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Ein Švabo hofft auf einen Sieg der stolzen Kroaten

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Standpunkt Anton Prlić

Ja, ich gebe es zu. Mit der Heimat meiner Ahnen verbindet mich außer dem Namen nicht mehr viel. Ich bin das, was die Kroaten einen Švabo nennen. Für sie sind alle Deutschsprechenden zwischen Alpen und Nordsee Schwaben. Und auch jene Auslandskroaten, die sich dem Germanischen zu sehr angepasst haben, werden als Švabo verspottet.

Ich bin Švabo durch und durch. Meine Sprachkenntnisse reichen noch fürs Grüßen und Verabschieden, im Kroatien-Urlaub bestelle ich schon einmal Pizza statt der obligaten Fleischplatte. Auch gibt es in Kroatien zu Recht einiges zu kritisieren. Überbordenden Nationalismus und ewiggestriges Gedankengut lehne ich ab, Korruption ist für mich ein Grundübel der Demokratie.

Aber natürlich hoffe ich nun auf den ganz großen Erfolg bei der Fußball-WM gegen Frankreich. Nicht nur, weil sportlich gesehen eine Revanche für das unverdiente Ausscheiden gegen die Franzosen 1998 nur allzu gerecht wäre.

Ich weiß auch, wo jener riesige Stolz der Kroaten herkommt, den so mancher Švabo nicht nachvollziehen kann - ja sogar als bedrohlich empfindet. Trotz boomendem Tourismus ist Armut, Arbeitslosigkeit und Abwanderung dort ein riesiges Thema. In manchen Gegenden haben die Leute nichts außer drei Henderln, einem Gemüseacker hinter dem Haus und ihrem Nationalstolz. Zumindest für die Zeit der WM sollten wir Švabos den Kroaten ihren Stolz gönnen. Und auf einen kroatischen Sieg im Endspiel hoffen.

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