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WM 2018

WM-Finale: ...und wo warst du 1998?

Vor 20 Jahren waren Frankreich und Kroatien bei der WM ganz oben. Zwei Hauptdarsteller von damals ziehen heute wieder die Fäden.

Für beide Endspiel-Nationen der WM in Russland hat die Jahreszahl 1998 einen magischen Klang. Vor genau 20 Jahren wurden die Franzosen zum ersten und bis heute einzigen Mal Weltmeister, noch dazu im eigenen Land. Kroatien scheiterte zwar im Halbfinale mit 1:2 an Frankreich, erreichte mit Rang drei aber den größten Erfolg seiner jungen Fußballgeschichte. Seither galten die "98er" als die ewige und bis jetzt unerreichbare Erfolgsgeneration. Verständlich, dass in diesen Tagen Fußballfans in beiden Ländern in Erinnerungen schwelgen: "Wo warst du in diesem Sommer 1998?"

Zwei Schlüsselfiguren der Finalisten wissen das noch ganz genau. Sie können ihre eigene Legende noch einmal übertreffen. Frankreichs Teamchef Didier Deschamps war damals Kapitän der "Bleus". Davor Suker, Präsident des kroatischen Fußballverbands, holte sich 1998 die WM-Torjägerkrone.

Deschamps hat das, wonach sich seine Spieler mehr als nach allem anderem sehnen: "Der Trainer hat schon einen Stern", sagt Paul Pogba. "Er war ein großer Spieler, ein Anführer", betont Pogba. 20 Jahre und drei Tage später kann sich Deschamps an diesem Sonntag auch zum Weltmeister-Trainer küren und damit zu Franz Beckenbauer und dem Brasilianer Mario Zagallo aufschließen.

Der 49 Jahre alte ehemalige Profi zählt zur bisher erfolgreichsten Fußball-Generation der Grande Nation, zwei Jahre nach der WM- gewann er auch noch den EM-Titel.

Zwischen damals und heute lag für die Franzosen ein Auf und Ab mit peinlichen Endrundenauftritten (Vorrunden-Aus bei der WM 2002 und der EM 2008, Meuterei gegen Teamchef Domenech bei der WM 2010) und knappen Endspielniederlagen wie 2006 gegen Italien (mit Zinedine Zidanes Kopfstoß) und 2016 bei der Heim-EURO. Trainer war vor zwei Jahren schon Deschamps. Zwei Endspiele in zwei Jahren - keinem Frankreich-Trainer vor ihm gelang das. Und doch bliebe es nur ein statistischer Vermerk, wenn auch dieses Finale wie bei der Heim-Europameisterschaft 2016 gegen Portugal mit einer Niederlage endet. "Ich habe Fußball nie des Spiels wegen gespielt. Immer des Gewinnens wegen", lautet ein Credo des gebürtigen Basken. Schönspielen ist nicht das oberste Gebot.

Die Kroaten wollen im Endspiel von Moskau am Sonntag gegen Frankreich Revanche für 1998 und erstmals in ihrer Geschichte den WM-Pokal hochhalten. "Jeder erinnert sich in Kroatien an dieses Spiel", sagte Dalic. "Vielleicht hat uns der liebe Gott ja die Möglichkeit gegeben, dieses Ergebnis zurechtzurücken."

Torschütze gegen Frankreich 1998 war Davor Suker. "Hoffentlich kann unser jetziges Team noch mehr erreichen als wir vor 20 Jahren", sagt der 50-Jährige. Als Spieler stieg der Ex-Profi von Real Madrid und Arsenal zur Legende auf wie seine damaligen Kollegen Slaven Bilic oder Zvonimir Boban. Als Funktionär ist er eine zutiefst umstrittene Figur.

Über Kroatiens WM-Team hängt trotz des Erfolgs ein Schatten. Der Korruptionsprozess gegen die Brüder Zoran und Zdravko Mamic, die als Macher bei Dinamo Zagreb und beim kroatischen Verband 17 Millionen Euro veruntreut haben sollen, endete mit mehrjährige Haftstrafen. WM-Star Luka Modric droht wegen Falschaussage in dem Verfahren eine Haftstrafe. Alle wesentlichen Figuren im kroatischen Fußball gelten als Männer von Zdravko Mamics Gnaden - auch Suker. Verbandsdirektor Damir Vrbanovic, nicht rechtskräftig zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, fordert angesichts des Finaleinzugs: "Lasst doch Mamic und den Prozess in Ruhe, feiert lieber diese Spieler."

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