Mixed

Acht Jahre nach Debüt ist Schwab in Atzenbrugg der Star

Acht Jahre nach seinem Sensations-Debüt als 15-jähriger Amateur in Atzenbrugg und ein Jahr nach seinem Einstieg ebendort ins Profigolf ist Matthias Schwab diese Woche der Star beim Heim-Turnier in Niederösterreich. Der Steirer ist mittlerweile 23 und auf dem Weg, im Profigeschäft durchzustarten. Sein Manager Andrew "Chubby" Chandler sieht in Schwab einen kommenden Top-50-Spieler.

Matthias Schwab ist heuer Österreichs Aushängeschild SN/APA/EXPA/JFK
Matthias Schwab ist heuer Österreichs Aushängeschild

"In zwei Jahren, womöglich auch früher, kann Matthias dort sein", sagte der Betreiber der englischen Agentur ISM (International Sports Management), mit der Schwab seit dem Vorjahr einen Dreijahresvertrag hat. Schon im ersten Jahr wurden die Erwartungen übertroffen, auch in der Vermarktung. "Normalerweise kümmern wir uns in erster Linie um's Sponsoring. Aber Matthias hatte selbst da schon ein gutes Paket geschnürt", so Chandler.

So wird der Steirer aus Rohrmoos bei Schladming mit einem Turnier-Betreuer sowie bei Reisen bzw. mit Turnier-Einladungen unterstützt. Spielt der Österreicher so weiter, werden bald kaum noch "Invitations" notwendig sein. In der Weltrangliste hat er innerhalb eines Jahres fast 1.200 Plätze gut gemacht, in der Jahreswertung (Race) ist er schon in den Top-100.

Weil mit Bernd Wiesberger 2018 Österreichs Nummer eins verletzt fehlt, musste Schwab bei Österreichs einzigem Event der European Tour auch die Werbe-Lokomotive machen. Zwei Tage vor dem Turnierstart absolvierte er zahlreiche PR-Termine. "Als Aushängeschild sind das Verpflichtungen und eine Verantwortung, der ich mich stellen muss. Wenn ich so weiterspiele, wird das auch nicht das letzte Mal gewesen sein", war Schwab (selbst-) bewusst.

Wie der Sohn des einstigen Bob-Olympiastarters und Ex-NADA-Chefs Andreas Schwab mit dem Rummel vor dem Shot Clock Masters umging, imponierte auch Chandler. "Er ist der Star beim Heimturnier. Daraus kann er lernen, wenn man später woanders auf ihn blickt", sagte der Brite, der stets große Stücke auf den Österreicher gehalten hat, im Gespräch mit der APA. Chandler wurde bisher nicht enttäuscht. "Matthias hatte schon als Amateur großartige Ergebnisse und er wird sein Spiel weiter Schritt für Schritt verbessern. Aber wichtiger als alles andere ist, dass er den Kopf, das Herz und die Eier für eine Karriere hat."

Chandler promotet hauptsächlich Golfer und Springreiter und ist Fan des stets ruhigen Steirers und dessen konstanter Spielweise. "Matthias ist kein Wow-Golfer. Aber er macht auch keine dummen Fehler", so der ehemalige Golf-Pro (1 Turniersieg), der Schwabs Spielweise mit jener von Matt Kuchar vergleicht. Der Amerikaner war einst Nummer 5 der Welt und hat über 30 Mio. Dollar verdient.

Tatsächlich hat Schwab bisher alle in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt. Einzig eine Rückenverletzung sorgte 2014 für eine fast einjährige Spielpause. "Damals war nicht klar, wie es weitergeht", so Schwab.

Seitdem geht es für den Jungstar, der einst mit Bruder Johannes als Einrad fahrender Golfballjongleur bei "Wetten Das?" imponierte und 2010 in Atzenbrugg für die beste Tour-Platzierung (32.) eines 15-Jährigen aller Zeiten gesorgt hat, praktisch nur bergauf. Ob als Amateur in den USA, als Vanderbilt-Absolvent, oder nun im Profigolf. Schon im ersten Profijahr gewann er als Vierter in Indien 65.000 Dollar Preisgeld, qualifizierte sich zuletzt erstmals für ein 7-Millionen-Event der Rolex-Serie in Italien.

Was Schwab von Tennis-Star Dominic Thiem (24) unterscheidet, ist nicht nur der Altersunterschied von 15 Monaten. Schwab hat studiert und erst mit 22 so richtig los gelegt. In seinen ersten 12 Monaten als Profi hat Schwab freilich auch enorm viel gespielt. "Ohne Einladungen muss man eben antreten, wo man hineinkommt."

Auch in Atzenbrugg teet er bereits die fünfte Woche in Folge auf. Doch das ist ein gutes Omen. Auch Indien war das fünfte Turnier in Serie. "Offenbar erreiche ich immer da meinen Leistungs-Höhepunkt."

Auf Schwab kommen wichtige Wochen zu. Auf Atzenbrugg folgen die BMW International Open in Deutschland, auch bei den folgenden Rolex-Turnieren in Frankreich, Irland und Schottland winken Startchancen. Und damit auch der erste Major-Auftritt. Chandler ist überzeugt, dass Schwab sich über Top-Platzierungen für die 147. British Open (ab 19. Juli) qualifiziert und das spezielle Quali-Turnier gar nicht braucht.

Auf den Versuch, sich für die US Open nächste Woche zu qualifizieren, hat Schwab leichten Herzens verzichtet. Eine Qualifikation wäre mit enormem Reisestress verbunden gewesen. "Ich bin echt fit. Aber dann wäre ich mit Sicherheit irgendwann zusammengebrochen."

Zwar ist Schwabs Betreuer-Team professionell aufgestellt, den Reisestress kann ihm aber niemand abnehmen. "Vier Tage in Folge immer voll da zu sein, und das Woche für Woche, dazu das viele Reisen, das wird oft unterschätzt", sagte der Sportler, der den gleichen Kopfsponsor wie Ski-Star Marcel Hirscher hat. "Ein Privatjet, oder, noch besser, beamen zu können, wäre deshalb schon cool", laute daher sein größter Wunsch, gestand er lachend.

Schwabs Ziel bleibt, die Tourkarte für 2019 zu behalten. Das ist aus der Tour-School im Vorjahr nur drei Spielern gelungen. An die 350.000 Euro Preisgeld werden notwendig sein, 180.000 hat er schon.

Auch das mit dem Geld ist freilich so eine neue Sache für Schwab. "Ich habe mein ganzes Leben Golf gespielt und nie Geld bekommen. Irgendwann gewöhnt man sich aber auch daran."

Quelle: APA

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