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WM 2018

Frankreich im Freudentaumel: "Feiern den ganzen Sommer"

Frankreichs Teamchef Didier Deschamps setzte gerade zur ersten Antwort an, da stürmten seine vom Glück berauschten Spieler die Pressekonferenz. Sie sprangen auf das Podium, grölten, tanzten und verspritzten Getränke. Der Weltmeistertitel nach einem denkwürdigen 4:2 im Endspiel gegen Kroatien wurde euphorisch und standesgemäß - mit Champagner - gefeiert.

Freude pur bei den Franzosen SN/APA (AFP)/CHRISTOPHE SIMON
Freude pur bei den Franzosen

Auch das gläserne Präsent für den zweiten WM-Titel für Frankreich hatte gelitten. "Sie sind jung, sie sind ein bisschen verrückt", sagte ihr breitgrinsender Teamchef, dem selbst ein historisches Kunststück gelungen war: Der 49-Jährige ist mit dem Brasilianer Mario Zagallo und Franz Beckenbauer der dritte Fußballer, der als Spieler und Trainer Weltmeister wurde.

"Im Moment wissen meine Spieler noch nicht, was es bedeutet, Weltmeister zu sein", erklärte Deschamps, der vor 20 Jahren bei der Heim-WM als Spieler den Goldpokal in die Höhe stemmen durfte. Frankreichs 1998er-Generation erreichte Legenden-Status. Deschamps über seine nunmehrigen Schützlinge: "Sie werden auf immer und ewig als Weltmeister in Erinnerung bleiben. Es gibt in dem Beruf nichts, was drüber steht."

Angeführt von "Man of the Match" Antoine Griezmann hatte Frankreich im torreichsten Endspiel seit 1966 das abgeliefert, was die Equipe bereits in den vorherigen Spielen angedeutet hatte: Hinten schwer zu bezwingen, und vorne jederzeit für einen Treffer gut. Deschamps kalkuliertes Risiko mit einem gegen Kroatien noch defensiveren Kylian Mbappe ging auf.

"Ich bin so glücklich. Unsere Ambition war es, zu gewinnen", jubelte der zum besten Jungprofi des Turniers gekürte Mbappe. Dank seines Tores zum 4:1 stieg der Youngster von Paris Saint-Germain mit 19 Jahren und 207 Tagen zum zweitjüngsten Torschützen der WM-Final-Geschichte nach Brasilien-Legende Pele 1958 auf. "Jetzt feiern wir, und wir werden den ganzen Sommer feiern. Es gibt eine Zeit für alles - in ein paar Wochen werden wir dann wieder mit der Arbeit beginnen können."

Offensivkollege Griezmann wähnte sich nach dem Erreichten kurz im falschen Film. "Ich weiß gar nicht, wo ich bin", sagte der vierfache Turnier-Torschütze. "Das Herz ist glücklich. Wir haben es geschafft, den Pokal nach Frankreich zu holen", fügte er an.

55 Tage hatte das vermeintlich talentierteste Team dieser WM zusammen verbracht. "Es hat nicht ein Problem gegeben", erzählte Deschamps. Aus der Final-Niederlage gegen Portugal bei der Heim-EM vor zwei Jahren hätte seine Truppe gelernt. "Es war so, so schmerzvoll, vor zwei Jahren nicht den EM-Titel zu holen. Aber vielleicht wären wir jetzt nicht Weltmeister, hätten wir es damals geschafft."

Deschamps Zug, bei der Kader-Nominierung auf viele prominente Namen wie Anthony Martial (Manchester United), Karim Benzema (Real Madrid) oder Adrien Rabiot (PSG) zu verzichten, erwies sich als goldrichtig. "So wie wir dieses Team aufgebaut haben, war der Wille, es gemeinsam zu schaffen, das Entscheidende", sagte Deschamps nun.

Das Eigentor von Mario Mandzukic (18. Minute), Griezmann per Handelfmeter (38.), Paul Pogba (59.) und Mbappe (65.) stürzten die Millionen Fans in der Heimat endgültig in den blau-weiß-roten Party-Rausch. Binnen Minuten nach Abpfiff der Partie strömten Zigtausende Fußballfans auf die Champs-Elysses und verwandelten sie in eine Feiermeile voller Frankreich-Fahnen. Überall war der Sprechchor "On est les champions" ("Wir sind die Champions") zu hören. "Der Weg zum Titel war weit, aber wir sind sehr stolz darauf, dass wir die Franzosen glücklich machen konnten, damit sie ihre Alltags-Sorgen vergessen können", sagte Mbappe.

Quelle: Apa/Dpa/Afp

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