Sport

"Die derzeitige Situation ist extrem belastend"

Im SN-Interview spricht Salzburgs Karatestar Alisa Buchinger über Motivationsprobleme in der Coronakrise und ihr Traumziel Olympia in Tokio.

Alisa Buchinger trainiert auch in der Coronakrise hart.  SN/gepa
Alisa Buchinger trainiert auch in der Coronakrise hart.

Seit knapp drei Wochen können Spitzensportler wieder halbwegs geregelt trainieren. Wie geht es Ihnen im Training? Alisa Buchinger: Gut. Ich habe auch während der mehrwöchigen Coronapause nie aufgehört, meine Einheiten zu absolvieren. Durch die derzeitige Wettkampfpause habe ich mehr Zeit, um an verschiedenen Techniken zu feilen. Das ist in einer normalen Saison nicht möglich.

Ein Karatetraining mit Körperkontakt ist aber weiterhin nicht möglich. Wie sehen Ihre Trainingseinheiten derzeit aus? Ich trainiere zwei Mal täglich. Wie bereits erwähnt arbeiten wir an der Technik, zudem liegt der Fokus auf der Fitness und der Beweglichkeit. Positiv ist, dass ich seit einigen Wochen wieder ein Mal am Tag im Olympiazentrum Rif trainieren kann. Trotzdem hoffe ich, dass bald wieder ein Karatetraining möglich ist.

Die Olympischen Spiele in Tokio wurden wegen der Coronakrise auf 2021 verschoben. Ein Vor- oder Nachteil für Sie? Für mich wäre am vergangenen Wochenende das entscheidende Turnier in Paris auf dem Programm gestanden. Ich habe mich lange auf diesen Event vorbereitet und wollte mir dort ein Ticket für Tokio sichern. Nachdem vor einiger Zeit bereits alle Turniere abgesagt wurden und ich mir nicht sicher bin, ob 2020 noch Wettkämpfe stattfinden, hängen wir alle in der Luft. Wir wissen auch nicht, wie die Qualifikationskriterien für Olympia 2021 aussehen.

Die Bundesregierung hat bereits mehrmals betont, dass Kontaktsportarten in der Halle wohl noch länger kein grünes Licht bekommen werden. Haben Sie Angst, dass Karate erst wieder erlaubt wird, wenn ein Impfstoff gefunden wurde? Ich glaube, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis wir wieder normal trainieren dürfen und Wettkämpfe stattfinden können. Die derzeitige Situation ist extrem belastend. Für mich ist es unverständlich, dass zum Beispiel die Einkaufszentren, in die jeden Tag Zehntausende Menschen strömen, aufsperren dürfen, aber wir Karateka nicht normal trainieren dürfen. Ich hoffe auf eine schnelle Lösung, glaube aber, dass es leider noch länger dauern wird.

Marathon-Olympiastarter Peter Herzog hat vor einigen Wochen in den "Salzburger Nachrichten" gesagt, dass er im Training nur schwer ans Limit gehen kann, wenn er kein Ziel vor Augen hat. Geht es Ihnen ähnlich? Ganz ehrlich, es ist brutal schwer für den Kopf. Ich trainiere seit vier Jahren auf Olympia 2020 hin und dann werden die Spiele um ein Jahr verschoben. Und ich bin mir nicht sicher, ob es im kommenden Jahr gehen wird. Ich quäle mich zwar jeden Tag aufs Neue, aber es ist wirklich schwer, weil man nicht weiß, wofür man trainiert. Es geht aber vielen Sportlern so. Wir können es derzeit nicht ändern, sondern müssen uns fit halten, damit wir bereit sind, wenn es wieder losgeht.

Haben Sie schon einmal ans Aufgeben gedacht? Nein, das kommt für mich nicht infrage. Ich kämpfe bis zum Schluss und hoffe, dass Olympia im nächsten Jahr stattfindet und ich mit dabei bin.

Viele Vereine, aber auch Einzelsportler haben in der Coronakrise Sponsoren verloren und kämpfen mit finanziellen Problemen. Wie sieht es bei Ihnen aus? Ich versuche in dieser schweren Zeit meine Sponsoren durch meine mediale Präsenz zu unterstützen, und im Herbst werden wir dann über die Verlängerungen sprechen. Meine Einnahmen für dieses Jahr habe ich schon erhalten, wie es danach weitergeht, weiß ich noch nicht. Die Wirtschaft steht leider nicht gut da, es wird für den Sport in Zukunft natürlich noch schwieriger werden, Geld zu lukrieren. Beim Heer erfahre ich in Kürze, ob mein Vertrag verlängert wird.

Sie haben als Heeressportlerin während des Höhepunkts der Coronakrise im Einzelhandel ausgeholfen. Wie war diese Erfahrung? Cool. Vor allem haben wir Sportler, die vom Bundesheer immer unterstützt werden, etwas zurückgeben können. Ich habe in einem Lebensmittel-Zentrallager in Oberösterreich mitgearbeitet.


SPORT-NEWSLETTER

Jetzt anmelden und wöchentlich die wichtigsten Sportmeldungen kompakt per E-Mail erhalten.

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 01.12.2020 um 04:06 auf https://www.sn.at/sport/mixed/die-derzeitige-situation-ist-extrem-belastend-87381175

Kommentare

Schlagzeilen