Fußball

Werner Lorant: "Die Liga spielt keine Rolle"

Wer denkt, dass Werner Lorant die Mission Klassenerhalt bei Union Hallein auf die leichte Schulter nimmt, der täuscht sich. Der Kulttrainer ist genauso motiviert wie zu seinen besten Zeiten.

Werner Lorant soll Union Hallein zum Klassenerhalt in der Salzburger Liga führen.  SN/krugfoto/Krug Daniel sen.
Werner Lorant soll Union Hallein zum Klassenerhalt in der Salzburger Liga führen.

Vor seinem zweiten Training beim Salzburg-Ligisten Union Hallein haben die "Salzburger Nachrichten" Werner Lorant zum Interview getroffen. Der Fußballtrainer sprach über Straftrainings, seinen Ex-Club 1860 München und den "Dschungelcamper" Thomas Häßler.

Sie haben lange Zeit im Profibereich gearbeitet. Jetzt trainieren Sie reine Amateure. Ist das eine große Umstellung für Sie?
Lorant: Nein. Die Liga spielt für mich keine Rolle. Trainiert wird überall. Und wenn gut trainiert wird, dann habe ich auch Erfolg.

Wie gehen Sie damit um, wenn ein Spieler anruft und das Training wegen des Geburtstages seiner Freundin absagt?
Mit solchen Ausreden braucht mir niemand kommen. Wenn ein Familienmitglied krank ist oder jemand länger arbeiten muss, habe ich Verständnis. Aber die Spieler sollen mich nicht bescheißen, sonst lernen sie mich kennen.

Straftrainings am Sonntag nach einer Niederlage, wie Sie es bei den Profis gerne gemacht haben, wird es in Hallein nicht geben, oder?
Warum nicht? Vielleicht passiert das auch einmal, wenn ich richtig sauer bin. Sauer macht mich, wenn ich sehe, dass die Spieler nicht alles geben am Platz. Wenn sie das nicht machen, schicke ich sie zum Laufen in den Wald. Wer da mit mir nicht mitkommt, der spielt am nächsten Wochenende nicht. Und für jedes Gegentor wird meine Truppe in der Rückrunde einen 400-Meter-Lauf absolvieren.

1860 München haben Sie von der dritten in die erste Liga geführt. Nach Ihrer Ära ging es wieder bergab. Warum?
Ganz einfach: Der Präsident (Karl-Heinz Wildmoser, Anm.) war nicht mehr da. Dann ist es langsam bergab gegangen. Es wurden viele falsche Entscheidungen getroffen.

Sind die glorreichen Zeiten bei 1860 München wieder möglich?
Wie denn? Die müssen aufpassen, dass sie nicht aus der zweiten Liga absteigen. Wenn 1860 München in der Allianz Arena vor 15.000 Menschen spielt, da glauben die Spieler ja sie gehen zum Training und nicht zu einem Meisterschaftsspiel. Es ist weder Stimmung im Stadion noch herrscht Euphorie im Verein.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem ehemaligen Erzrivalen Bayern München?
Hör mir auf mit Rot. Feierabend, Gespräch beendet. Ich freue mich zwar, wenn sie international weit kommen, aber mehr nicht. Man muss aber auch sagen, dass sie sehr gute Arbeit machen.

Sie haben lange bei einem Traditionsverein gearbeitet. Was sagen Sie zu "Retortenclubs" wie RB Leipzig?
Ist doch bei 1860 auch nicht anders. Wenn der Mäzen nicht da wäre, was wäre denn dann? Wenn du einen Investor hast, dann musst du ihn nehmen.

Sie haben bei 1860 einige Österreicher betreut. Welche sind Ihnen am besten in Erinnerung geblieben?
Harald Cerny und Peter Pacult. Harald war früher bei den Roten und hat sich dann den richtigen Verein ausgesucht. Und er hat, nachdem ich ihm das Flanken beigebracht habe, jahrelang sehr gut gespielt. Und Peter war ein ganz wichtiger Spieler. Er war immer ein Vorbild für die Jungen.

Ihr ehemaliger Schützling Thomas Häßler ist derzeit im Dschungelcamp. Was sagen Sie dazu?
Der soll die Würmer essen. Ich kann aber nicht viel darüber sagen, weil ich mir die Sendung nicht anschaue.

Sie haben einmal bei der Reality-Show "Die Alm" mitgemacht. Würden Sie auch in den Dschungel gehen?
Das war Urlaub für mich. Zwischen Alm und Dschungel ist ein Unterschied. In den Dschungel würde ich nicht gehen.

Vor einigen Jahren haben Sie sehr offen über ihren finanziellen Absturz gesprochen. Wie geht es Ihnen heute?
Mir geht es gut, ich kann mich nicht beklagen. Ich habe eine neue Freundin und einen Hund.

Aufgerufen am 17.11.2018 um 01:58 auf https://www.sn.at/sport/fussball/werner-lorant-die-liga-spielt-keine-rolle-517855

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