Red Bull Salzburg

Franz Schiemer: "Da kommt wieder der Kämpfer durch"

Der langjährige Salzburg-Profi Franz Schiemer wurde bei der SV Ried zum jüngsten Sportdirektor der österreichischen Bundesliga-Geschichte bestellt. Seine Ziele sind deshalb nicht minder ambitioniert, wie er im SN-Interview betonte.

Franz Schiemer, 30, trat am Montag die Arbeit bei der SV Ried an. SN/GEPA pictures
Franz Schiemer, 30, trat am Montag die Arbeit bei der SV Ried an.

Franz Schiemer ist fünffacher österreichischer Meister und gewann fünf Mal den ÖFB-Cup. Als Spieler eilte ihm der Ruf eines Musterprofis voraus. Er schenkte weder seinen Gegnern noch sich selbst etwas. Mit diesen Tugenden will der 30-jährige Innviertler auch in seiner neuen Position als Sportdirektor der SV Ried durchstarten. Und wie es der Zufall so will, trifft Schiemer am Sonntag (16.30 Uhr) gleich auf seinen Ex-Club Red Bull Salzburg.
Bei Ihrer offiziellen Präsentation am Montag in Ried mussten Sie sich vor allem für Ihr Alter rechtfertigen. Ärgert Sie das?
Schiemer: Nein. Es war auch irgendwie logisch, denn so jung war, soweit ich mich erinnern kann, in der Bundesliga noch nie jemand in so einer verantwortungsvollen Position. Ich sehe das jedoch anders: Ich habe meine Profikarriere sehr früh beendet, bin früh ins Trainergeschäft eingestiegen und bin nun auch hier früh dran. Ich denke, ich habe als Spieler und später als Trainer viel mitnehmen können und werde davon als Sportdirektor der SV Ried profitieren. Und zudem glaube ich, dass für diese Position einige Dinge ausschlaggebender sind als das Alter, etwa Zielstrebigkeit, Ehrgeiz und Engagement.
Sie haben auch schon angekündigt, Sie wüssten, wie moderner Fußball auszusehen hat. Was wird sich bei der SV Ried ändern?
Ich will mich in den Spielstil der Mannschaft und in der grundsätzlichen sportlichen Ausrichtung des Vereins einbringen. Wie gesagt, ich war zuletzt Trainer und möchte mein Know-how hier nutzen. Ich habe ein genaues Bild im Kopf, wie der Fußball aussehen sollte, aber man muss auch vorsichtig sein: Sofort alles umzustellen ist nicht zielführend.
Wie sieht der Schiemer-Fußball aus?
Attraktiv, aggressiv und schon ein wenig in diese Richtung, wie ich ihn in Salzburg erlebt und erlernt habe. Jedenfalls glaube ich, dass es für einen Verein sehr wichtig ist, dass es eine klare Vorgabe gibt, welchen Fußball man spielen will. Ich hatte diesbezüglich mit unserem Cheftrainer Christian Benbennek ein sehr gutes Gespräch und bin von einer guten Zusammenarbeit überzeugt. Auch über diese Bundesliga-Saison hinaus.
Am Sonntag steht in Ihrem ersten Match als Rieder Sportdirektor gleich das Duell mit Ihrem Ex-Club Red Bull Salzburg an. Nervös?
Eine gewisse Anspannung ist da, aber die hatte ich auch als Co-Trainer des FC Liefering. Mit der Nervosität eines Spielers ist das dennoch nicht vergleichbar. Das ist noch einmal eine ganz andere Kragenweite, wenn man verantwortlich ist, was unten auf dem Platz passiert.
Wie kann Ried, ein Abstiegskandidat, gegen Salzburg, den Serienmeister, gewinnen?
Salzburg ist sehr gut in die Frühjahrssaison gestartet. Keine Frage, das wird extrem schwierig. Aber ich werde versuchen, dem Trainer und der Mannschaft viele gute Tipps zu geben. Ich weiß, welche Ideen Red Bull Salzburg hat und was hinter den Kulissen passiert.
Ihre Bestellung zum Sportdirektor könnte doch auch hilfreich sein, neue Synergien zu schaffen. Hoffen Sie auf eine Zusammenarbeit mit Salzburg, etwa bei Spielertransfers?
Ich will es so sagen: Klar ist das ein Vorteil, wenn man einen sehr guten Austausch hat. Ich habe Red Bull Salzburg viel zu verdanken, kenne und schätze die Leute dort. Da gibt es mit Sicherheit einige Schnittstellen, aus denen heraus Synergien entstehen können. Sie waren rund zehn Jahre Profi, danach TV-Analytiker und zuletzt Trainer. Ist es als Sportdirektor ein Vorteil, den Fußball von allen Blickwinkeln zu kennen?
Davon bin ich überzeugt. Es war interessant, Fußball auch von der anderen Seite zu sehen. Ich habe davon extrem profitiert. Ohne philosophisch zu werden, aber das ist doch der Sinn des Lebens: dass man sich immer weiterentwickelt, nie stehen bleibt. Das ist manchmal zwar sehr fordernd, macht aber auch sehr viel Spaß.
Wer hat Sie in Ihren "Lehrjahren" besonders geprägt?
Das ist kein Geheimnis: Das waren Roger Schmidt und Ralf Rangnick. Als sie 2012 zu Red Bull Salzburg kamen, habe ich eine neue Sportart gelernt. Und seitdem weiß ich auch, dass man wahnsinnig erfolgreich sein kann, wenn ein System greift. Wenn nicht ein Spieler, sondern das Gefüge im Vordergrund steht. Mit welcher Konsequenz Rangnick damals seine Idee von Fußball eingebracht hat, das hat mich sehr beeindruckt und letztlich auch geprägt.
Zum Abschluss noch einmal zurück zu unserer Einstiegsfrage: Die Ablöse Ihres Vorgängers Stefan Reiter und Ihre Verpflichtung wurden von lokalen Medien teils heftig kritisiert. Wie gehen Sie damit um?
Nach so vielen Jahren im Profifußball kann ich damit ganz gut umgehen. Öffentliche Kritik belastet und beeinflusst dich vielleicht als jungen Spieler, heute spornt es mich - unter dem Motto: "Denen zeig' ich es" - eher an. Da kommt wieder der Kämpfer durch.

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