Fußball

Verkehrte Welt in Wien: Altach von Austria ausgekontert

Der SCR Altach hat in der fünften Runde der Fußball-Bundesliga seine weiße Weste verloren. "Die Austria hat uns mit unseren Tugenden geschlagen", stellte Trainer Damir Canadi nach dem 1:3 im Happel-Stadion am Sonntag fest. Austria-Coach Thorsten Fink sah sich erneut darin bestätigt, dass sein Team auch kontern kann - hinsichtlich des Rückspiels gegen Rosenborg Trondheim eine wichtige Erkenntnis.

Verkehrte Welt in Wien: Altach von Austria ausgekontert SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Die Austria behielt gegen Altach einen kühlen Kopf.

Der Deutsche gilt als Verfechter einer eher abwartenden Ballbesitz-Philosophie, die er bei der Austria rund um den zentralen Schlüsselspieler Raphael Holzhauser implementiert hat. Mit dem abkippenden Sechser kam die Austria bei ihren vier Liga-Auftritten im Schnitt auf über 60 Prozent Ballbesitz. Am Sonntag waren es ohne Holzhauser am Ende nur 42,4 Prozent. Umgekehrt die Situation bei Altach: Hatten sich die Vorarlberger bei ihren vier Siegen mit durchschnittlich 44,5 Prozent zum Erfolg gekontert, kletterte der Wert in Wien auf satte 57,6 Prozent.

"Das war ja auch der Plan, dass wir heute warten auf die Fehler des Gegners. Wir wollten nicht pressen, weil wir wissen, dass das 3-5-2-System sehr schwer zu pressen ist, gerade wenn man schnelle Offensivleute vorne hat", erklärte Fink nach dem Match. Zudem wären die Automatismen aufgrund der durch die Europacup-Wochen bedingten Rotation ohnehin nicht verfügbar gewesen. "Da wir sieben Spieler gewechselt haben, ist es natürlich schwierig. Deswegen haben wir uns aufs Kontern verlassen, das hat heute gepasst", sagte er.

"Das haben wir am Donnerstag (im Europa-League-Play-off-Hinspiel gegen Rosenborg; Anm.) das erste Mal gesehen, dass es anders auch geht. Dass wir nicht nur unser Spiel spielen müssen, sondern auf gut Deutsch einen Plan B auch haben", meinte Doppeltorschütze Kevin Friesenbichler, für den es in der Meisterschaft die ersten Treffer waren. Ein Haar fand er dennoch in der Suppe. "Altach hat das eigentlich ganz okay gemacht, aber war nicht oft gefährlich. Wir hätten eigentlich viel, viel schneller die Entscheidung herbeiführen können, wenn wir das im letzten Drittel konsequenter gespielt hätten."

Altach-Trainer Canadi analysierte nüchtern: "Für uns war es die beste Saisonleistung - leider ohne Punkte." Der Wiener spendete sowohl seinem Gegenüber Fink als auch seinen Spielern Beifall. "Ich kann meiner Mannschaft heute wenig vorwerfen, nur dass wir in ein paar Situationen unachtsam waren. Die Austria hat das optimal ausgenützt, da muss man auch gratulieren." Der Ex-Austria-Spieler monierte allerdings die mangelnde Chancenverwertung.

Die bisher hochgradig effizienten Altacher rannten im Happel-Stadion vergeblich an, scheiterten wiederholt an der diesmal fast perfekten violetten Hintermannschaft, die Goalgetter Dimitri Oberlin weitgehend neutralisierte. Dazu trug auch ÖFB-Torhüter Robert Almer einen gewichtigen Teil bei, rettete er doch zweimal im Alleingang gegen den Schweizer. Der bewies mit seiner Aktion zum 1:1 dennoch wieder, warum er an der Spitze der Torschützenliste steht. "Ein überragendes Tor, wie wir es herausgespielt haben", lobte Canadi.

Kritisch ging der 46-Jährige mit den betroffenen Akteuren ins Gericht, die an den Gegentoren beteiligt waren. "Beim ersten Tor haben wir uns sehr desolat verhalten, wo meine Außenverteidiger mit Lienhart und Galvao das nicht mehr absichern können", meinte Canadi über den erstmaligen Rückstand in der Saison. Beim zweiten Treffer nach einem Eckball sah er andere indisponiert. "Louis Mahop attackiert den Ball nicht offensiv, Lukas Jäger ist nicht dran an Friesenbichler. Das war wieder billig."

"Schade, aber das war klar, dass das irgendwann einmal passiert", gab sich Altach-Innenverteidiger Benedikt Zech angesichts des Verlusts der Tabellenführung als Realist. Auch Kapitän Philipp Netzer sah die erste Saisonniederlage nicht als Katastrophe. "Dass wir 36 Runden als Sieger vom Platz gehen, wäre schwer vorzustellen", sagte er im Sky-Interview.

Zu den individuellen Gewinnern bei der Austria zählt logischerweise Friesenbichler, der von Sportdirektor Franz Wohlfahrt sogar mit Rekordstürmer Toni Polster verglichen wurde. In Trondheim droht dem 22-Jährigen, der zwei Chancen in zwei Tore verwandelte, trotzdem wieder die Ersatzbank. "Wir haben im Hinspiel eine Top-Leistung gezeigt. Ich werde da nichts Großartiges wechseln. Vielleicht kommt ein Spieler rein, ein anderer raus", hat Fink seinen Plan für die Partie am kommenden Donnerstag (19.00 Uhr) in groben Zügen schon im Kopf.

Quelle: APA

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