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WM 2018

Kroatiens Rakitic: Symbol eines multikulturellen Europa

Im Fußball-WM-Finale wird auch schwyzerdütsch gesprochen. Ivan Rakitic, ein in der Schweiz geborener Sohn kroatischer Eltern, spielte einst für die Schweizer Junioren, ist heute ein Star beim FC Barcelona und greift nun mit Kroatien erstmals nach dem Pokal bei einer Weltmeisterschaft. Rakitic steht für ein inzwischen multikulturelles Europa - mit all seinen Schwierigkeiten.

Rakitic steht für ein inzwischen multikulturelles Europa SN/APA (AFP)/ODD ANDERSEN
Rakitic steht für ein inzwischen multikulturelles Europa

Der 30-Jährige, der einst den deutschen Bundesligisten Schalke 04 als Sprungbrett zu einer Weltkarriere nutzte, erhält vor dem "Spiel unseres Lebens" internationalen Zuspruch und ist völlig elektrisiert: "Ich habe das Gefühl, Hunderte von Millionen sind für uns am Sonntag. Ich habe Nachrichten aus Deutschland, von überall aus der Welt. Was mich wirklich glücklich macht."

In Rheinfelden geboren, hat Rakitic auch die Schweizer Staatsbürgerschaft. Er wäre nach Angaben der Schweizer Nachrichtenagentur KEYSTONE-SDA der erste Spieler mit eidgenössischem Pass, der ein WM-Endspiel bestreitet. Sein 99. Länderspiel am Sonntag (17.00 Uhr MESZ/ORF eins) gegen Frankreich im Luschniki-Stadion von Moskau soll zum Höhepunkt einer Karriere mit vielen Stationen werden. "Die Worte, um die Gefühle zu beschreiben, gibt es nicht", sagte Rakitic bereits nach dem Halbfinal-Triumph gegen England. "Dafür muss man im Duden richtig lange suchen - oder etwas Neues erfinden."

In Russland glänzt Rakitic nicht nur an der Seite von Kapitän Luka Modric von Real Madrid, sondern auch als nervenstarker Matchwinner: Im Elfmeterschießen des Achtelfinales gegen Dänemark und des Viertelfinales gegen Russland verwandelte er den entscheidenden fünften Versuch. Ähnlich wertvoll war wohl nur sein Führungstreffer im Champions-League-Finale 2015 gegen Juventus Turin, als Barcelona mit 3:1 gewann.

Sein erster Verein war der FC Möhlin-Riburg an der deutsch-schweizerischen Grenze. Bereits mit 17 Jahren spielte der Blondschopf beim FC Basel in der ersten Liga. Mitten in seiner U21-Zeit wechselte er das Trikot der Eidgenossen gegen das seiner kroatischen Vorfahren - und handelte sich dabei wüste Beschimpfungen ein. "Meine Situation von damals wünsche ich niemandem", sagte er dieser Tage in einem "Blick"-Interview.

Das Thema kochte ausgerechnet bei der WM wieder hoch. Der Generalsekretär des Schweizer Fußball-Verbandes (SFV), Alex Miescher, hatte gefordert, man solle nach Einsätzen für das Junioren-Nationalteam seinen zweiten Pass abgeben. "Wollen wir Doppelbürger?", hatte Miescher gefragt.

Anlass war der umstrittene Torjubel der Schweizer Spieler Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri beim 2:1-Sieg im WM-Vorrundenspiel gegen Serbien. Die Profis mit kosovo-albanischen Wurzeln hatten mit ihren Armen und Händen den sogenannten Doppel-Adler gezeigt - es war als provozierende Geste aufgefasst worden. Für Mieschers Aussagen hat sich der SFV am Freitag entschuldigt: "Da sind Fehler passiert und wurde eine Außenwirkung erzielt, die nie beabsichtigt war", sagte Verbandspräsident Peter Gillieron.

"Ich bin stolz auf meinen Schweizer Pass", sagte Rakitic. Auch er hatte bei seinem Wechsel vom SFV zum kroatischen Verband schwieriges sportpolitisches Terrain kennengelernt. Heute wäre er froh, wenn damals die Regeln für einen Wechsel einfacher gewesen wären und ihm damals irgendjemand die Entscheidung abgenommen hätte - "ohne den Druck der Öffentlichkeit, damit sie einfach nur den Fußball genießen könnten."

Rakitic ist längst ein souveräner Pendler zwischen den Fußball-Welten. Mangelnde Verbundenheit zu seinem Geburtsland kann ihm keiner vorwerfen: "Ich bin immer Schweiz-Fan, wenn wir nicht gegen die Nati spielen", sagte er im "Blick"-Interview.

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