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WM 2018

WM-Finale: Für Fans in Salzburg ist es ein Fußballfest in jedem Fall

Kroaten und Franzosen fiebern in Salzburg dem WM-Finale entgegen. Die Franzosen sind siegessicher, die Kroaten wollen in jedem Fall feiern.

Die Fahne hat Jure Mustać noch von der bislang erfolgreichsten WM der Kroaten. 1998 verbrachte der damals 14-Jährige seinen Sommer in der Heimatstadt seiner Eltern, in der dalmatinischen Stadt Zadar. "Die Fahne habe ich mir zum Spiel um Platz drei gegen die Niederlanden gekauft. Seither habe ich sie bei allen Spielen der Nationalmannschaft dabei."

Wenn am Sonntag seine zweite Heimat Kroatien gegen Frankreich um den WM-Sieg spielt, wird der jetzige Geschäftsführer der ÖVP-Arbeitnehmervertretung in Salzburg seine Fahne in Zagreb schwenken. Richtig angemessen wird der sportliche Erfolg in Salzburg nicht gefeiert, der Meinung sind auch Viktoria Grgić und Matea Marić. Sie werden am Wochenende nach München fahren, um sich dort das Spiel anzusehen. "In Salzburg ist ja nichts los", sagt die Studentin Grgić. In ihrer alten Heimat Kroatien sei das anders. "Dort lässt das niemanden kalt. Da fahren seit Tagen alle in den Trikots der Nationalmannschaft zur Arbeit. Sogar die Regierungsvertreter sind im Ministerrat in den Dressen erschienen."

Anna Paušić wird am Sonntag in Salzburg bleiben. Sie würde zwar auch gern in Zagreb das Finale feiern, hat aber als Leiterin der kroatischen Volkstanzgruppe Salzburgs einen großen Auftritt beim Fackeltanz zur Festspieleröffnung. "Am Sonntag ist Generalprobe. Die beginnt zwar erst um 20 Uhr, also vermutlich kurz nach Schlusspfiff. So richtig genießen kann ich das Spiel dann aber nicht." Sie werde aber das Trikot des Nationalteams unter ihrer Volkstracht tragen. "Das mache ich bei allen Auftritten der Tanzgruppe so."

Auch wenn einige der Salzburger Kroaten lieber woanders feiern. Zahlenmäßig werden sie den Salzburger Franzosen wohl trotzdem überlegen sein. Im ganzen Bundesland leben 6272 Kroaten, davon 2345 in der Stadt Salzburg. Im Gegensatz dazu leben 425 Franzosen im Bundesland, 250 davon in der Landeshauptstadt.

Michelle Trapp ist eine davon. Sie leitet den französischen Kulturverein "cultures francophones". Wie viele Kolleginnen und Kollegen des Vereins fieberte auch sie bei jedem Spiel ihrer Mannschaft mit. Für das Finale ist sie jedenfalls äußerst siegessicher. "Wir sind alle davon überzeugt, dass wir gewinnen", sagt Trapp. Fußballbegeisterung gebe es auch in ihrem Heimatland, sagt Vereinskollegin Pascale Hartig. "Wir waren bei der WM vor vier Jahren in Frankreich, da haben sogar die Polizisten auf der Straße mitgejubelt."

Mit der kroatischen Volksfeststimmung sei die französische Begeisterung aber nicht ganz zu vergleichen, sagt der französische Honorarkonsul Peter Lechenauer. "Auch andere Sportarten haben einen großen Stellenwert. Und bei der WM 2010 war die Mannschaft so zerstritten. Das hat die Fußballer einige Sympathien gekostet." Die können sie nun möglicherweise zurückgewinnen. Lechenauer ist jedenfalls vom Sieg der Franzosen überzeugt. "Wir haben schon gewonnen. Die Kroaten wissen es nur noch nicht." Er will den möglichen Weltmeistertitel am Sonntag in der Fuxn feiern.

Feiern werden die Kroaten jedenfalls. Auch wenn die Franzosen ihrer Favoritenrolle gerecht werden. "Mit dem Einzug ins Finale haben wir jetzt schon gewonnen", sagt Matea Marić. "Egal, wie das Spiel ausgeht."

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