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Red Bull Salzburg: Das Resultat überdeckt viele Probleme

Red Bull Salzburg hat in der Champions-League-Qualifikation gegen Partizani Tirana zwar gewonnen, die Mannschaft gleicht nach einem insgesamt erschreckend schwachen Auftritt aber einer Großbaustelle.

Red Bull Salzburg: Das Resultat überdeckt viele Probleme SN/apa
Salzburg-Trainer Óscar García und sein Team konnten in dieser Saison noch nicht überzeugen.

Salzburgs Trainer Óscar García schaute beim Rückflug aus Tirana nicht gerade glücklich drein. Überhaupt war die Stimmung im Team des österreichischen Fußballmeisters trotz des 1:0-Auswärtssiegs gegen Albaniens Vizemeister FK Partizani am Mittwoch eher gedämpft. Die in der Offensive ganz schwache Leistung am Vorabend hat ihre Spuren hinterlassen. "Das war sehr zäh", brachte es Salzburgs Sportchef Christoph Freund auf den Punkt. Das durchaus positive Resultat im Hinblick auf das Rückspiel am nächsten Mittwoch (20.30 Uhr) überdeckt bei Red Bull Salzburg aber mehrere Probleme.

Offensive

Ein einziger Schuss aufs Tor in 90 Spielminuten und der aus einem Elfmeter - da wird deutlich, dass in der Offensivabteilung aktuell wenig bis gar nichts zusammenläuft. Kapitän Jonatan Soriano, wegen einer Knöchelprellung für Samstag gegen Wolfsberg fraglich, ist als Mittelstürmer abgemeldet, bekommt kaum brauchbare Vorlagen. Von den Flügeln Munas Dabbur und Valentino Lazaro ging gegen Partizani keine Gefahr aus. Genauso wenig wie von Bernardo aus dem Mittelfeld. Der Youngster kann als Spielgestalter offensiv noch nicht die Fäden ziehen. Bullen-Trainer Óscar García meinte zur mangelnden Passqualität: "Wir sind nicht Barcelona, Bayern oder Real Madrid. Wir haben eine gewisse Qualität, aber natürlich können wir uns auch hier verbessern." Das mag stimmen, aber auch der Gegner war nicht ein europäischer Topclub, sondern der biedere albanische Vizemeister. Und gegen diesen sollten die Bullen schon in der Lage sein, zumindest eine Torchance herauszuspielen.

System

Seit Saisonbeginn setzt Red Bull Salzburg auf ein 4-3-3-System, doch mit jedem Spiel wächst der Eindruck, dass Dabbur kein Flügel-, sondern ein Mittelstürmer ist und auch Soriano mit seiner Rolle unzufrieden scheint. Auch Valentino Lazaro kommt in dieser Saison über eine Mitläuferrolle auf der rechten Seite nicht hinaus.

Dazu ist das Dreier-Mittelfeld spielerisch schlichtweg zu schwach, kann keine Akzente setzen. Immer wieder öffnen sich für die Gegner zu viele Räume, auch weil in der Vorwärtsbewegung Fehlpässe zu Ballverlusten führen. Laut Freund ist das System nicht in Stein gemeißelt und auch der Trainer betonte vor der Saison, dass er mit diesem breiten Kader die Möglichkeit habe, Spielsysteme zu verändern. Nach dem Auftritt in Albanien meinte Óscar García dazu nur: "Es ist immer schwierig, auswärts zu gewinnen und Chancen zu kreieren. Partizani hat gute Spieler im Kader, war auch sehr gut organisiert. Im Rückspiel erwarte ich deshalb ein ähnlich schwieriges Match." Und dennoch lebt die Chance, die Gruppenphase der Champions League zu erreichen. Weil es Óscar García geschafft hat, dass die Bullen nicht mehr ohne Rückversicherung naiv ins Verderben stürmen. In den vergangenen drei Jahren scheiterte Salzburg trotz vieler guter Möglichkeiten und einem attraktiven Fußball in der Qualifikation. 2016 fehlte bisher jegliche Attraktivität, aber auch ein auf Ergebnis orientiertes Spiel kann zum Erfolg führen.

Neuzugänge

Wanderson ist noch nicht spielberechtigt, Dabbur benötigt offensichtlich noch viel Zeit, ins Team zu wachsen. Fredrik Gulbrandsen, Stefan Stangl und Marc Rzatkowski haben Óscar García bisher nicht überzeugen können, sonst würden sie ja in der Startelf stehen. Dafür kam in einem internationalen Spiel wieder einmal ein Youngster überraschend zum Zug. Europacup-Debütant Diadie Samassekou machte dann wie in den vergangenen Jahren Atanga, Oberlin und Co. eine überaus unglückliche Figur. Der 20-jährige Mittelfeldspieler musste nach zwei Gelben Karten innerhalb von nur drei Minuten vom Feld und zeigte sich darüber sehr erstaunt. Aus gutem Grund: Er hatte die erste erhaltene Gelbe Karte gar nicht mitbekommen, was später auch Óscar García bestätigte. Auch das passt zur aktuellen Lage der Bullen.

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