Fußball

Rapid kassierte 0:2-Niederlage im Wiener Derby

Ausgerechnet im 319. Wiener Fußball-Derby hat Rapid die erste Bundesliga-Heimniederlage im Allianz Stadion kassiert. Die Grün-Weißen mussten sich am Sonntag der Austria 0:2 (0:1) geschlagen geben und verloren zudem Stefan Schwab und Stephan Auer wegen Verletzungen. Überschattet wurde das Spiel von Fan-Ausschreitungen.

Rapid kassierte 0:2-Niederlage im Wiener Derby SN/APA/HERBERT P. OCZERET

Bereits vor dem Match kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen "Anhängern" Fans in der Quellenstraßen in Favoriten, die die Einsatzkräfte durch ihr Eingreifen aber schnell beenden konnte. Beim Zugang zum Stadion zündeten dann Austrianer zahlreiche pyrotechnische Gegenstände und attackierten die Einsatzkräfte. Und schließlich warfen Fans im Gästesektor auch noch mit Stadionsesseln, dabei dürfte es mehrere Verletzte gegeben haben, gab die Polizei bekannt. Während der Partie zündeten im Stadion Anhänger beider Clubs immer wieder pyrotechnischen Gegenstände. Der Abstrom nach dem Match verlief ohne nennenswerte Vorfälle.

Raphael Holzhauser (37. Minute), der trotz einer Bänderverletzung im Knöchel das Vertrauen von Austria-Coach Thorsten Fink bekam, brachte die Violetten mit einem souverän verwandelten Elfmeter in Führung. Vorausgegangen war ein umstrittener Pfiff von Schiedsrichter Harald Lechner, der ein Foulvergehen von Mario Sonnleitner an Alexander Grünwald gesehen hatte.

Der Rekordmeister war in der ersten Hälfte das klar bessere Team und vergab zahlreiche Torchancen. Nach dem 2:0 durch Grünwald (48.), bei dem die ersatzgeschwächte Rapid-Defensive regelrecht vorgeführt wurde, erfing sich die Truppe von Trainer Mike Büskens jedoch nicht mehr. Die viertplatzierte Austria, die im fünften Pflichtspiel en suite ungeschlagen blieb, brachte den Vorsprung über die Zeit. Es war der erste Derby-Erfolg seit 25. Oktober 2015 (2:1), also seit fast exakt einem Jahr.

In der Tabelle verringerten die "Veilchen" den Rückstand auf Tabellenführer Sturm Graz auf sieben Zähler. Rapid, das die vergangenen drei Derbys gewonnen hatte, hat als Fünfter zwölf Punkte weniger auf dem Konto als die Steirer. Die Niederlage war Rapids sechste Partie in Folge in Meisterschaft und Europa League ohne Sieg.

Die Hausherren begannen mit einer fast komplett erneuerten Abwehr. Sonnleitner und Maximilian Hofmann bildeten anstelle der verletzten Christopher Dibon und Christoph Schößwendter die Abwehrzentrale. Für Sonnleitner war es der erste Einsatz in einem Pflichtspiel in dieser Saison. Schößwendter, bei dem eine Bänderverletzung im Sprunggelenk diagnostiziert worden war, saß überraschend auf der Bank. Links übernahm Auer für Thomas Schrammel, dem am Donnerstag gegen Sassuolo ein Eigentor unterlaufen war.

Fink wartete mit zwei Änderungen gegenüber dem 3:3 in der Europa League gegen AS Roma auf: Statt des verletzten Robert Almer stand Osman Hadzikic im Tor, in der Innenverteidigung nahm der in Rom gesperrte Lukas Rotpuller anstelle von Patrizio Stronati Aufstellung.

Nach einer ersten gefährlichen Situation im Rapid-Strafraum bei einem Kayode-Stanglpass (3.) übernahmen die Hütteldorfer in der ausverkauften Heimstätte allmählich das Kommando. Im Angriff fehlte es vorerst an Dynamik. Ein Fernschuss von Joelinton (15.) war nicht mehr als ein erstes Lebenszeichen.

Konkreter wurden die Grün-Weißen in der 30. Minute. Zunächst setzte Arnor Ingvi Traustason Joelinton mit einem Heber in Szene, dessen Schuss fiel aber harmlos aus. Zwei Minuten später wurde der Brasilianer von Christoph Martschinko entscheidend beim Kopfball gestört. Der Ex-Austrianer Thomas Murg (34.) verzog daraufhin im Strafraum, Louis Schaub (35.) kam nach weiter Murg-Vorlage nicht an den Ball.

In diese stärkste Phase der Rapidler fiel der Gegenstoß, der zur Austria-Führung führte. Grünwald ging mit weit gesenktem Kopf zum Ball, diesen traf auch Sonnleitner, wie die TV-Bilder belegten. Lechner entschied sofort auf Strafstoß.

Die größte Rapid-Chance ließ in der 43. Minute Schaub nach Joelinton-Pass aus. Mit dem rechten Fuß scheiterte er an Hadzikic. Beim Nachschuss verletzte sich Kapitän Schwab und wurde noch vor dem Pausenpfiff durch Tamas Szanto ersetzt. Auer knickte zu Beginn der zweiten Hälfte um und musste ebenfalls vom Feld.

Totale Unordnung in der Rapid-Heimmannschaft forderte das zweite Tor geradezu heraus. Sonnleitner musste sich nach einem missglückten Abschlag von Torhüter Richard Strebinger alleine um Kayode kümmern, Grünwald stand in der Mitte völlig frei und schob zu seinem fünften Saisontor ein. Anschließend rettete Strebinger mit dem Fuß gegen Felipe Pires (50.).

Rapid gab sich nicht auf, scheiterte aber vor dem Tor weiter kläglich. Sonnleitner jagte einen Schuss (73.) von der Strafraummitte über das Tor, und nach einem Stangentreffer von Szanto setzte Schaub den Abpraller völlig unbedrängt neben das Gehäuse. In der Nachspielzeit rettete Hadzikic gegen Hofmann.

Bei der Austria war in der 66. Minute Rom-Held Dominik Prokop für Holzhauser gekommen, dem seine Verletzung offenbar doch schwerer zu schaffen machte. Er durfte mithelfen, den 60. Austria-Sieg in einem Bundesliga-Derby über die Zeit zu bringen.

Quelle: APA

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