Fußball

Reinhold Yabo: "Ich mag keine Fußballer-Klischees"

Reinhold Yabo wurde zum ungewöhnlichsten Fußballprofi Deutschlands erklärt. Jetzt will er auch in Salzburg durchstarten. Ein SN-Interview, noch ehe er nach langer Verletzungspause zum ersten Mal im Kader von Red Bull Salzburg steht.

Reinhold Yabo: "Ich mag keine Fußballer-Klischees" SN/imago sportfotodienst
Reinhold Yabo, genannt Ray.

Seit über einem Jahr ist er Spieler von Red Bull Salzburg und noch immer hat Reinhold "Ray" Yabo kein einziges Pflichtspiel für die Bullen absolviert. Nach zwei Knieoperationen und einer emotionalen Achterbahnfahrt kündigt sich jetzt aber ein Comeback an. Yabo, der im Sommer 2015 vom Karlsruher SC kam und sich gleich in einer der ersten Trainingseinheiten verletzte, steht im heutigen ÖFB-Cup-Spiel beim SC Mannsdorf zum ersten Mal im Kader der Salzburger. "Ein Meilenstein", sagt der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler im SN-Interview.

SN: Wie fühlt es sich an, mit den Teamkollegen wieder auf dem Trainingsplatz zu stehen?
Yabo: Eigentlich ist das ja eine einfache Frage, aber sie ist gar nicht so leicht zu beantworten. Mit einem Wort würde ich sagen: unglaublich.

SN: Sie waren im Verein über ein Jahr als Verletzter geführt. Was war im Knie alles kaputt?
Es war eine "tricky" Situation, weil man nicht sofort feststellen konnte, was die Ursache war. War es die Schleimhautfalte? Oder doch der Knorpel? Jedenfalls hatte ich höllische Schmerzen. Nach der ersten Operation ging es mir besser, aber dann hat die Regeneration stagniert. Da war klar, dass irgendetwas nicht stimmt. Ich wollte es nicht wahrhaben, dass es nicht mehr vorwärtsging, aber es blieb mir nichts anderes übrig als eine zweite OP. Die war wesentlicher schlimmer, weil ich danach an die Couch gefesselt war und mein Bein zwei Monate komplett entlasten musste.

SN: Wie schwierig ist es auch emotional, damit umzugehen? Immerhin kamen Sie als Fanliebling aus Karlsruhe und sind irgendwie nie richtig in Salzburg angekommen.
Das war absolut schwierig. Es traf mich ja völlig unvorbereitet. Man kommt mit gewissen Zielen, Visionen hierher und mit einem Moment ist alles anders. Das war auch mental sehr herausfordernd.

SN: Sie meinten in einem Fanvideo auf Ihrer Facebook-Seite, Sie hätten in dieser Zeit sehr viel reflektiert. Mit welchem Ergebnis?
Das würde vermutlich den Rahmen dieses Interviews sprengen. Was ich sagen kann: Es gibt Dinge, unerwartete Dinge, die geschehen - und dennoch geht das Leben weiter, auch in diesen dunklen Zeiten. Wenn man lernt, mit solchen Situationen umzugehen, lässt es die Persönlichkeit reifen.

SN: Sie sind auch abseits des Fußballplatzes sehr aktiv. In Karlsruhe waren Sie sogar im Stadtrat. Wie kam es dazu?
Das hat sich schlichtweg so ergeben, war aber eine interessante Erfahrung und hat mich im Leben definitiv weitergebracht. Ich wurde damals im CZK (Christlichen Zentrum Karlsruhe, einer evangelischen Freikirche, Anm.) von einem Bruder gefragt, ob ich Werbung für unsere Gemeinde machen möchte. Ich dachte mir: Klar, die stehen für Werte, für die ich auch stehe. Dazu wurde ich auch auf eine Liste gesetzt - und prompt gewählt. Aktuell habe ich aber nicht vor, etwas in diese Richtung zu machen.

SN: Die deutsche Tagezeitung "Die Welt" hat Sie einmal als ungewöhnlichsten Fußballprofi Deutschlands bezeichnet. Ist das Lob oder Tadel?
Ich sehe das ganz klar als Kompliment. Ich mag diese typischen Fußballer-Klischees nicht. Warum sollte ein Fußballer nicht auch andere Interessen haben? Fußballer zu sein, das ist mein Beruf. Es ist ein schöner Beruf, aber wenn ich Feierabend habe, mache ich eben andere Dinge. Fußballer werden viel zu oft als Gattung Mensch dargestellt, die nur einen Ball und Lifestyle im Kopf haben. Mehr traut man uns offenbar nicht zu. Das ist ja paradox.

Zur Person

Reinhold "Ray" Yabo ist am 10. Februar 1992 in Aldenhoven (D) geboren. Er durchlief die Nachwuchsabteilung des 1. FC Köln und alle Nachwuchs-Nationalmannschaften Deutschlands. 2009 wurde er U17-Europameister. Im Sommer 2015 kam der Mittelfeldspieler vom Karlsruher SC (62 Spiele, sechs Tore) zu Red Bull Salzburg.

Aufgerufen am 19.11.2018 um 04:41 auf https://www.sn.at/sport/fussball/reinhold-yabo-ich-mag-keine-fussballer-klischees-1046356

Schlagzeilen