Fußball

Rapid hinkt nach Derby-Enttäuschung weiter hinterher

Der SK Rapid bleibt im Rennen um die Europacup-Startplätze im Hintertreffen. Das nicht unbedingt als Fußball-Leckerbissen in die Annalen eingegangene 320. große Wiener Derby bescherte den Grünweißen zum Frühjahresauftakt den nächsten Tiefschlag. Die Austria bejubelte am Sonntagnachmittag den Ausgleich zum 1:1-Endstand in der 94. Minute. Damir Canadi fand dies an der Seitenlinie zum Haareraufen.

Damir Canadi war sauer ob des Ausgleiches.  SN/APA/HANS PUNZ
Damir Canadi war sauer ob des Ausgleiches.

Rapids Coach sprach nach dem Tor von Lukas Rotpuller zum Endstand von einem "Lucky-Punch-Ball" und ärgerte sich über die von Schiedsrichter Manuel Schüttengruber verhängte fünfminütige Nachspielzeit. Auch die Gelb-Rote Karte gegen Joelinton beklagte Canadi als überhart. Mit dem Ausschluss des Brasilianers in der 66. Minute kippte das Spielgeschehen völlig zugunsten der gegen Rapids Fünferkette zuvor vergeblich anrennenden Austria.

Stefan Schwab sprach von "Dummheiten", die sein Team um den Sieg gebracht hätten. "Es tut weh, das hätte uns in der Tabelle sehr geholfen", meinte Rapids Kapitän, der im Derby sein Comeback nach vier Monaten Verletzungspause feierte. 15 Runden vor Saisonende bleibt der als Titelkandidat gestartete Rekordmeister als Fünfter auf Distanz zu den vorderen Plätzen. Bei elf Zählern Rückstand auf Platz drei ist der Sprung in den Europacup nur noch über den ÖFB-Cup realistisch.

Canadi lobte seine Mannschaft, sie habe "alles in die Waagschale" geworfen und nach der Roten Karte viel investiert. "Die Austria hat bis dahin keine Chancen kreieren können", betonte der Wiener, der Austrias Raphael Holzhauser "zustellen" ließ. Giorgi Kvilitaia stand dem Spielgestalter bei violettem Ballbesitz stets zur Seite. Jedoch blieb auch festzuhalten, dass Rapid bis auf den Führungstreffer des Georgiers (55.) keinen Schuss auf das Austria-Tor zustande brachte. 3:1 zugunsten der Austria lautete die diesbezügliche Bilanz mit Schlusspfiff.

"Wir haben spielerisch mehr drauf, aber das kommt mit Erfolgen und Selbstvertrauen", betonte Canadi. An Selbstvertrauen reicher waren die Rapidler aber auch nach dem Spiel nicht. "Natürlich wollten wir einen Sieg, natürlich ist das ein Dämpfer. Aber es geht nächste Woche weiter", erklärte Torhüter Tobias Knoflach mit Blick auf den ersten Heimauftritt im neuen Jahr gegen die Admira. Der 23-Jährige hütete nicht nur aufgrund der Verletzung von Richard Strebinger das Gehäuse. Knoflach geht als neue Nummer eins der Hütteldorfer ins Frühjahr, Canadi bescheinigte ihm "hohes Talent".

Im Lager des Erzrivalen herrschte nach dem ersten Punktgewinn in einem "Heimderby" nach zuletzt drei herben Niederlagen en suite naturgemäß bessere Stimmung. Lukas Rotpuller, von den violetten Fans bereits davor liebevoll zum "Fußballgott" geadelt, bescherte dem Tabellenvierten mit einer der letzten Aktionen den Ausgleich. Der Innenverteidiger war wie Nebenmann Petar Filipovic zu diesem Zeitpunkt weit aufgerückt. Die Brechstangen-Offensive wurde schlussendlich doch noch belohnt.

Trainer Thorsten Fink war dennoch nicht überglücklich: "Wir haben das Minimalziel erreicht. Normal können wir besser Fußball spielen", sagte der Deutsche. Dass Rapid mit der weitgehend geglückten Neutralisierung von Holzhauser eine Blaupause für künftige Kontrahenten geliefert habe, wollte Fink nicht überbewerten: "Rapid ist nicht die erste Mannschaft, die das versucht hat." Dass seine Elf Probleme im Spiel nach vorne hatte, war dennoch augenscheinlich.

Vor allem Rotpuller äußerte sich zum schleppenden Spielaufbau kritisch. "Wir haben nicht immer die guten Lösungen gefunden. Aber wir müssen daraus lernen und mit dem Punkt halbwegs zufrieden sein", sagte der Defensivmann, der nach seinem erstes Saisontor in der Liga kaum zu halten war. "Wenn man so spät den Ausgleich macht, dann fällt dir ein Stein vom Herzen. Ich war voller Emotionen." In der Europa League war Rotpuller im Herbst zweifacher Torschütze, beide Male verlor die Austria danach.

Für die Violetten geht es in der Meisterschaft nun Schlag auf Schlag weiter. Kommenden Samstag wartet auswärts der Dritte Sturm Graz, die Woche darauf gastiert der Zweite Altach im Happel-Stadion. Holzhauser unterstrich den Charakter der Partien: "Jetzt warten zwei direkte Gegner um die oberen Plätze. Danach wird man sehen, wo die Reise hingeht."

Quelle: APA

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