Fußball

"Wir beide bei Red Bull Salzburg, das wäre sicher spannend"

Heimo Pfeifenberger und Gerald Baumgartner haben viele Gemeinsamkeiten. Eine ist, dass sie ihre Mannschaften vor dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga bewahren sollen. Eine andere, dass sie beide nach Höherem streben.

Die österreichische Bundesliga ist international gefragt. Wenn schon nicht unbedingt bei den Spielern, dann zumindest bei den Trainern. Diesen Eindruck verstärkt der Blick auf die zehn aktuellen Bundesliga-Cheftrainer. Mit dem Spanier Óscar García (RB Salzburg), den Deutschen Franco Foda (Sturm Graz), Thorsten Fink (Austria Wien) und Christian Benbennek (Ried) sowie dem Kroaten Damir Burić (Admira) stammt die Hälfte aus dem Ausland. Umso erstaunlicher ist es, dass mit Heimo Pfeifenberger und Gerald Baumgartner auch zwei Salzburger eine Chefrolle einnehmen. Vor dem Frühjahrsstart baten die "Salzburger Nachrichten" Wolfsberg-Trainer Pfeifenberger, 50, aus Zederhaus, und Mattersburg-Coach Baumgartner, 52, aus Oberndorf, zum Doppelinterview.

Zum ersten Mal in der Bundesliga-Geschichte stellt das Bundesland Salzburg zwei Cheftrainer. Darauf darf man doch stolz sein?
Pfeifenberger: Mit Sicherheit, denn es ist ja keine Selbstverständlichkeit, einen Club in der Bundesliga zu trainieren. So einen Job muss man sich erst einmal durch Leistung erarbeiten, den bekommt man nicht geschenkt. Noch dazu, wo sehr viele Vereine eher Trainer aus dem Ausland bevorzugen. Es ist ein Privileg und auch eine Art von Auszeichnung, einen der zehn Bundesligisten trainieren zu dürfen.
Baumgartner: Klar kann man darauf stolz sein. Es ist allein schon deshalb etwas Besonderes, weil es nur zehn Plätze gibt und Vereine wie Red Bull Salzburg, Austria Wien oder Rapid in erster Linie auf ausländische Trainer setzen bzw. gesetzt haben. Da ist es grundsätzlich schon nicht einfach, einen Platz in der Liga zu finden. Dazu ist der Markt an Trainern in Österreich sehr, sehr groß. Eine Gemeinsamkeit ist, dass Sie beide gegen den Abstieg kämpfen. Wie sehen Sie Ihre Ausgangslagen?
Pfeifenberger: Unsere ist auf jeden Fall besser als jene von Gerald mit Mattersburg. Wir haben acht Punkte mehr als die Burgenländer und auch noch das bessere Torverhältnis. Aufpassen muss man immer, aber das sollte doch reichen, dass wir nicht in große Gefahr geraten. Die restlichen 16 Spiele werden wir so absolvieren, als wäre jedes ein Endspiel. Gerald wird bei Mattersburg für frischen Wind sorgen, dazu wurden mit David Atanga von Red Bull Salzburg und Ex-Nationalspieler Stefan Maierhofer torgefährliche Offensivspieler verpflichtet. Aber auch wir sind nach der Rückkehr von Issiaka Ouédraogo im Angriffsspiel wieder unberechenbarer geworden. Ich denke schon, dass wir Platz sechs als Ziel ausgeben können.
Baumgartner: Klar ist, wir haben als Tabellenletzter die schlechteste Ausgangsposition von allen. Aber ich bin sehr positiv gestimmt. Ich habe in der Vorbereitung versucht, die Mannschaft mental aufzurichten, den Spielern wieder Selbstvertrauen zu geben und die Fitnesswerte zu verbessern. Im Trainingslager in Portugal hatte ich die Gelegenheit, viele Einzelgespräche zu führen, und da hatte ich absolut den Eindruck, dass jeder bereit ist, um den Klassenerhalt zu kämpfen. Abstiegskampf ist immer auch eine Kopfsache. Da geht es viel um Mentalität, um das richtige Teamgefüge und um Führungsspieler, die die anderen mitreißen können. Deswegen haben wir ja auch Stefan Maierhofer verpflichtet. Er kann uns allein schon von seinem Persönlichkeitsprofil weiterbringen.

Schade ist nur, dass es bei den Testspielen noch keine Punkte gegeben hat. Bis auf ein Spiel haben wir alles gewonnen, darunter gegen Kapfenberg, den Wiener Sportklub, den FAC und Norrköping, einen Europa-League-Starter.

Sie haben beide eine Red-Bull-Vergangenheit. Träumt man da von einer Rückkehr nach Salzburg?
Pfeifenberger (lacht): . . . ich als Cheftrainer und Gerald mein Assistent. Nein, im Ernst: Als gebürtiger Salzburger träumt man natürlich davon, den besten Club Österreichs zu trainieren. Das Ziel jedes Trainers ist es, bei einem Topclub arbeiten zu können. Und Red Bull Salzburg ist in Österreich eben das Maß aller Dinge. Baumi und ich als Duo bei den Bullen, das wäre sicher spannend (lächelt).
Baumgartner: Ohne Zweifel ist der Trainerjob bei Red Bull Salzburg wohl der, der am schwierigsten zu bekommen ist in der Bundesliga. Sollte einmal ein Angebot kommen, wäre es sicher eine Wertschätzung für meine Arbeit. Dass die grundsätzlich da ist, zeigt auch die Tatsache, dass man mir mit David Atanga einen jungen, sehr talentierten Red-Bull-Spieler anvertraut hat.

Salzburg ist hinter Altach nur Zweiter. Wer wird Ihrer Meinung nach Meister?
Pfeifenberger: Eigentlich kann sich Salzburg nur selbst schlagen. Dann nämlich, wenn die Konzentration verloren geht, man leichtsinnig agiert. Die schwierige Situation zu Beginn der Saison mit den vielen internationalen Spielen wurde gemeistert. Man liegt trotz der Belastungen nur zwei Punkte hinter Altach. Der Kader der Bullen ist groß, die jungen Spieler sind ehrgeizig und viele Routiniers verfügen über eine hohe individuelle Klasse. Es passt auch die Mischung zwischen Jugend und Erfahrung im Team. Und dann ist es auch wichtig, dass einige gebürtige Salzburger zum Stammpersonal gehören.
Baumgartner: Ich denke auch, Salzburg wird Meister und hat dazu gute Chancen, wieder das Double zu gewinnen. Aber um ehrlich zu sein, ich werde mich eher darum kümmern, was in den hinteren Tabellenregionen passiert.

Zum Abschluss: Wie würden Sie Ihren Kollegen charakterisieren?
Pfeifenberger: Als Spieler hat mich Baumi mit seinen technischen Fähigkeiten begeistert. Aber oft hat er übersehen, dass Fußball ein Mannschaftssport ist. Er hätte einen Ball für sich allein benötigt (lacht). Ich habe ihn als kollegialen, gewissenhaften Arbeiter schätzen gelernt. Kontrolle ist für ihn wichtig. Er hatte auch das Glück, unter Trainern wie Niko Kovač, Thorsten Fink oder Adi Hütter lernen zu können. Und er hat das genützt. Das ist ein Zeichen von Qualität.
Baumgartner:
Danke für das Lob, das ich gern zurückgebe: Ich sehe Heimo als echte Führungspersönlichkeit. Er hat die Gabe, dass er sehr amikal mit Spielern umgehen kann und dennoch eine hohe Wertschätzung genießt. Er ist sehr sozial und hat in den vergangenen Jahren auch bewiesen, dass er eine hohe fachliche Qualität hat. Wir haben damals in der Nachwuchsabteilung bei Red Bull Salzburg zusammengearbeitet und auch viel voneinander gelernt. Besonders imponiert hat mir immer die Lockerheit, mit der er an die Dinge herangegangen ist. Heimo ist wahnsinnig resistent gegen Druck und damit prädestiniert für den Abstiegskampf.

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