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WM 2018

Iran beendete Marokkos 18-Spiele-Serie

Während die Nationalmannschaft des Iran den zweiten Sieg in ihrer WM-Geschichte so ausgelassen feierte, als wäre sie schon Fußball-Weltmeister geworden, herrschte bei Verlierer Marokko nach dem unglücklichen 0:1 am Freitag Frust. Nach 18 Spielen ohne Niederlage mussten die Nordafrikaner erstmals wieder mit hängenden Köpfen vom Platz. Schuld war mit Aziz Bouhaddouz noch dazu ein eigener Mann.

Iran kam zum Sieg wie die Jungfrau zum Kind SN/APA (AFP)/GIUSEPPE CACACE
Iran kam zum Sieg wie die Jungfrau zum Kind

Der Profi vom deutschen Zweitliga-Verein FC St. Pauli haderte nach dem Spiel in St. Petersburg damit, dass der Traum von der WM-Teilnahme für ihn innerhalb von Minuten zu einem Albtraum geworden war. Angesichts der kommenden Gruppengegner Portugal und Spanien sei die Partie "wie ein Endspiel" gewesen, sagte Bouhaddouz. Nach dem 3:3-Kracher im Gipfeltreffen der Großmächte von der iberischen Halbinsel ist Marokko Letzter in Gruppe B, die vom Iran angeführt wird.

Beim Team aus der Islamischen Republik war der Jubel nach dem erst zweiten WM-Sieg in der Geschichte fast grenzenlos. 1998 hatte der Iran den politischen Erzfeind USA in Frankreich mit 2:1 besiegt. "Es ist wunderschön. Es ist so ein besonderer Tag für uns und für unser Land", meinte Stürmer Alireza Jahanbakhsh. "Wir haben 80 Millionen glückliche Leute auf den Straßen, überall im Iran, und es ist so ein unglaubliches Gefühl."

Carlos Queiroz erlebte am Freitag das zumindest bisherige Highlight in seiner schon sieben Jahre dauernden Tätigkeit als Trainer von "Team Melli". Der Portugiese hatte vor der Endrunde in Russland angekündigt, nach dem Turnier zurückzutreten. Viele Spieler hoffen, ihn noch zum Bleiben überreden zu können. "Er hat es sich verdient, zu bleiben und das iranische Volk stolz zu machen", betonte Karim Ansarifard. "Er ist einer der besten Trainer auf der Welt."

Queiroz vergaß im Moment des Sieges nicht darauf, seine Kritik an Nike zu wiederholen. Der US-Sportartikelhersteller hatte wegen der Sanktionen der USA einigen Spielern des Iran keine Schuhe zur Verfügung gestellt. "Das ist total unfair gegenüber 23 jungen Männern, die nur Fußball spielen wollen. Sie haben heute gezeigt, dass sie es verdienen, wie alle anderen Spieler in der Welt behandelt zu werden", meinte Queiroz.

Marokko wollte sich nach der herben Enttäuschung nicht unterkriegen lassen. "In einem Wettbewerb, in dem drei Spiele gespielt werden, gibt es unabhängig vom Gegner noch immer Hoffnung, wenn es noch zwei Spiele gibt", formulierte es Trainer Herve Renard. "Wenn man mit null Punkten beginnt, ist man in einer schwierigen Situation, aber es kann viel passieren."

Unglücksrabe Bouhaddouz tröstete sich mit der Vorfreude auf ein Ereignis im Privatleben. "Ich erwarte ein Baby", verriet der 31-Jährige. Ans Aufgeben denkt der Stürmer nicht. "Jetzt hoffe ich, dass wir gegen Portugal gewinnen können", sagte er trotzig.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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