkurs nicht geben.

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