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WM 2018

Polit-Protest als Kratzer auf Putins WM-Image

So hat sich WM-Gastgeber Wladimir Putin die finale Krönung seiner Fußball-Weltmeisterschaft wohl kaum gewünscht: mit einem Protest vor laufenden Kameras für politische Freiheit. Die vier Aktivisten, die am Sonntag beim Endspiel zwischen Frankreich und Kroatien (4:2) in Polizeiuniformen auf den Platz flitzten, gehörten zur kremlkritischen Punk-Gruppe Pussy Riot.

Aktion sorgte für erwünschtes Aufsehen - zumindest außerhalb Russlands SN/APA (AFP)/ADRIAN DENNIS
Aktion sorgte für erwünschtes Aufsehen - zumindest außerhalb Russlands

Sie wollten auf Missstände aufmerksam machen, die die Volksfeststimmung der Fans bei der WM nach Einschätzung vieler überstrahlt hat. Der Auftritt war eine bezeichnende Randnotiz, während die FIFA die "beste WM aller Zeiten" feiert und Russland um den Umgang mit dem Erbe des Turniers ringt.

Pussy Riot beanspruchte die Flitzer-Aktion auf Facebook für sich. 2012 war die Gruppe mit den schrillen Masken bekannt geworden, weil sie in Moskaus wichtigster Kirche ein kritisches "Punk-Gebet" aufgeführt hatte. Der Fall sorgte international für Wirbel. Drei Frauen mussten in Lagerhaft, wurden aber später begnadigt.

Die Moskauer Polizei hat gegen die vier Flitzer vom WM-Finale Verwaltungsstrafen beantragt. Ihnen werde vorgeworfen, gegen die Vorschriften für Zuschauer bei Sportveranstaltungen verstoßen und sich unrechtmäßig Uniformen beschafft zu haben, meldete die Agentur Interfax am späten Sonntagabend.

Die Höchststrafe für den Verstoß gegen die Regeln für Zuschauer liegt demnach bei einer Geldstrafe von 200.000 Rubel (etwa 2.700 Euro) oder 160 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Für das Beschaffen einer Uniform beträgt die Strafe dem Bericht zufolge zwischen 1.000 und 1.500 Rubel (rund 13 bis 20 Euro).

Nun also kein schriller Punk, sondern winkende Polizisten mitten auf dem Spielfeld des WM-Finales. In ihrer Mitteilung erklärten die Aktivisten, mit dem Auftritt wollten sie den "himmlischen (guten) Polizisten" die "irdischen (bösen) Polizisten" gegenüberstellen. Der "himmlische Polizist" freue sich über die Siege der Sbornaja und sei ein Vorbild für die Nation; der "irdische" gehe gegen Proteste vor und schere sich nicht um Regeln.

Damit prangerte Pussy Riot an, was die russischen Behörden und WM-Organisatoren als großen Erfolg feierten. Sie spielten an auf den lockeren Umgang der Polizei mit feiernden Fans, während bei politischen Protesten in Russland immer wieder Menschen festgenommen werden. So nutze Pussy Riot Putins Jubel-WM für konkrete Forderungen: Freilassung politischer Gefangener, ein Ende von Festnahmen bei Demonstrationen, mehr politischer Wettbewerb.

Die Staatsmedien hielten sich mit der Berichterstattung über den Fall zurück. Kaum ein Politiker kommentierte ihn. Die Polizei beantragte für die vier Flitzer - drei Frauen und ein Mann - Geldstrafen oder gemeinnützige Arbeit. Beobachter schätzen, würde man dem Fall mehr Aufmerksamkeit schenken und Haftstrafen anstreben, könnte dies ein Kratzer auf dem Erbe der WM werden, über den lange gesprochen würde.

Doch auch dieser Aspekt des Flitzer-Vorfalls dürfte rasch vergessen werden, denn er spiegelt nicht den russischen Grundtenor der WM. Was überwiegt, ist das Bild eines straff organisierten Turniers mit fröhlichen Fans und ohne größere Zwischenfälle. "Die WM ist schon Geschichte. Aber wir werden uns das ganze Leben an sie erinnern", schrieb der "Sport-Express" am Montag.

"Wir können stolz sein, wie wir diese WM organisiert haben", sagte Putin nach dem Finale. Er wollte der Welt zeigen, wie gastfreundlich und liebenswert Russland ist. "Und es ist uns gelungen in allen Aspekten dieses großartigen Ereignisses."

Wie lange der Eindruck vom weltoffenen Russland bestehen bleibt, hängt von der Führung selbst ab. Die erste politische Prüfung stand Putin gleich am Montag beim Gipfel mit US-Präsident Donald Trump bevor. Ein Zeichen setzte Putin aber noch am Abend: Fan-ID-Inhaber sollen bis Jahresende ohne Visum nach Russland reisen dürfen.

Quelle: Apa/Dpa

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