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WM 2022

Belgisches Nationalteam in Katar nicht wiederzuerkennen

Das in die Jahre gekommene belgische Nationalteam ist bei der Fußball-WM in Katar kaum wiederzuerkennen und läuft Gefahr, erstmals seit 1998 die K.o.-Runde zu verpassen. Die "Roten Teufel" kassierten am Sonntag in Doha gegen Außenseiter Marokko eine historische Schmach. Das verdiente 0:2 war die erste WM-Vorrundenniederlage seit 28 Jahren. Um es aus eigener Kraft noch ins Achtelfinale zu schaffen, muss Belgien (3) am Donnerstag gegen Vize-Weltmeister Kroatien (4) gewinnen.

Belgien verlor verdient mit 0:2 gegen Marokko SN/APA/AFP/GLYN KIRK
Belgien verlor verdient mit 0:2 gegen Marokko

Marokko mit ebenfalls vier Zählern winkt dagegen das erste WM-Achtelfinale seit 36 Jahren. "Das ist schwer zu akzeptieren. So ein Auftreten bin ich von meinem Team nicht gewohnt. Die letzten Jahre waren wir wesentlich selbstbewusster", gestand Belgiens Nationalcoach Roberto Martínez. Wie schon beim mageren 1:0 zum Auftakt gegen Kanada konnte sich der Teamchef nicht auf seine "Altstars" verlassen. Die Führungsspieler Kevin de Bruyne, Eden Hazard und Welt-Torhüter Thibaut Courtois zeigten abermals schwache Leistungen. "Was ist bloß los mit De Bruyne?", titelte "Het Nieuwsblad" am Montag.

Die in der Vergangenheit mit Offensivpower und Spielfreude von ihrem Team verwöhnten belgischen Anhänger müssen sich in diesem Jahr an ein ganz anderes Gesicht der Mannschaft gewöhnen. Das Spiel Belgiens in Katar ist geprägt von Einzelaktionen, umständlichen Angriffen und schweren individuellen Fehlern. "Das hat etwas mit Mentalität zu tun", haderte Martínez. "Es sah so aus, als hätten wir Angst zu verlieren. Das kenne ich so nicht." Vor allem offensiv fehlt zur Zeit vieles.

Durch den schmeichelhaften Auftaktsieg haben es die Belgier immerhin noch in der eigenen Hand, das erste Vorrunden-Aus seit 24 Jahren zu verhindern. "Wir sind in einer Situation, in der wir nichts mehr zu verlieren haben. Wir müssen einfach gegen Kroatien gewinnen. Dann sind wir fürs Achtelfinale qualifiziert", sagte Martínez. Zweifel an einem Sieg gegen den Vize-Weltmeister sind nach den bisherigen Leistungen aber angebracht. "Es wird jetzt schwierig, sich zu qualifizieren", gestand Kapitän Eden Hazard.

2018 hatten die Belgier nach zwei Spielen bereits acht Treffer erzielt, diesmal erst einen. Ein Vergleich, der die aktuelle Verfassung des Teams gut beschreibt. Die wenigen Spieler, die nach dem Spiel nicht stumm das Stadion verließen, reagierten mit Trotz. "Aber wir haben immer noch eine Mannschaft, in der viele Spieler den Unterschied ausmachen können", sagte etwa Timothy Castagne. Das Problem: Diese Spieler zeigen es nicht.

De Bruyne etwa ist sichtlich genervt von den Unzulänglichkeiten einiger Mitspieler und will zu oft mit dem Kopf durch die Wand. Hazard, der bei Real Madrid nur noch sporadisch zum Einsatz kommt, scheint mehr mit sich selber beschäftigt zu sein und für Stürmerstar Romelu Lukaku reichte es nach langer Verletzungspause gegen Marokko erst einmal nur zu einem Kurzeinsatz. Selbst wenn der 29-jährige Torjäger von Inter Mailand gegen Kroatien länger spielen könnte, wird er noch lange nicht in Topform sein.

Dass es innerhalb der Mannschaft nicht mehr stimmt, ist auch an den Äußerungen nach den Partien zu spüren. "Unsere Verteidiger sind nicht die schnellsten Verteidiger der Welt, aber das wissen sie selbst", sagte Hazard und Courtois wies jegliche Schuld am ersten Gegentor per direktem Freistoß aufs kurze Eck von sich. "Wir begehen ein Foul, das wir nicht begehen sollten. Völlig unnötig", schimpfte Courtois in Richtung von Thomas Meunier.

Bei den Marokkanern ist die Situation ganz anders. Ende August auf Trainer Walid Regragui zu setzen, war scheinbar genau die richtige Wahl. Unter dem 47-Jährigen ist das Team sechs Spiele ungeschlagen und dabei auch ohne Gegentor geblieben. Einen Anteil daran hat auch Hakim Ziyech. Der Chelsea-Akteur ist unter Regragui wieder Teil eines Teams, aus welchem er Mitte 2021 nach Meinungsverschiedenheiten mit Ex-Coach Valid Halilhodzic bereits zurückgetreten war. Kein Wunder also, dass Regragui in der Heimat bereits gefeiert wird.

"Vier Punkte nach zwei Spielen gegen Kroatien und Belgien zu haben, ist herausragend für Marokko", sagte Regragui. "Aber wenn wir jetzt nicht respektvoll damit umgehen, erreichen wir gar nichts." Noch fehlt seiner Mannschaft ein Punkt aus dem letzten Gruppenspiel gegen Kanada.

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