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Fußball: Salzburger verschafft Unterhausclubs Anteile an Transfers

Ein Salzburger Unternehmen hat im internationalen Fußball eine Marktlücke gefunden. Im Transferwahnsinn profitieren davon nun Unterhaus-Vereine ebenso wie europäische Groß-Kaliber.

Es gibt Spielerberater, Manager und Funktionäre wie Sand am Meer. Sich im Haifischbecken Fußball zu etablieren, gleicht einer Herkulesaufgabe. Eine Salzburger Firma hat es geschafft und ist im internationalen Fußballgeschäft angekommen. Indem sie aktuell rund 30 Vereine, vom heimischen Fußball-Unterhaus über zahlreiche deutsche Bundesligisten bis hin zu Europas Groß-Kalibern, mit Know-how unter die Arme greift und ihnen so einen teils beträchtlichen Geldsegen verschafft.
"Wir überwachen für den jeweiligen Verein das weltweite Transfergeschehen", erklärt Bernhard Steinacher, Geschäftsführer von "TransferMonitor". Dabei geht es um den so genannten Solidaritätsbeitrag, der bei jedem internationalen Vereinswechsel fällig ist. Fünf Prozent der Transfersumme dürfen sich dabei jene Vereine aufteilen, bei denen der Spieler im Alter zwischen zwölf und 23 Jahren engagiert war.

Solidaritätsbeitrag bei internationalem Wechsel

Wieviel das bei den immer horrenderen Summen im internationalen Fußball sein kann, ist leicht auszurechnen. Ebenso, was dies für - vor allem kleinere - Vereine finanziell bedeutet. Umso erstaunlicher ist es, dass in vier von fünf Fällen gar kein Solidaritätsbeitrag geltend gemacht wurde. Warum? "Weil es so schwierig zu überwachen ist. Irgendwann verlierst du als Verein den Überblick und damit einen Spieler, der als Jugendlicher in deinem Verein war, einfach aus den Augen", erklärt Steinacher.
Eben dieses lückenlose Monitoring bietet "TransferMonitor" dem jeweiligen Verein. "Für einen durchschnittlichen österreichischen Bundesligisten identifizieren wir mit einer eigenen Software im ersten Schritt mehr als 1000 Spieler. Im zweiten Schritt überwachen wir systematisch jene Spieler, die zwischen zwölf und 23 für den Verein gespielt haben, weltweit. Hier sprechen wir dann von einer relevanten Schnittmenge von rund 400 Spielern. Bei einem deutschen Bundesligisten haben wir 600 bis 700 Spieler in der Datenbank, bei denen der Verein grundsätzlich Anspruch auf eine Solidaritätszahlung hat."

Beträchtliche Summen für Amateurvereine

Von der SGA Sirnitz, dem FC Pinzgau und SV Grödig über Admira Wacker und Sturm Graz bis zum 1. FC Köln, Hertha BSC, Schalke 04 und den FC Bayern München reichen die Kunden von "TransferMonitor". Für kleinere Profi- sowie alle Amateurvereine wickelt "TransferMonitor" alles bis zur Rechnungslegung ab. Für die großen Kaliber ermöglicht die Identifizierung der Spieler und das weltweite "Monitoring" das volle Ausschöpfen ihrer Erlöspotenziale in diesem Bereich.
Dabei geht es vor allem um Dritt- und Viertwechsel, die für die Vereine kaum zu überwachen, dafür oft umso lukrativer sind. "Speziell für Amateurvereine macht zum Beispiel ein fünfstelliger Betrag schon einen guten Teil des Saisonbudgets aus", rechnet Steinacher vor. Beispiele von den genannten Vereinen sind etwa Martin Hinteregger, für dessen Leihe von Salzburg zu Mönchengladbach sein Stammverein Sirnitz kassiert.

Auch zwei Salzburger Westligisten kamen in den Genuss der Solidaritätszahlung. Der FC Pinzgau durfte sich über eine Finanzspritze dank Christoph Schösswendters Wechsel von Rapid zu Union Berlin freuen. Dem SV Grödig brachten etwa die Transfers von Peter Tschernegg (Wolfsberg zu St. Gallen) und Martin Rasner (Heidenheim zu St. Pölten) einen Bonus für die Vereinskasse.
Noch ist "TransferMonitor" nur im deutschsprachigen Raum vertreten. "Aber wir bereiten jetzt den Markteintritt für andere Länder vor. Die Niederlande und der skandinavische Raum sind als Länder mit einer traditionell guten Ausbildung natürlich sehr interessant", erklärt Steinacher, der eine Marktlücke gefunden hat.

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