Mixed

Besser, am besten, Phelps

Mit seinem 21. Olympia-Gold schreibt der Schwimm-Superstar weiter Sportgeschichte. Jetzt aber nicht mehr als Skandal-Boy, sondern als Familienmensch.

Was Michael Phelps seit eineinhalb Jahrzehnten in den Schwimmbecken dieser Welt abliefert, ist mit Superlativen kaum zu beschreiben. Am einfachsten wohl mit Zahlen: 25 Medaillen, 21 davon glänzen seit Mittwoch in Gold. Da war es an der Zeit, dass auch der mit Abstand erfolgreichste Olympionike aller Zeiten menschliche Züge zeigte. Er küsste seine Verlobte, umarmte seine Mutter und seinen drei Monate jungen Sohn. Dann gestand die "Maschine im Wasser" bei der Pressekonferenz weit nach Mitternacht. "Ich bin jetzt einfach nur müde, will nicht mehr denken, einfach nur mehr schlafen gehen."

Realisiert haben wird er sein Sport-Vermächtnis wohl auch beim Aufwachen noch nicht. Zu frisch ist dafür sein bisher emotionalster Triumph und zu viel hat er in Rio noch vor. "Ich wollte diesen Sieg zurückhaben. Dieser Bewerb ist mein Ein und Alles", strich er den Erfolg im für ihn wichtigsten Rennen über 200 Meter Delfin hervor.

Die Vorgeschichte: Chad Le Clos hatte ihm in London 2012 ausgerechnet auf seiner Paradestrecke, auf der er fast ein Jahrzehnt unbesiegt war, Gold weggeschnappt. Dem nicht genug, trat der Südafrikaner mit verbalen Attacken über Phelps' ausschweifendes Leben nach. Der US-Star blieb stets ruhig, gab die Antwort im Wasser. Und fügte hinzu "Mission erfüllt."

Bis sie erfüllt war, bekamen die fast 15.000 Fans im Aquatics Stadium sowie viele Millionen Zuschauer vor den TV-Geräten ein an Spannung kaum zu überbietendes Rennen zu sehen. Zunächst schien Phelps seinem 20. Gold geradezu entgegenzufliegen. 1,05 Sekunden lag er vor Masato Sakai. Doch dann die letzte Wende, die der 31-Jährige komplett verpatzte. Der Rhythmus war weg. Der um zehn Jahre jüngere Japaner holte Zentimeter um Zentimeter auf. Schließlich konnte Phelps 0,04 Sekunden ins Ziel retten. Dass Titelverteidiger Le Clos nur als Vierter anschlug und mit "Blech" der große Verlierer war, passte da ins Bild.

Auf den nun fälligen Seitenhieb verzichtete Phelps. Er suchte nur den Weg auf die Tribüne zu seiner Familie. "Normal schläft er um diese Zeit. Da er gerade munter war, musste ich mich beeilen zu ihm zu kommen", scherzte Phelps über Sohnemann Boomer.

Seine Familie steht für ihn auch als Neuanfang. Nicht sportlich, denn da war ihm der Erfolg (fast) immer sicher. Persönlich aber scheint der Superstar geläutert. Seit Februar 2015 ist er mit dem Model Nicole Johnson verlobt. Schlagzeilen schreibt er seither nur mehr im Schwimmbecken. Das war nicht immer so. 2004 wurde er wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet. 2009 ging ein Foto von ihm mit einer Wasserpfeife um die Welt. Zu einem möglichen Marihuana-Konsum schwieg er, der US-Schwimmverband suspendierte ihn daraufhin. Nur wenige Monate später war er zwar schuldlos in einen Autounfall verwickelt, hatte aber keinen Führerschein. Dem nicht genug, wurde er auch bei seinem Comeback 2014 wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet und zum zweiten Mal für nun sechs Monate von allen Wettkämpfen ausgeschlossen.

Eskapaden gehören nun anscheinend aber endgültig der Vergangenheit an. Und bald auch seine einmalige Karriere. "Das war mein letztes Rennen über 200 Meter Delfin", sagte Phelps nun in Rio. Zumindest aber noch drei Mal steht der 1,93 Meter große Modellathlet in den kommenden Tagen am Start. Drei Gelegenheiten, um die Gold-Sammlung auf unfassbare 24 zu erweitern. Der bis dato letzte Coup gelang ihm 75 Minuten nach seinem Delfin-Sieg in der Kraul-Staffel, wo ihn auch ein Missgeschick nicht aufhalten konnte. Kurz vor dem Start war ihm der Anzug gerissen. Mit der vom vor ihm gestarteten Teamkollegen Conor Dwyer ausgeliehenen Bekleidung stellte er sein 21. Gold sicher. "Wir haben diesen Typen durch eine Menge Widrigkeiten gehen sehen. Da kann ihn ein anderer Anzug nicht mehr hindern", sagte Dwyer und fasste damit gleich die Hollywood-reife Karriere des Ausnahmeathleten zusammen.

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